Forchheim
Sozialkritik

Bühnenlicht beleuchtet Blender

Mit dem Stück "Kleider machen Leute" rückte das Junge Theater die Oberflächlichkeiten unserer Gesellschaft ins Rampenlicht
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"Haste was, biste was", nach diesem Motto Schindet das arme Schneiderlein in teurem Zwirn Eindruck. Foto: Alexander Hitschfel
"Haste was, biste was", nach diesem Motto Schindet das arme Schneiderlein in teurem Zwirn Eindruck. Foto: Alexander Hitschfel
"Kleider machen Leute" heißt das Stück, mit dem das Nachwuchs-Ensemble des Jungen Theater Forchheims am vergangenen Wochenende auf der Bühne stand. Angelehnt an die bekannte Novelle von Gottfried Keller zeigte das Ensemble ein Stück, das über all die Jahre hinweg nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Wer kennt sie nicht die bekannte Novelle von Gottfried Keller, in der es um den mittellosen Schneidergesellen Wenzel Strapinski geht, der nach einer vermeintlichen Insolvenz seine Arbeitsstelle verloren hatte und als letzten Lohn noch einen schicken Mantel und einen Hut ausgehändigt bekommen hat. Als er mit dem feinen Zwirn und dem Hut auf Wanderschaft und auch auf die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle geht, wird er ohne eigenes Zutun für einen wohlhabenden Mann gehalten und fortan ändert sich sein Leben auf wundersame Art und Weise? Wenzel wird von den Stadtbewohnern - ohne eigenes Zutun - für einen polnischen Graf gehalten. Fortan hat der bislang arme Schneidergeselle die Eintrittskarte für die elitären Kreise gelöst. Das Glück ist dem Schneider hold und so gewinnt Wenzel auch beim Kartenspiel und kommt somit auch zu einem gewissen Reichtum.


Geld mach sexy

Wohlhabende Männer werden auch in der Frauenwelt nicht verschmäht und so kommt es schließlich wie es kommen muss: Wenzel verliebt sich in das hübsche Nettchen, die Tochter des Amtsrates und so wird aus dem jungen Schneider und Nettchen ein Paar. Doch wie gewonnen, so zerronnen: als ausgerechnet die ehemalige Chefin von Wenzel auf das junge Glück trifft, wird offenbar, dass Wenzel ja eigentlich nur ein armer Schneidergeselle ist. Natürlich gibt es auch bei diesem Stück ein Happy End und Nettchen nimmt ihren Wenzel auch ohne, dass er ein wohlhabender Mann ist.

Dieses sozialkritische Stück ist aktueller denn je, denn auch heutzutage gruppiert man Menschen nur anhand der Kleidung in Schichten ein. Dem Theater-Ensemble ist es gelungen das Publikum nicht nur bestens zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen. Muss es immer Markenkleidung sein? Beurteilen wir manche Menschen vielleicht oberflächlich nur anhand ihres Äußeren ohne sie näher zu kennen?

In diesem Jahr standen Caroline Wald, Clarissa Deinlein, Daniel Eckert, Elias Schmitt, Helena Rödel, Kai Hulwa, Laura Grimm, Sinja Neubauer, Noel Kramer, Leara Oppermann, Paula Deinlein, Sofia Dottori und Tizia Denzler auf der Bühne. Wer das Stück genau beobachtet hat, der merkte schnell, dass auch das aktuelle Stück die Handschrift von Regisseur und Ensemble-Leiter Jürgen Gutschmann trug, der die bekannte Geschichte nach seinen Vorstellungen modifizierte und seine eigenen Gedanken mit einbrachte.

Alles in allem eine runde Sache des Theaternachwuchses des Jungen Theaters, bei dem sich die Besucher auch in diesem Jahr wieder gut unterhalten fühlen durften.
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