Forchheim
Eröffnung

Brücke ins normale Leben für psychisch Kranke

Eine wohnortnahe therapeutische Betreuung bietet die psychiatrische Tagesklinik, die im Gesundheitszentrum beim Klinikum Forchheim aufgemacht hat.
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Die Psychologin Teresa Saffer (v.l.) im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sozialstiftung Bamberg, Xaver Frauenknecht, und Gesundheitsministerin Melanie Huml  bei der Eröffnung der psychiatrischen Tagesklinik in Forchheim. Foto: Andreas Oswald
Die Psychologin Teresa Saffer (v.l.) im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sozialstiftung Bamberg, Xaver Frauenknecht, und Gesundheitsministerin Melanie Huml bei der Eröffnung der psychiatrischen Tagesklinik in Forchheim. Foto: Andreas Oswald
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Die depressiven Erkrankungen nehmen zu. "Das Risiko, dass jemand während seines Lebens eine Depression entwickelt, liegt bei 13 bis 26 Prozent", weiß Teresa Saffer. Sie gehört als Psychologin zum Team der neuen psychiatrischen Tagesklinik, die im Beisein von Gesundheitsministerin Melanie Huml im Ärztezentrum beim Klinikum Forchheim eröffnet worden ist.
Die hell und freundlich gestalteten Therapieräume liegen gleich im Erdgeschoss des Ärzte- und Gesundheitszentrums am Klinikum. Diese Einbindung wertete der Chef der Sozialstiftung Bamberg, Xaver Frauenknecht als einen besonderen Vorteil. Er freute sich, dass das Projekt in Kooperation dreier starker Partner verwirklicht worden sei: dem Klinikum Forchheim, dem Bezirk und der Sozialstiftung Bamberg. Die psychiatrischen Tagesklinik biete eine wohnortnahe Betreuung für Menschen, "die nicht in der Mitte des Lebens stehen." Oft hätten diese Menschen eine vollstationäre Behandlung hinter sich - und die Tagesklinik sei für sie wie eine Brücke ins alltägliche Leben.
Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) setzte den Eindruck des lebenslustigen Annafestes in Kontrast zu den Menschen, denen es nicht so gut gehe. Für die sei mit dieser Einrichtung ein wichtiger Lückenschluss geschaffen worden. Er wünschte den Therapeuten viel Erfolg und den Patienten eine gute Genesung.
Auch Altoberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WuO)ließ es sich als Vorsitzender der Bayerischen Krankenhausgesellschaft nicht nehmen zu gratulieren. Er verhehlte nicht, dass die Schaffung dieser Einrichtung eine lange Geburt gewesen sei. Als Xaver Frauenknecht vor rund zehn Jahren auf der Suche nach einem Ort für eine solche Einrichtung an ihn herangetreten sei, habe man die Bayreuther Straße vorgeschlagen. Stumpf gab zu: "Wir Forchheimer wollten dies in unserem Krankenhaus nicht haben, weil damit ein Bettenabbau verbunden gewesen wäre." Stumpf dankte jedoch seinem Nachfolger Uwe Kirschstein und dem neuen Krankenhausdirektor Sven Oelkers dafür, dass man den Gedanken einer psychiatrischen Tagesklinik weitergeführt habe. Es sei eines Oberzentrums würdig, solch ein Angebot bieten zu können. Er wisse aus eigener Erfahrung, so betonte Stumpf, wie anstrengend es sei zu einer ärztlichen Behandlung zu kommen. Mit einer wohnortnahen Einrichtung habe man viel gutes für die Patienten getan, bescheinigt der Alt-OB dem Chef der Sozialstiftung, Xaver Frauenknecht.


Win-win-Situation für beide Kliniken

Gesundheitsministerin Melanie Huml freute sich Alt-OB Franz Stumpf und Xaver Frauenknecht in solcher Einigkeit zu sehen. Denn es gehe um um eine wichtige Sache. Nämlich darum, den Patienten zu vermitteln: "Hier gehst Du durch eine Türe - egal ob Deine Seele erkrankt ist, oder Dein Körper."
Als Glücksfall bezeichnete es die bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, dass es im Ärztehaus am Klinikum noch freie Mietflächen gegeben habe. Die Platzierung im Ärztehaus bringe viele Vorteile: Erstens sei eine enge Anbindung an die somatische Versorgung sei sichergestellt. Zweitens erfahre der Krankenhaus-Standort Forchheim eine spürbare Aufwertung. Drittens könnten die vorhandenen Diagnostik- und Therapieeinheiten für die Psychiatrie mitbenutzt werden. Und schließlich: Die Infrastruktur des Klinikums Forchheim werde noch besser ausgelastet, stellte Melanie Huml fest und betonte: "Alles in allem entsteht für beide Kliniken eine echte Win-win-Situation". Der Freistaat habe das Projekt begleitet und nach Kräften unterstützt. Ausnahmsweise sei es diesmal nicht um die Baukosten gegangen, man beteilige sich vielmehr an den Mietkosten. Staatsministerin Huml hob die wohnortnahe Behandlung hervor - das sei für die Patienten und deren Familien etwas sehr, sehr Wichtiges. "


Therapiemöglichkeit für 20 Patienten

Das medizinische Konzept der psychiatrischen Tagesklinik erläuterte der stellvertretende Chefarzt der Psychiatrie Bamberg, Dr. Robert Meyrer. Die Tagesklinik in Forchheim sei ein Bindeglied zwischen vollstationärer- und ambulanter Therapie. Die Einrichtung biete für 20 Patienten die Möglichkeit therapiert zu werden - und zwar in zwei Gruppen mit jeweils zehn Teilnehmern. "Unser Konzept ist auf acht Wochen ausgelegt", erklärte der Psychiater. Der Vorteil: Der Patient bleibt in seinem sozialen Umfeld. Er habe mit den Therapiezeiten von 8 bis 16 Uhr eine Tagestruktur, als würde er zur Arbeit gehen.
Gegenüber einer Ambulanz habe die Tagesklinik den Vorteil, das man hier viel intensiver arbeiten könne. Zielgruppe der Klinik seien 18 bis 65-Jährige, die in der Lage seien, zuhause noch selbstständig zurecht zu kommen. Angeboten würden Einzel- und Gruppentherapien. Meyrer hob hervor, dass man auch eine Anbindung zu Gruppierungen außerhalb der Klinik anstrebe - dazu gehören Selbsthilfegruppen, Einrichtungen wie "die Insel" aber auch die Arbeit mit angehörigen. Es geh darum, die Stigmatisierung zu vermeiden. Wenn man früher in Bamberg gesagt habe, man gehe nach St. Getreu, dann sei dies schon mit einer Stigmatisierung behaftet gewesen - in Forchheim könne man ganz einfach sagen: "Ich geh' ins Klinikum."
Auch das pflegerische Konzept wurde vorgestellt. Pflegedienstleiter Markus Graf betonte, man arbeite begleitend, nicht bevormundend. Der pflegerische Aspekt basiere darauf, den Patienten ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
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