Forchheim

Bruderschaft vereint Tradition und Moderne

Die St.-Sebastiani-Gemeinschaft begeht den Jahrestag des Heiligen mittlerweile seit über 350 Jahren mit einer Prozession - und zwar ununterbrochen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Prozession ist am Alter am Katharinenspital angekommen.Elisabeth Görner
Die Prozession ist am Alter am Katharinenspital angekommen.Elisabeth Görner
+9 Bilder

Der 20. Januar ist der eigentliche Namenstag des heiligen Sebastian, aber das jährliche Fest mit Prozession wird von der Sebastiani-Bruderschaft Forchheim, die zur St.-Martinsgemeinde gehört, immer an dem Sonntag gefeiert, der dem 20. am nächsten liegt. Schon 1666 wurde die Forchheimer Bruderschaft gegründet, und die Mitglieder sind froh und dankbar - und durchaus auch stolz-, dass es durch all die 354 Jahre hindurch keine Unterbrechung der Prozessionstradition gab.

Das gilt auch für die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Allerdings durfte man damals nicht durch die Hauptstraße gehen, was der Bruderschaft aber ohnehin nicht recht gewesen wäre, denn die Straße hieß damals Adolf-Hitler-Straße.

Bei der Prozession wird eine hölzerne Figur des Heiligen von vier Sebastiani-Brüdern durch die Innenstadt getragen, sowie eine Sebastian-Reliquie in einer Monstranz vom mitgehenden Priester. Von der St.-Martinskirche läuft man durch die Sattlertorstraße zur heiligen Katharina bzw. zum gleichnamigen Spital - diesmal wegen der Bauarbeiten zu einem schlichten Altartisch davor-, von dort durch die Hornschuchallee und ein Stück Wiesentstraße zum Kloster St. Anton, das die Ankommenden mit feierlichem Geläut empfing, und schließlich durch die Klosterstraße, am Paradeplatz vorbei durch die Hauptstraße wieder zur Martinskirche zurück.

Anliegen hat sich gewandelt

Auf die Frage an einen der noch vergleichsweise jüngeren Prozessionsteilnehmer, ob es sich mehr um reine Tradition oder auch heute noch um ein vom Religiösen her bewusstes Mitmachen handle, kam die glaubwürdige Antwort, dass das ursprüngliche Anliegen aus dem 17. Jahrhundert, den heiligen Sebastian und andere Heilige um Verschonung vor der Pest und anderen damaligen Gefahren für Leib und Leben zu bitten, sich ja nur gewandelt habe.

Auch heute gebe es z.B. in Gestalt von Immunschwäche und lebensgefährlichen Abhängigkeiten sowie von Gefahren im Verkehr Vieles, das tatsächlich Grund und Anlass für das Beten sei; auch wenn er - übrigens nicht als Einziger - schon in der dritten Generation zur Forchheimer Sebastiani-Bruderschaft gehöre, sehe er diese Vereinigung und ihre Aktivitäten als besonders modern. Die während der Prozession vorgetragenen Fürbitten unterstrichen noch das Zeitgemäße: um Frieden und Einigkeit, um Vergebung, wenn zur Spaltung beigetragen worden sei, und um Offenheit für Fremde und Ausgegrenzte sowie um die Bereitschaft, besonders diesen zu helfen.

Politisches Engagement

Interessant ist, dass es bis heute viele "Brüder" gibt, die sich politisch engagieren - quer durch die bürgerlichen Parteien; es waren und sind auch immer Stadt- und Kreisräte dabei. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Sebastiani--Bruderschaft grundsätzlich sozial ausgerichtet ist; in früher Zeit, als es noch keine Versicherungen und keine Witwenrente gab, kümmerte sich die Männergemeinschaft z.B. nach dem Tod eines Sebastiani-Bruders um dessen Frau bzw. die Familie.

Jede Ehefrau eines "Bruders" ist zwar auch heute eine Sebastiani-Schwester, aber das heißt nicht, dass sie wirklich Mitglied der Bruderschaft ist; das ist nicht ganz modern, aber umsonst heiße diese kirchliche Gruppierung ja nicht so, sagt Gerhard Käding, der derzeitige Vorsitzende.

Als die Jahresversammlung der Sebastiani-Brüder im Gewölbekeller des Pfarrhauses begann, hatte man noch die starken Klänge des Bläserensembles rund um den Abschlusssegen in der Martinskirche im Ohr; Karl Schüller, einer der Spieler, selber Sebastiani-Bruder und früher auch Leiter der Bläser, erzählte vor dem Verlassen der Kirche, dass das Sebastiani-Fest schon immer ein Höhepunkt des Jahres für ihn gewesen sei und er - trotz seines hohen Alters - heuer das 53. Mal wieder habe dabei sein können!

Eine Neuaufnahme

Neben den üblichen Tagespunkten standen viele Ehrungen an und eine Neuaufnahme. "Noch-Diakon" Christian Wohlfahrt wurde neu in die Gemeinschaft aufgenommen. Auch wenn er wahrscheinlich bald die St. Martinsgemeinde werde verlassen müssen, so hoffe man auf seine Wiederkehr - vielleicht als Kaplan, kommentierte Käding. "Um der Gründungsgeschichte der Bruderschaft zu folgen" wolle man aber auch den "Noch-Bürgermeister" Franz Streit zum Ehrenmitglied der Bruderschaft machen, denn 1666 gehörte zu den vier Gründungsvätern auch der damalige Bürgermeister Rünagel.

Für 20 Jahre Mitgliedschaft konnten Alfred Glasser und Marcus Morgenroth geehrt werden, für 25 Jahre Gerhard Käding selbst, Reinhold Ried und Ulrich Schütze. 30 Jahre lang gehören zu den Sebastiani-Brüdern Gerhard Heim und Lorenz Martin, 35 Jahre Walter Dambacher (der auch oft die Fahne bei Beerdigungen trägt) und Hans Friedrich. Für 40 Jahre Mitgliedschaft gab es eine Urkunde für Heinz Endres, Georg Hutzler und Herbert Knorr.

Abschließend bat Käding die jetzt 133 Mitglieder der Forchheimer Bruderschaft darum, eifrig um neue Mitglieder zu werben, damit die Tradition (mindestens) noch weitere 100 Jahre bestehen bleiben könne.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren