Neunkirchen am Brand
Hochwasserschutz

Boxt Wasserwirtschaftsamt die Förderung durch?

Im Marktgemeinderat legte ein Planer Varianten für ein Hochwasserschutzkonzept rund um Neunkirchen am Brand vor. Eine Aussage ließ aufhorchen.
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Das Hochwasser richtete damals am evangelischen Kindergarten in Neunkirchen am Brand großen Schaden an. Die Engstelle besteht nach wie vor. Foto: fr/Archiv
Das Hochwasser richtete damals am evangelischen Kindergarten in Neunkirchen am Brand großen Schaden an. Die Engstelle besteht nach wie vor. Foto: fr/Archiv
Um das Zurückhalten des Wassers geht es in dem Hochwasserschutzkonzept für die drei Gemeinden Hetzles, Dormitz und Neunkirchen am Brand. Obwohl Hetzles inzwischen ausgestiegen ist, sollte jede der drei Gemeinden zunächst die verschiedenen Varianten hören. Planer Stefan Wolf vom gleichnamigen Planungsbüro war deshalb in die Gemeinderatssitzung nach Neunkirchen gekommen, um das Konzept vorzustellen.

Welche Wassermengen können entstehen, wo sind die Engstellen und welche Lösungsvorschläge gibt es? Das sind die Fragen. Das System Brandbach umfasst 22 Quadratkilometer von Hetzles nach Neunkirchen und Dormitz.

In Hetzles gibt es zwei Engpässe. Bei einem hundertjährigen Hochwasser (HQ 100) würde viel Waser ins Gelände abfließen. In Baad ist eine Engstelle, in Neunkirchen eine weitere am Sportplatz. Dort kämen 24,6 Kubikmeter Wasser in der Sekunde durch, an der Engstelle könnte nicht mehr als ein Kubikmeter durchgeführt werden.

Der Punkt, an dem die Wassermenge als erstes ausbrechen würde, ist die Engstelle Kindergarten und Grundschule in Neunkirchen. Auch westlich des Gewerbegebietes gibt der Brandbach Wassermengen ab. Das summiere sich und würde weiter nach Dormitz abfließen.

"Baad und der Kindergarten sind die wichtigsten Engstellen. Hier wird mit den Lösungen angesetzt", sagte Planer Wolf. 155 Wohnanwesen, die Grundschule und der Kindergarten wären betroffen. Daraus ergibt sich ein hoher Nutzen-Kosten-Faktor, der für die Bezuschussung notwendig ist.


Pegelhäuschen am Kindergarten

Am Kindergarten könnte ein Pegelhäuschen stehen. Natürlich wäre es schön, wenn man bereits in Hetzles Rückhaltungen machen könne. Die Lösungsvarianten sehen ein Becken am Schlierbach vor und eine Doppelrohrleitung am Weidengarten. Möglich wäre auch ein Becken am Reppach. Die dritte Möglichkeit sehe je ein Becken für den Reppach und den Schlierbach vor.

In Baad drängen bei Hochwasser bis zu 4,6 Kubikmeter Wasser in der Sekunde herein. An der Engstelle könnte eine Ausleitung gebaut und ein kleiner Wassergraben verbreitert werden, der zum Brandbach fließt. Das Zuviel an Wasser würde über Rohre und Gräben am Siedlungsbereich vorbeigeführt werden.


Hochwasser von 2012

Das Hochwasser, das man 2012 live erlebt habe, entspreche genau der Karte mit den gefährdeten Zonen, meinte Martin Walz (CSU). Er zeigte sich zunächst sprachlos über das Nein aus Hetzles. Ohne diese Gemeinde würde es schwierig sein. Dann müsse man den Weg gehen, 160.000 Kubikmeter Wasser außerhalb von Neunkirchen zu stauen. In Neunkirchen könne eine Rückhaltemaßnahme nur im Bereich der Sportplätze angeordnet werden.


11,2 Fußballfelder

Martin Walz brachte hier eine Rechnung an. Wenn ein normaler Fußballplatz 7140 Quadratmeter Fläche habe, würde man die Fläche von 11,2 Fußballplätzen benötigen für eine Staumöglichkeit. Es benötige keinen Architekten, um zu erkennen, dass dies nicht funktioniere. Dennoch müsse man etwas für die Bürger tun, betonte Walz.

Auch Karl Germeroth (FW) wollte nicht einfach zustimmen. "Wir haben gehört, wie viel Wasser abgefangen werden müsste. Dann muss es am Sportplatzgelände noch höhere Mauern geben. Ich kann dem nicht zustimmen, wenn wir nicht über eine Alternative für das Sportgelände diskutiert haben", sagte Germeroth.

Ein anderer Punkt stieß dem Zweiten Bürgermeister Martin Mehl (CSU) auf. Die vorliegenden Zahlen und Fakten seien für ein HQ 100 ausgelegt; dies würde ohnehin nicht gefördert werden. Die Förderung würde es nur bei einem HQ 115 geben. Planer Wolf merkte an, dass das Wasserwirtschaftsamt (WWA) mitteilte, von der Fläche her würde man das HQ 115 nicht unterbringen. Das WWA wolle hier die Förderung für das HQ 100 durchboxen und müsse das mit dem Ministerium noch abklären.


Man will es schriftlich

Der Gemeinderat forderte die schriftliche Aussage des Wasserwirtschaftsamt über die Fördermöglichkeit für ein HQ 100. Zudem soll mit Hetzles nochmals ein Gespräch geführt werden. Wenn Hetzles beim Nein bleibt, müsste neu berechnet werden. Man bräuchte wohl drei große Rückhaltebecken. Ob dann ein weiteres am Harbach gebaut würde, müsste auch untersucht werden.
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