Streitberg
Tourismus

Boom und Niedergang der Jugendherbergen in der Fränkischen Schweiz

Seit den 1920er Jahren wurden Jugendherbergen in der Fränkischen Schweiz immer beliebter. Auf das jahrzehntelange Hoch folgte seit 2000 der Niedergang.
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Der Fränkische-Schweiz-Verein, 1901 gegründet, verfügte schon 1921 über eine eigene Jugendherberge - die erste in Bayern. Repro: löw
Der Fränkische-Schweiz-Verein, 1901 gegründet, verfügte schon 1921 über eine eigene Jugendherberge - die erste in Bayern. Repro: löw

Die Jugendherbergen der Region gehörten im letzten Jahrhundert zu den beliebtesten Unterkunftsmöglichkeiten. Sie ermöglichten preiswerte Unterkünfte und vor allem der Jugend erlebnisreiche Aufenthalte in der Fränkischen Schweiz.

Die erste Jugendherberge in der Region entstand kurz nach dem Ersten Weltkrieg: die Jugendherberge auf der Streitburg. Sie wurde 1921 von Hans Hertlein gebaut, der die Einrichtung jahrelang auch als Herbergsvater leitete. Hertlein, seinerzeit Besitzer der Streitberger-Bitter-Brennerei und Inhaber der 1902 eröffneten Pilgerstube, war als Vorsitzender des Fränkische-Schweiz-Vereins (FSV) stark bestrebt, den Tourismus in der Region anzukurbeln. Schon 1924 konnten in der Jugendherberge 3030 Besucher gezählt werden. Unter diesen waren 1224 Mittel- und Hochschüler, 873 Volksschüler und 993 Lehrlinge, vermeldet die Statistik. Die Streitberger Einrichtung war damit drei Jahre früher auf dem Markt als die erste offizielle bayerische Jugendherberge (im Besitz des Jugendherbergsverbandes), die 1924 im Landkreis Starnberg entstand.

Boom in Pottenstein

1924 gesellte sich die Jugendherberge in Pottenstein dazu. Zusammen mit der kurz vorher eröffneten Teufelshöhle und dem 1926 eröffneten Felsenbad sorgte sie für den ersten großen Tourismusboom in Pottenstein. Waren es im Sommer 1926 noch 3762 Fremde mit 7631 Übernachtungen (in Pottenstein), kamen im Sommer 1928 bereits 7890 Fremde mit 25.984 Übernachtungen. Die Lokalpresse schreibt 1929 rückblickend: "Eine derartige Steigerung ist in Bayern ohnegleichen. Dass das wundervolle Felsenbad eine ganz besondere Rolle spielt, muss dankbar anerkannt werden."

Die Zahl der Betten steigt

Die Bettenzahl stieg damals von 160 auf 405. An 64 Tagen im Sommer waren die Betten belegt. Die beiden Jugendherbergen hatten Vorbildfunktion. So kam es bald zur Errichtung einer weiteren Jugendherberge. Der Wiesenbote berichtete am 22. Mai 1932: "Die Errichtung einer Jugendherberge wurde in der Ausschusssitzung des Verkehrsvereins dem Bierwirt Joseph Gruber in Waischenfeld übertragen. Dieser verpflichtet sich, die Herberge vorschriftsmäßig auszubauen und gut zu verwalten. 25 eiserne Bettgestelle wurden bereits zu diesem Zweck aufgestellt."

Eröffnung in Gößweinstein

Im Frühjahr 1954 eröffnete die Jugendherberge in Gößweinstein ihre Pforten. 1958 konnten bereits 65.000 Gäste in den Herbergen begrüßt werden. 1964 wurde die Streitberger Herberge neu erbaut. 1971 kam noch die Don-Bosco-Jugendherberge in Forchheim dazu, so dass es zu den Glanzzeiten vier gut gehende Jugendherbergen gab.

Statistik

Von 1972 gibt es eine Statistik aller vier Jugendherbergen: Die Jugendherberge in Streitberg - mit 134 Betten ist sie die drittgrößte Oberfrankens nach Oberwarmensteinach (160) und Wirsberg (150) - zählt nach wie vor die meisten Übernachtungen der 17 Herbergen des Bezirks. 1972 wurden 18.618 Übernachtungen gezählt. Insgesamt 3410 Gäste trugen sich im Vorjahr in die Bücher der Streitberger Herberge ein.

Die Zweitgrößte

Die zweitgrößte Jugendherberge der Fränkischen Schweiz war die in Gößweinstein mit 98 Betten, die in der Statistik einen leichten Aufwärtstrend meldet: Im Vorjahr zählten die Herbergseltern 10.711, 1971 etwas weniger - nämlich 10.628 Übernachtungen. Durchschnittlich wurde jedes Bett 119-mal (in Streitberg 138-mal) belegt, 2490 Gäste kamen nach Gößweinstein in die Jugendherberge. Auch die kleinste Jugendherberge, die in Pottenstein, meldete einen Aufwärtstrend: 4560 Übernachtungen von 1648 Gästen wurden 1972 gezählt. Jedes der 48 Betten war 95-mal belegt.

Das Haus in Forchheim

Schließlich stand noch die Forchheimer Jugendherberge in der Statistik: Ihre "Bettenfrequenz" sei mit 111 recht gut, schrieb die Lokalzeitung. 3143 Jugendliche übernachteten insgesamt 9320-mal. 1971 waren es mehr: 9836. Die Jugendherberge der Kreisstadt hatte 84 Betten. Insgesamt hatten die Jugendherbergen der Fränkischen Schweiz 364 Betten, in denen 1972 rund 10.691 jugendliche Gäste schliefen, die 43.209 Übernachtungen generierten.

Das neue Jahrtausend

Im neuen Jahrtausend begann das große Aus. Zuerst schloss die Jugendherberge in Gößweinstein 2002 die Pforten. 2010 folgte die Jugendherberge in Streitberg. Jene hatte 1992 noch ihren 500.000. Gast begrüßt. Am 31. Juli 2019 schloss die Jugendherberge Don Bosco in Forchheim ihre Tore. In allen drei Fällen waren aufwendige Sanierungen der Gebäude Anlass für die Schließung. In Gößweinstein wurde anstelle der Jugendherberge ein Seniorenheim neu erbaut, in der Jugendherberge Streitberg war ein Sporthotel untergebracht. Es schließt laut Internetseite (www.sporthotel-fraenkische-schweiz.de/news/12/154/Ab-2020-geschlossen.html) am 18. Oktober dieses Jahres ebenfalls die Pforten. Allein die Jugendherberge in Pottenstein, Ende der 70er Jahre neu erbaut, besteht dann noch mit 168 Betten in 38 Zimmern. Dazu gibt es noch ein Heim des Schullandheimwerks Oberfranken, welches ebenfalls in Pottenstein beheimatet ist, und das Kreativzentrum Sachsenmühle, das der evangelischen Jugend in Nürnberg gehört. Beide Einrichtungen haben sich vor allem auf Schulklassen eingerichtet.

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