Forchheim

Blick ins Dorf des Ljuborod

Auf seiner Reise in kleine fränkische Dörfer hat der Erlanger Autor Helmut Haberkamm auch in der Region Forchheim Bemerkenswertes entdeckt.
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Laibarös, vom südlichen Ortsausgang betrachtet. Fotos: Josef Hofbauer
Laibarös, vom südlichen Ortsausgang betrachtet. Fotos: Josef Hofbauer
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Es ist eine Sammlung von literarischen Essays, ergänzt durch anschauliche und aufschlussreiche Fakten. Die Sammlung lädt ein, "Franken als Kulturregion neu zu entdecken". Ihr Autor, der in Erlangen lebende (und aus dem Aischgrund stammende) Helmut Haberkamm, hat das Buch "Kleine Sammlung fränkischer Dörfer" genannt.

Das Projekt beruht auf einer Idee der Grafikerin Annalena Weber. Für die Abschlussarbeit ihres Studiums hat sie 19 deutsche Weiler unter die Lupe genommen. Diese Idee aufgreifend, begab sich der Mittelfranke Helmut Haberkamm in Franken auf die Spur interessanter Dorfgeschichten. In 20 Dörfern mit weniger als 150 Einwohnern suchte der Autor in Gesprächen mit den Bewohnern nach dem Besonderen, nach der Anziehungskraft des Ortes oder nach dem Gemeinschaftssinn der Einwohner.

Crowdfunding macht's möglich

Außerdem zeigt er auf, dass der Kulturraum Franken über Bayern hinausreicht, weshalb auch Ortschaften aus Thüringen und Baden-Württemberg ins Buch aufgenommen wurden. Um das Buchprojekt (das bei Ars Vivendi erschienen ist) zu finanzieren, wagten Weber und Haberkamm sogar eine öffentliche Crowdfunding-Aktion.

Der Leser muss das Buch nicht von vorne nach hinten lesen, sondern kann sich einfach einen Ort, der ihn besonders interessiert, herauspicken. Zum Beispiel das in der Fränkischen Schweiz liegende Laibarös. Jedes Kapitel beginnt mit den wichtigsten Informationen über den Ort und einer Karte. In diesem Fall erfährt man, dass der Ort zur Gemeinde Königsfeld im Landkreis Bamberg im Bezirk Oberfranken gehört.

Über Dorffeste, Vereine und das Alter der Bewohner kann sich der Leser informieren; zudem erfährt er, dass es sich um das "Dorf des Ljuborod" handelt. Auf den weiteren Seiten finden sich Grafiken mit interessanten Informationen und liebevoll erzählten Geschichten aus dem Ort.

Zum Beispiel sind die meisten Einwohner zwischen 40 und 65 Jahren alt. 67 Einwohner arbeiten außerhalb, zwei im Dorf. Laibarös hat 132 Einwohner und 37 Haushalte. Vier Familien haben Felder, es gibt vier Nebenerwerbshöfe und einen Vollerwerbshof. 125 Bewohner sind katholisch. Jeden Morgen fährt ein Bus nach Bamberg. Die wichtigen Orte in der Nähe sind Poxdorf, Königsfeld, Scheßlitz, Hollfeld, Bamberg oder Ebermannstadt.

Der Leser erfährt im Kapitel über Laibarös, dass die Kapelle am Ortseingang ein Symbol der Dankbarkeit und Opferbereitschaft ist. Doch in Gesprächen erfuhren die Autoren, dass die Frömmigkeit von damals Geschichte ist. Früher gab es drei Gottesdienste und Andachten im Monat, heute bleibt die Kirche beim monatlichen Wortgottesdienst leer. Die Menschen erzählten, dass es früher wohl Grund zum Beten gab. Zum Beispiel verhungerten 1816 in Laibarös während der Hungersnot etliche Kinder. Dies war eine Folge des Vulkanausbruchs in Indonesien im Jahr 1815. In den Fünfzigern gab es im Dorf zwei Straßenlaternen und zwei Telefone - eines in jeder Gastwirtschaft. Der einzige übriggebliebene Landwirt ist ein Biobauer, den man früher verspottete.

Die Informationen sind interessant, die Geschichten kurzweilig erzählt. Man merkt, dass den Autoren das Thema "kleine Dörfer in Franken" am Herzen liegt. Die Geschichten schaffen es, den Leser in Bann zu ziehen, sodass er das Gefühl hat, am Gartenzaun zu stehen oder in der Gastwirtschaft am Stammtisch zu sitzen und sich mit den Einwohnern zu unterhalten und ihre Geschichten zu hören.

Die Orte haben keine großen Sehenswürdigkeiten und vielen sind sie wahrscheinlich unbekannt. Aber der Leser spürt den Charme, aber auch deren Veränderungen. Und schließlich findet er sich im Wichtigsten wieder: im Herzen der fränkischen Seele.

Aufgeschrieben hat Helmut Haberkamm all das, um auch Klischees zu widerlegen. Natürlich liegen die Dörfer in der Region der Burgen, Schlösser, Fachwerkhäuser. Im Land der Rostbratwurst, von Bier und Wein.

Alles richtig - aber kennen Sie Franken wirklich? Helmut Haberkamm hat sich über mehrere Monate immer wieder auf die Reise gemacht, um in den kleinen Dörfern einen abseitigen Blick auf Franken zu gewinnen. Er hat mit den Leuten gesprochen, im Wirtshaus, auf der Straße, an Küchentischen, über den Gartenzaun hinweg - und sie gefragt: Wie ist der Alltag an einem Ort, an dem jeder jeden kennt? Wie lebt es sich jenseits der Ballungszentren, jenseits von austauschbaren touristischen Attraktionen, jenseits immer gleicher Konsumangebote? Denn womöglich findet man gerade hier Antworten auf die Frage danach, was uns Franken kulturell geprägt hat und wo wir herkommen.



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