Forchheim
Vernetzung

Biotope oder Blühwiesen: Was sind für den Landkreis Forchheim geeignete Maßnahmen?

Mehr Biotope oder gar Biotopverbunde schaffen, ist ein Ziel des Volksbegehrens "Artenvielfalt". Der Bauernverband hält dies jedoch für zu einseitig.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein Biotop, das jetzt natürlich schneebedeckt ist: die Hecke Sollenberg. Foto: Landratsamt Forchheim
Ein Biotop, das jetzt natürlich schneebedeckt ist: die Hecke Sollenberg. Foto: Landratsamt Forchheim
+1 Bild

Biotopverbunde zu schaffen ist eine der Forderungen des Volksbegehrens "Artenvielfalt". Laut den Organisatoren sind es die menschlichen Siedlungen, Straßen und leer gefegten Ackerlandschaften, die unüberbrückbare Schneisen schlagen. Das bekräftigt auch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Forchheim, die zunehmend einer weiteren Verinselung vorhandener Biotope gegensteuern müsse, auch wenn es mit den Biotopen im Landkreis Forchheim noch ganz gut aussehe. Aber wäre es überhaupt möglich, geforderte Biotopverbunde zu schaffen?

"Selbstverständlich ist es möglich, Maßnahmen für den Biotopverbund zu ergreifen", beteuert Michael Urbanczyk, von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Forchheim. Dazu besonders geeignet seien insbesondere lineare Strukturen wie Hecken, für deren Neuanlage auch Fördergelder zur Verfügung stünden. "Leider wird davon wenig Gebrauch gemacht, da die landwirtschaftliche Förderung immer noch über die Fläche geregelt ist und damit Flächenverluste als nachteilig empfunden werden", sagt Urbanczyk.

Ausgleichsflächen

Auch die Gemeinden hätten im Rahmen der Landschaftsplanung und auch der Bauleitplanung durch Ausgleichsflächen Möglichkeiten, Maßnahmen zum Biotopverbund zu ergreifen. Und selbst im Rahmen der Flurbereinigung gebe es Möglichkeiten, den Biotopverbund zu fördern, meint Urbanczyk, der das Volksbegehren unterstützt, auch weil es darin um einen neuen rechtlichen Rahmen für den Naturschutz gehe.

Als Beispiel für die bisher "zu lasche Rechtsgrundlage" nennt er die Einführung der Paragrafen 13 a und 13 b des Bundesbaugesetzbuches, womit den Gemeinden pauschal die Möglichkeit eingeräumt werde, Wohngebiete ohne Anwendung der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung, also ohne Ausgleich, auszuweisen. "Das ist in Zeiten des Artensterbens völlig kontraproduktiv", findet Urbanczyk.

Unterstützt wird das Volksbegehren auch vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Auch der LBV hat etliche Flächen gekauft und Biotope geschaffen. Auf diesen wurden alte Sorten von Hochstammobstbäumen und Hecken gepflanzt, es wurden ein Amphibienteich angelegt, Nistkästen für Höhlenbrüter, Turmfalken oder Waldkäuze angebracht, Flächen entbuscht und durch das Grundstück ein renaturierter Graben mit mehreren kleinen Tümpeln neu angelegt, wie Gerhard Raab von der Forchheimer Kreisgruppe des LBV erläutert. Und diese ist interessiert, weitere Flächen zu erwerben.

"Ziel der Zukäufe ist es, ein Netzwerk zu schaffen, das in der intensiv genutzten Agrarlandschaft ökologisch wertvolle Flächen verbindet", erklärt Helmut Schmitt, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Forchheim. Auch er fände es gut und vor allem zielführend, wenn man die Flächen vernetzen könnte. Das gestalte sich oft als schwierig, da die Flächen nicht nebeneinander liegen. "Deshalb halten wir die Augen offen, um zu erkennen, wann wieder eine geeignete Fläche zu erwerben ist", erklärt Schmitt.

"Jeder Acker vernetztes Biotop"

Dass die Landwirte keine oder nur wenig Landschaftspflege betreiben und durch die intensive Landwirtschaft kaum mehr Biotope vorhanden sind, kann Hermann Greif, der oberfränkische Präsident des Bauernverbandes, so nicht stehen lassen. Aus Sicht des Bauernverbandes ist jeder Acker ein vernetztes Biotop. "Wir haben 30 000 Hektar Zwischenfrüchte. Dort blüht auch in der Zeit nach der Ernte noch etwas. Das ist ein riesiges vernetztes Biotop", betont Greif und zählt die vielen anderen Aktionen auf, die von der Landwirtschaft umgesetzt werden. Das sind nicht nur die Blühstreifen um einzelne Äcker und Felder herum, die vor acht Jahren mit dem Landesverband bayerischer Imker ins Leben gerufen wurden, sondern ganze Blühäcker.

Das Hauptziel ist der Erhalt der Artenvielfalt und der Bienen, damit ausreichend Blüten bestäubt werden. Bei dem Programm "Blühflächen" werden Ackerflächen in Blühwiesen verwandelt, speziell um die Artenvielfalt zu fördern. Viele Nützlinge leben in den Blühflächen, von der Florfliege bis zum Marienkäfer. Dort verpflichtet sich der Landwirt sogar fünf Jahre lang nichts zu tun. Die Äcker werden nicht aufgebrochen, sondern für die vertragliche Zeit bleibt dort Natur pur, auch im Winter. Hier werde durchaus nicht nur für Bienen, sondern allgemein für die Artenvielfalt gehandelt.

Was die Natur braucht

Alleine die Landwirtschaft habe 30 Prozent der Flächen als Grünland und weitere 30 Prozent der Flächen als Wald. Zu den Biotopen der Naturschützer hat der Bauernverbandspräsident auch eine eigene Meinung: "Die Hochglanzbiotope sind nicht immer das, was die Natur braucht. Wir müssen weiter denken. Was dem Schmetterling gefällt, muss der Raupe nicht gefallen", betont Greif. Eine Raupe habe andere Ansprüche an die Umwelt. Und es sei nun mal die Raupe, aus der sich der Schmetterling entwickelt.

"Was von den Bauern gefordert wird, sollte auch von jedem Mitbürger gefordert werden. Der ein oder andere sollte darüber nachdenken, ob es den Mähroboter oder den Golfrasen braucht", sagt Bauernverbandspräsident Greif und gibt die Antwort darauf gleich selbst: "Es braucht blühende Wiesen."



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren