Gräfenberg
Rückruf

Bier-Rückruf in Gräfenberg: Eine Flasche war nicht sauber

Aus Sicherheitsgründen ruft die Brauerei Lindenbräu in Gräfenberg das Bier mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 18/03 und 24/04 zurück. In einer einzigen Flasche dieser Charge wurden Verunreinigungen von Reinigungsmitteln gefunden.
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Irene Brehmer-Stockum, Chefin der Brauerei und selbst Brauerin, vor dem Förderband, auf dem die leeren Flaschen nach den Spülgängen zur Kontrolle befördert werden. Foto: Petra Malbrich
Irene Brehmer-Stockum, Chefin der Brauerei und selbst Brauerin, vor dem Förderband, auf dem die leeren Flaschen nach den Spülgängen zur Kontrolle befördert werden. Foto: Petra Malbrich
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Es ist wie ein Alptraum. Irene Brehmer-Stockum, Chefin des Lindenbräu, hat die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Seit Stunden telefoniert sie ihre Kunden an, die laut Lieferschein ein Bier mit den Mindesthaltbarkeitsdaten MHD 18/03 und 24/04 gekauft haben. "Das Bier ist schon getrunken und hat gut geschmeckt", ist die Antwort, die sie seit Stunden erhält. Etwa 70 Hektoliter Bier wurden an dem Tag mit den genannten MHD's abgefüllt und längst alle verkauft. Mitte bis Ende Dezember wurde das Bier abgefüllt, seit spätestens Ende Januar ausverkauft. Jedes Bier ist jede Woche ausverkauft.

Doch bei einer dieser abgefüllten Flaschen monierte ein Verbraucher. Von der Verbraucherschutzbehörde wurde Irene Brehmer-Stockum informiert, dass Restflüssigkeit einer Reinigungslösung gefunden wurde. Genauere Informationen über das Wieviel hat die Lindenbräu Chefin selbst noch keine. Aber sie handelte sofort, informierte alle Kunden, die Bier dieser Charge gekauft hatten. Es müsste beim Öffnen riechen oder das Bier schäumt nicht, wären die Hinweise dafür, dass etwas nicht stimmt.

Mehrere Waschgänge

Das Etwas war in diesem einen Fall wohl zwei unglückliche Umstände, die zusammengetroffen sind. Einerseits versagte das doppelte Kontrollsystem. Denn die Qualität der Produkte und die Sicherheit der Kunden stehen bei Lindenbräu laut Brehmer-Stockum an oberster Stelle, gefolgt von der Umweltfreundlichkeit. Deshalb benutzt die Brauerei Mehrwegflaschen.

Diese leeren Flaschen werden mit einem Förderband zur Reinigungsmaschine in die Waschanlage der Brauerei befördert, um mehrmals gespült zu werden. Nach der ersten Vorweiche folgt die Hauptreinigung und dann drei Nachspülgänge. So werden die Flaschen zusätzlich wieder abgekühlt, um gefüllt werden zu können.

Nach den Spülgängen wird jede Flasche zwei Mal kontrolliert, ob sie auch sauber ist. Visuell und maschinell. Ein Mitarbeiter steht dabei vor dem Band und schaut die leeren, gespülten Flaschen an, prüft, ob sie einen Sprung haben oder der Verschluss drauf ist. Dann durchläuft die Flasche auf dem Förderband eine Schranke. Wenn etwas in der Flasche ist, gemessen wird die Restflüssigkeit, schaltet der Alarm ein und das Band aus, damit genau diese Flasche nochmals überprüft werden kann. Bei der beanstandenden Flasche passierte nichts.

Woran das lag, weiß Brehmer-Stockum selbst nicht genau zu definieren. Mehrmals täglich wird nämlich ein Testlauf mit Testflaschen gestartet, um die Funktionstüchtigkeit des Kontrollsystems sicherzustellen. "Der Testlauf hat geklappt", erklärt Brehmer-Stockum. Man könne mit fast hundertprozentiger Sicherheit davon ausgehen, dass es nur diese eine Flasche gewesen sei.

Gegenstand in der Flasche?

Sie hat für den unglücklichen Vorfall nur die Erklärung, dass ein Gegenstand in der Flasche steckte, bei der Reinigung dieser Gegenstand vor die Mündung rutschte und so das vollständige Entleeren der Flasche nicht gewährleistet war. Denn manche Konsumenten werfen gedankenlos eine Zigarettenkippe in die leere Flasche, teils auch Metallstückchen oder die durchsichtige Folie einer Zigarettenschachtel. Diese Folie ist auch mit dem Auge nicht gleich sichtbar. Das ist der zweite unglückliche Umstand.

Allerdings wurden bei einem der regelmäßigen Tests dann zeitweise Funktionsstörungen des Gerätes festgestellt. "Nachdem nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, dass diese Störungen schon während der laufenden Abfüllung gegeben waren, haben wir uns zur Sicherheit unserer Kunden für einen Rückruf der Charge Vollbier MHD 18/03 und 24/03 entschieden. Die Verbraucher können die Ware an dem Markt, an dem sie es gekauft haben, zurückgeben", erklärt Brehmer-Stockum ihre Sicherheitsmaßnahme. Sie ist sehr um das Wohlergehen ihrer Kundschaft besorgt, andererseits auch zuversichtlich, denn von den Kunden des verkauften Bieres hört sie nach wie vor Lob und dass zwei Kontrollsysteme über mehrere Hektoliter versagen, ist sehr unwahrscheinlich.

Neues Kontrollgerät

Dennoch handelte die Lindenchefin rigoros zur Sicherheit der Kunden und bestellte sogleich ein neues Kontrollgerät. "Sonst kann ich nicht mehr schlafen", sagt sie. Bis das Gerät, das im vierstelligen Kostenbereich liegt, geliefert ist, wird kein Bier abgefüllt.


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