LKR Forchheim
Wahlen

Betriebsräte bringen vollen Einsatz für die Kollegen

Vom 1. März bis 31. Mai laufen die Betriebsratswahlen. Jana Harmuth aus Ebermannstadt und Peter Knust aus Forchheim setzen sich als Betriebsräte für ihre Kollegen ein. Sie geben Einblick in ihre vielschichtige Arbeit.
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Thomas (Name geändert) klopft an die Tür von Jana Harmuth. Der junge Mann hat seine Ausbildung bei Kennametal in Ebermannstadt gemacht - als Leiharbeiter. Auch nach seiner Lehrzeit blieb er im Unternehmen, fast zwei Jahre lang. Deswegen müsste Kennametal Thomas nun auch nach den Bestimmungen des neuen Tarifvertrags eine Festanstellung anbieten. Doch stattdessen wird Thomas nun zum 1. März ausgestellt. Von Jana Harmuth will der junge Mann wissen, wie hoch die Beiträge für die Mitgliedschaft bei der IG Metall für Arbeitslose sind. Die Antwort kommt sofort, ohne nachzuschauen: "Etwa 1,50 Euro."

Fälle wie dieser machen fast die Hälfte von Jana Harmuths Arbeitszeit aus. Die 45-Jährige ist Betriebsratsvorsitzende und freigestellte Betriebsrätin bei Kennametal in Ebermannstadt. "Wir haben hier viel Publikumsverkehr, die Mitarbeiter kommen mit ihren Fragen und Problemen meist erst zu uns, bevor sie sich an einen Vorgesetzten wenden", erklärt Harmuth, "dabei geht es viel um Themen wie Schwangerschaft, Eltern- oder Teilzeit - und ums Geld. Aber auch Dinge wie ein unbequemer Stuhl oder wenn es am Arbeitsplatz zieht."


"Das wär' doch was für dich"


Ursprünglich stammt Harmuth aus Sachsen und hat in der Nähe von Leipzig eine Ausbildung zur Köchin gemacht. Nach der Wende zog es sie an die Nordsee, doch eigentlich wollte sie raus aus der Gastronomie. So landete sie 1995 über eine Freundin bei Kennametal, als Entstückerin in der Beschichtung.

Bei der Betriebsratswahl 2006 hat sich Harmuth erstmals aufstellen lassen. "Ich wäre da selbst nicht auf die Idee gekommen, aber meine Kollegen haben mich quasi dazu gedrängt", sagt die lebenslustige Blondine und lacht, "die haben gesagt, das wär' doch was für dich, du machst doch immer deine Klappe auf." Und prompt wurde Harmuth in das elfköpfige Gremium gewählt. "Danach haben wir erstmal ein Seminar über Betriebsverfassungsrecht gemacht", erinnert sich die Ebermannstadterin, "das ist auch wichtig, denn man braucht fundiertes Wissen, auch über die aktuelle Rechtsprechung zum Beispiel."

Bei Kennametal bildet der Betriebsrat mehrere Ausschüsse. Während sich eine Gruppe etwa um Lohn und Gehalt und eine andere um Arbeitssicherheit kümmert, gibt es zum Beispiel auch den Vergnügungsausschuss, der den Betriebsausflug organisiert. Als freigestellte Betriebsrätin vertritt Harmuth das Gremium nach außen und kümmert sich um Dinge wie den Info-Aushang nach der wöchentlichen Betriebsratstagung. Diese Sitzungen müssen zudem noch vor- und nachbereitet werden.

Bei den Sitzungen selbst kommen unterschiedlichste Themen zur Sprache: "Für Kündigungen und Neueinstellungen ist unsere Zustimmung erforderlich, uns müssen auch alle Bewerbungsunterlagen vorgelegt werden", erzählt Harmuth. "Wir dürfen protestieren, wenn Leiharbeiter eingestellt werden sollen."


Entscheidung über Arbeitszeit


Aber auch, wenn Kollegen im Tarifvertrag höher eingruppiert werden sollen, ist der Betriebsrat beteiligt. Per Betriebsvereinbarungen kann die Arbeitszeit verändert werden. So können etwa bis Ende März derzeit freiwillig Überstunden und Sonderschichten geleistet werden, die in vollem Umfang ausgezahlt werden. Wenn der Arbeitgeber Samstagsschichten anordnen will, darf der Betriebsrat das zwar nicht leichtfertig ablehnen: Der Antrag kann aber umgekehrt auch als Argument des Betriebsrats für Neueinstellungen dienen. "Das ist immer eine diplomatische Gratwanderung", fasst Harmuth zusammen, "aber wir können unsere Ziele immer besser erreichen, wenn wir nicht einfach Nein sagen, sondern der Arbeitgeberseite eine Lösung anbieten können."

Entgegen aller gängigen Klischees ist Engagement im Betriebsrat allein kein Grund, beruflich nicht voranzukommen, wie Peter Knust beweist. Der 51-Jährige arbeitet seit 32 Jahren bei Huhtamaki in Forchheim, war zu Beginn Jugend- und Auszubildenden-Vertreter und ist seit 24 Jahren Betriebsrat. Bevor er vor 14 Jahren freigestellter Betriebsratsvorsitzender wurde, war er Abteilungsmeister. "Auch wenn man in einer Führungsposition ist, kann man im Betriebsrat aktiv sein oder sich sogar freistellen lassen", erklärt der Forchheimer, "viele wollen das dann nur nicht, weil sie Angst haben, es könnte ihrem beruflichen Werdegang schaden." Knusts Stelle als Abteilungsmeister hat damals sein Stellvertreter übernommen. Natürlich müsse man sich Gedanken machen, was nach der Betriebsratswahl kommt, findet Knust. "Mein Platz ist nicht sicher. Wenn ich nicht mehr freigestellt werde, wo werde ich dann wieder einsortiert? Diese Frage muss man sich schon stellen. Aber ich sehe dem gelassen entgegen, schließlich habe ich mich auch während meiner Freistellung beruflich fortgebildet."

Weder Harmuth noch Knust haben je ihre Entscheidung bereut, Betriebsrat zu werden. "Natürlich gibt es Momente, an denen du keine Lust mehr hast, weil deine Kollegen Entscheidungen nicht nachvollziehen können und persönlich werden. Aber das darf man sich dann eben nicht zu sehr zu Herzen nehmen", rät Knust.
Echte Erfolgserlebnisse gebe es aber leider selten, sind sich die beiden Vorsitzenden einig: "Es ist halt schön, wenn einem ein Kollege sagt, dass man ihm geholfen hat", sagt Harmuth. Dem gegenüber stehen dann Massenentlassungen wie etwa 1993, als Knust dabei zusehen musste, wie 500 der 1000 Mitarbeiter bei Huhtamaki ihre Kündigung erhalten haben.

Trotzdem: "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt", sagt Harmuth, "Als Betriebsrätin kann und will ich mich für die Kollegen einsetzen, die es nötig haben." Man solle es dem Arbeitgeber nicht zu leicht machen, seine Ziele auf Kosten der Belegschaft zu erreichen.
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