Gosberg
Wässerwiesen

Bei Pinzberg: Erstaunter Blick auf nasse Felder

Trotz wochenlanger Dürre stehen die Wiesen und Felder bei Gosberg unter Wasser. Ein seit 270 Jahren funktionierendes Bewässerungssystem sorgt dafür.
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Ungläubige Seitenblicke provozieren die trotz Trockenheit bewässerten Wiesen bei Gosberg. Fotos: Ekkehard Roepert
Ungläubige Seitenblicke provozieren die trotz Trockenheit bewässerten Wiesen bei Gosberg. Fotos: Ekkehard Roepert
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Die Rad- und Autofahrer zwischen Gosberg und Pinzberg werfen ungläubige Seitenblicke auf die Felder und Wiesen. Einige bleiben stehen und staunen: Trotz der anhaltenden Dürre der vergangenen Wochen liegt die Ebene neben der Straße unter Wasser. Halme stehen aus dem Wasser, das ganze erinnert an ein Reisfeld.

Was vielen so seltsam erscheint, weckt bei Hermann Greif vertraute Erinnerungen. "Die Wässerwiesen waren das Freibad unserer Kindheit", schwärmt der Pinzberger Landwirt und BBV-Bezirkspräsident. Glücklicherweise gebe es das System der Wiesenwässerung noch an manchen Orten. Außer in Gosberg und Reuth beispielsweise auch in Kirchehrenbach.

Seit 100 Jahren sorgen die Bewässerungsgenossenschaften in Gosberg und Reuth dafür, dass die Wiesen in trockenen Sommern unter Wasser gesetzt, und so mehrmals geschnitten werden können. "Das Bewässerungssystem ist eine sichere Bank für Grünfutter während des ganzen Jahres", erklärt Greif.

Der Vorstand einer Bewässerungsgenossenschaft wird Erster Bauherr oder Wässerer genannt. Aktuell ist der Landwirt Markus Galster Erster Bauherr der Bewässerungsgenossenschaft Gosberg-Zweng. Er ist dafür verantwortlich, die rund 25 Wehre zu öffnen und zu schließen, die Bewässerungskanäle zu befüllen und so die abgeernteten Wiesen mit Flusswasser zu überschwemmen.

Über 100 Hektar Fläche zwischen Gosberg und Sigritzau profitieren davon. Der vergangene Sommer war feucht und er habe nur einmal gewässert, erzählt Markus Gaster. "Heuer schon das dritte Mal. Und wir hoffen auf einen vierten Schnitt."

Der Erste Bauherr aus Gosberg erklärt das System: Das Wasser kommt von der Wiesent und vom Kraftwerk Schwedengraben. Der Genossenschaft, in der etwa 60 Mitglieder zusammengeschlossen sind, stehen in der Zeit zwischen 1. Mai und 15. September 1860 Liter pro Sekunde zur Verfügung.

Bei extremer Trockenheit, wie in diesem Sommer, gilt: Wasserrecht geht vor Einspeisungsrecht. Das heißt: Wenn die Landwirte ihre Felder bewässern wollen, muss die Stromgewinnung in den Kraftwerken an der Wiesent zurückstecken. Dann stehen die Turbinen schon mal still. Doch Markus Galster betont "das gute Miteinander zwischen Landwirten und Kraftwerksbetreibern". Wenn einige Wiesen noch nicht geschnitten sind und die Genossenschaft die garantierten 1860 Liter pro Sekunde gerade nicht benötige, dann werde das Wasser zu den Kraftwerken geschickt. "Und umgekehrt schickt uns das Kraftwerk Schwedengraben Wasser, wenn wir es anfordern - das ist ein Geben und Nehmen", freut sich Wässerer Markus Galster.

Das System ist 270 Jahre alt - und die Bewässerungsgenossenschaft Gosberg-Zweng funktioniert seit über 100 Jahren. Das Rückstauen des Flusswassers hebe den Grundwasserspiegel - "und so profitieren auch die umliegenden Flächen", betont Bauherr Galster. "Und auch die Forchheimer Trinkwasserversorgung profitiert - wir halten die Badewanne voll".

Weil das System so effizient und zugleich so umweltfreundlich ist, hatte Hermann Greif die Bewässerungsgenossenschaft im vergangen Jahr für den Umweltpreis des Landkreises vorgeschlagen. Mit Erfolg.



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