Forchheim

Bei Lisa Badum sind Tradition und Moderne im Einklang

Die Forchheimerin Lisa Badum (30) will für die Grünen in den Deutschen Bundestag einziehen. Dazu braucht die Partei aber ein besseres Ergebnis als auf Landesebene.
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Auch in ihrer Kleidung verbindet sich Lisa Badum Vergangenheit und Zukunft. Foto: Josef Hofbauer
Auch in ihrer Kleidung verbindet sich Lisa Badum Vergangenheit und Zukunft. Foto: Josef Hofbauer
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Schwarz-grünes Mieder mit roten Borten, roter Rock und eine Schürze mit Sonnenblumen-Muster und grüner Borte. In diesem selbst geschneiderten, modernen Dirndl erscheint Lisa Badum (29) zum Wahlkampf-Finale der Grünen auf dem Schlössla-Keller. Die Listen-Kandidatin für den Deutschen Bundestag kämpft nach eigenen Worten für soziale Gerechtigkeit, Ökonomie, Ökologie, Gleichberechtigung und den endgültigen Atomausstieg.

"Diese Ziele sind aktuell wie eh und je", betont Lisa Badum, die als ersten politischen Erfolg die Abschaffung der Studiengebühren verbucht. "Ich habe als Studentin in Bamberg (Politologie) gegen die Einführung gekämpft und durfte jetzt das Ende dieser unsozialen Belastung erleben", freut sich die Listenkandidatin der Grünen, die vor vier Jahren für ihre Partei um das Direktmandat im Wahlkreis Bamberg-Forchheim kämpfte.
Das Ergebnis damals: 9,2 Prozent für Lisa Badum, 10.6 Prozent für die Partei.

Soziale Themen haben die 1983 geborene Lisa Badum, die in die Annaschule ging und vor zehn Jahren am Ehrenbürg-Gymnasium ihr Abitur ablegte, schon immer interessiert. "In der sechsten, siebten Klasse habe ich bereits über Gleichberechtigung referiert. Ich habe gemerkt, da läuft was schief", erinnert sich die Politikerin, die sich für die Realisierung ihrer Ziele schon früh Gleichgesinnte gesucht hat.

Im 1981 gegründeten Verein "Terre des Femmes - Menschenrechte für die Frau", kämpft Lisa Badum seit zehn Jahren gegen Vergewaltigung in der Ehe, weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsheirat und häusliche Gewalt. Ein Praktikum bei der früheren Bundestagsabgeordneten der Grünen, Ursula Sowa, hat die Forchheimerin motiviert, in die Partei einzutreten. "Ich hab' aber trotzdem kein Parteibuch. So etwas gibt es bei uns nicht. Hier sind die Menschen wichtig", lächelt Lisa Badum, die seit Mai 2008 auch im Forchheimer Kreistag für mehr soziale Wärme kämpft.


Klar Position beziehen

Wichtig für sie: "Klar Position beziehen. Es gibt zu viele, die einfach nur um den heißen Brei herumreden", betont die Listenkandidatin. Dabei fährt sie schon mal ihre Krallen aus, vor allem wenn sie sich für Minderheiten einsetzt. "Ich nehme die Dinge sehr ernst. Dabei bin ich sehr konzentriert. Das kann durchaus den Eindruck der Verbissenheit vermitteln", räumt Lisa Badum ein. "Ein wenig mehr Lockerheit würde mir schon gut tun", lächelt die Politologin, die auf Platz 13 der grünen Landesliste steht und bei etwa zwölf Prozent für ihre Partei im Bundestag wäre.

Trotz Wahlkampf wirkt Lisa Badum recht entspannt. Außer dem Beruf und der Politik gab es in den letzten Wochen kaum Freizeit. "Abgesehen von einem Wochenende im Kaisergebirge in Tirol. Da bin ich gewandert und habe mich dann im Liegestuhl erholt", berichtet die Wahlkämpferin. Bewusst habe sie dabei auf Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke verzichtet. Kraft tanken war angesagt. "Es muss auch noch andere Dinge geben als Politik", findet die bodenständige Forchheimerin.

Beispielsweise gutes Essen. Das muss nicht unbedingt opulent sein. "Ich bevorzuge Hausmannskost. Kartoffeln mit Butter und Quark reichen völlig." Aber auch den fränkischen Bratwürsten gegenüber zeigt sich Lisa Badum nicht abgeneigt. "Ich esse Fleisch", gesteht sie. Am liebsten Rind oder Kalb. Schweinefleisch ist in der Küche ihrer Eltern größtenteils tabu.


Werte bewahrend

Überraschend konservativ, also Werte bewahrend, gibt sich Lisa Badum, was die fränkische Lebensart und Konversation anbelangt. So hat sie für Freunde und Bekannte Seminare veranstaltet, um ihnen die Grundbegriffe des fränkischen Dialektes beizubringen und deren Mühen mit selbst gebastelten Urkunden belohnt. Auch wenn die Politologin mangels tanzbegeisterter Männer nie einen Tanzkurs absolviert hat, liebt sie Volkstänze wie Rheinländer, Dreher und Figurentänze. Ein Vorbild für sie ist dabei David Saam aus Heroldsbach, der mit seiner Band "Kellerkommando" Überlieferung und Aktualität verbindet. "Tradition und Moderne schließen sich nicht aus", bekräftigt Lisa Badum, die mit ihrer E-Gitarre aber auch härtere Saiten anschlagen kann. "Hab' ich aber lange nicht mehr gemacht", gesteht die Wahlkämpferin.

Und welche Themen sind der politisch ambitionierten Forchheimerin besonders wichtig? "Das ist zum einen die Energiewende. Aber nicht nur, weil ich seit anderthalb Jahren bei der Naturstrom AG in Forchheim angestellt bin. Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich einen Arbeitgeber habe, mit dessen Zielen ich mich identifizieren kann. Aber anders wär' es wohl nicht gegangen", gibt Lisa Badum zu, die vorher als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Wahlkreisbüro von Uwe Kekeritz in Fürth gearbeitet hat. Um die Energiewende realisieren zu können, sei genossenschaftliches Engagement bei der Nutzung von Windenergie unabdingbar. "Der Vorteil: Der Strom wird dort produziert, wo er benötigt wird und die Wertschöpfung bleibt ebenfalls in der Region. Da gibt es noch Handlungsbedarf. Regional und überregional", findet Lisa Badum.

Das zweite Themenfeld ist die soziale Gerechtigkeit. "Die Wirtschaft muss dem Gemeinwohl dienen", fordert die Grünen-Politikerin im Hinblick auf Mindestlohn, Erziehungszeiten und gleiche Löhne für Männer und Frauen. Die Gleichberechtigung sei noch längst nicht realisiert. "Ginge es nach mir, würde ich am ersten Tag nach der Regierungsübernahme das Ehegattensplitting abschaffen. Statt dessen sollten Familien mit Kindern individueller gefördert werden", findet Lisa Badum. "Auch wenn es unklug ist. Wir fordern höhere Steuern für jene, die sich das leisten können und wollen sozial Schwächere entlasten. Ich bin gespannt, wie die Wähler das sehen", so Badum.

Einen ganz besonderen Bezug hat die Forchheimerin zur Euro-Krise in Griechenland, denn 2006/2007 hat sie im Zuge eines so genanten Erasmus-Jahres ein Jahr lang in Thessaloniki gelebt. Ziel dieses Auslandsaufenthaltes ist es übrigens, die Eigenständigkeit der Teilnehmer zu stärken und soziale Kompetenzen zu fördern. "Mein Steckenpferd", kommentiert Lisa Badum.
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