Dormitz
Rettung

Bei den First Respondern aus Dormitz zählt jede Sekunde

Die First Responder aus Dormitz helfen immer dann, wenn der Rettungsdienst noch unterwegs ist. Denn die ersten paar Minuten sind bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall die entscheidenden.
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Regelmäßig üben die First Responder aus Dormitz, damit im Einsatzfall jeder Handgriff sitzt. Fotos: privat
Regelmäßig üben die First Responder aus Dormitz, damit im Einsatzfall jeder Handgriff sitzt. Fotos: privat
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Der häufigste Notfall, der das Leben eines Menschen bedroht, ist und bleibt der Herzinfarkt. Die ersten vier Minuten haben sehr großen Einfluss darauf, ob der Not- am Ende zum Trauerfall wird oder doch noch einigermaßen glimpflich ausgeht.

Wenn ein Notarzt und Rettungswagen zu weit weg sind, um schnell einzugreifen, werden die Ersthelfer gerufen: die First Responder. Sie kommen, machen sich ein Bild von der Lage - und handeln: Kann mit dem halbautomatischen Defibrillator die Rettung herbeigeführt werden oder muss der Patient sofort in die stabile Seitenlage gedreht werden, um das Überleben bis zum Eintreffen des Notarztes zu gewährleisten?
"Das wichtigste Instrument wäre sicher der Mensch, der daneben steht", sagt Matthias Fuchs. Er ist der Vorsitzende bei den First Responder aus Dormitz.

Illusionen macht sich Fuchs aber schon längst keine mehr.
Nach zwölf Jahren Berufstätigkeit im Rettungsdienst weiß er, dass viele Menschen überhaupt nicht wissen, wie sie in einem Notfall handeln müssen. Dabei ist bei einem Patienten, der noch bei Bewusstsein ist, die stabile Seitenlage das A und O der Ersten Hilfe. Sonst droht er an seinem Erbrochenen zu ersticken.

Dass ein Patient an seinem Asthmaanfall erstickt ist, weil er nicht zur Seite gedreht worden ist, hat der Rettungsassistent mehr als nur einmal erlebt.
"Die Erste Hilfe wird hier stiefmütterlich behandelt. Staaten, die Mitarbeiter in den Behörden beispielsweise ständig schulen, sind da deutlich weiter", klagt Fuchs.

Kinder handeln schneller

Er glaubt noch einen weiteren Grund zu kennen für das zögerliche Verhalten vieler Erwachsener: "Der denkt erst minutenlang darüber nach, was der Patient haben könnte und was er selbst bei einer Ersten Hilfe alles falsch machen könnte."

Kinder dagegen seien von derlei Selbstzweifeln und Ängsten im Durchschnitt weit weniger geplagt. Sie handelten, wie sie es zuvor gelernt hätten. Deshalb besuchen die First Responder aus Dormitz auch regelmäßig Kindergärten und Schulen, um dort mit den Kindern und Jugendlichen die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen zu üben. "Die Kinder ziehen das durch", lobt Fuchs.

Er will das auch als Appell an die Erwachsenen verstanden wissen, es den Kindern gleichzutun: "Die Maßnahmen bei der Ersten Hilfe sind so lapidar einfach, dass sie jeder anwenden kann", sagt Fuchs. Das wichtigste Thema bei der Ersten Hilfe sei die Wiederbelebung: "Drücken, drücken", sagt Fuchs in diesem Zusammenhang.
Er betont damit die Bedeutung von schnellen Wiederholungen. Kostbare Zeit dürfe bei der Wiederbelebung nicht vergeudet werden. Besser sei es zu drücken, um die Pumpe, das Herz, mechanisch wieder zum Funktionieren zu bringen. "Die professionellen Helfer kommen ja bald und haben Sauerstoff dabei", sagt Fuchs.

Für ihn ist es eine moralisch-sittliche Verpflichtung, dass jeder hilft, der helfen kann. Schon allein deshalb, weil er ja auch einmal selbst auf Hilfe angewiesen sein könnte: "Was ich von anderen will, muss ich auch selbst geben können", sagt Fuchs.

Die Initialzündung zur Gründung der First Responder ging von den Jugendlichen der örtlichen Feuerwehr aus. Das war 1996, und die Jugendgruppe absolvierte gerade einen ganz normalen Erste-Hilfe-Kurs. "Sie konnten sich anschließend vorstellen, mehr zu tun. Die nächste Stufe wäre die Sanitätsausbildung gewesen", erinnert sich Fuchs an die Anfänge.

150 Einsätze im Jahr

Im Jahr 2002 wurden dann die ersten Sanitäter ausgebildet. Inzwischen zählen sie vier Gruppen mit Männern und Frauen aus den umliegenden Ortschaften. Alle haben sie eine Sanitätsausbildung.
Der wohl größte Vorteil dieser Ersthelfer vor Ort ist ihre räumliche Nähe zum Notfallgeschehen. Dieser Umstand ermöglicht es ihnen, die wichtigsten Maßnahmen bereits in den entscheidendsten Minuten durchführen zu können.

First Responder müssen schnell am Ort sein. Auch an Feiertagen oder am Wochenende. 150 Einsätze haben sie ungefähr jährlich. Etwa ein Drittel davon sind chirurgische Einsätze. Damit sind Unfälle jeglicher Art gemeint.
In zwei von drei Fällen müssen sich die First Responder mit Herzinfarkten, Schlag-und Asthmaanfällen beschäftigen.

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