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Pretzfeld
Ehrenamt

Bedroht und beleidigt - kein Respekt mehr vor der Feuerwehr?

Immer wieder behindern Gaffer die Einsatzkräfte wie unlängst bei einem schweren Unfall im Kreis Forchheim. Der Pretzfelder Feuerwehr-Kommandant hat dazu Stellung bezogen und viel Zustimmung erfahren.
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Thomas Glas (r.) und ein Kollege bei einem Unfall vor Ort Foto: Feuerwehr Pretzfeld
Thomas Glas (r.) und ein Kollege bei einem Unfall vor Ort Foto: Feuerwehr Pretzfeld
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Jeder hofft, dass schnelle Hilfe kommt, wenn er in eine Notlage - zum Beispiel einen Unfall - geraten ist. In einer solchen Situation wird die Polizei unter anderem von den Freiwilligen Feuerwehren (FFW) unterstützt. Die Betonung liegt für Oliver Flake, Kreisbrandrat des Landkreises Forchheim, und Thomas Glas, Feuerwehrkommandant in Pretzfeld, auf "freiwillig".



"Hut ab, für die, die ehrenamtlich so was machen", lobt Oliver Flake. Denn sie würden spontan ihre Arbeitsstelle verlassen müssen, um unentgeltlich als Einsatzkräfte für die öffentliche Sicherheit und Gefahrenabwehr tätig zu werden. So auch bei dem schlimmen Unfall vor zwei Wochen zwischen Pretzfeld und Wannbach, bei dem eine 39-jährige Frau starb, nachdem sie ihr Kind in den Kindergarten gebracht hatte.


Straße gesperrt

Thomas Glas und seine Kollegen mussten den Unfallort sichern und die Straße sperren. "Klar, jeder steht unter Leistungsdruck und dann muss er unerwartet den Weg ändern. Da kann man schon mal hilflos sein", versucht Oliver Flake zu verstehen. Doch würden immer mehr Menschen kein Verständnis für den Dienst der Einsatzkräfte aufbringen. Und das geschah bei besagtem Unfall.

Ein Autofahrer griff Thomas Glas verbal an, denn er hätte einen wichtigen Termin. "Dann meinte er, wir wären Schuld, wenn er den nicht wahrnehmen könne", erinnert sich der Kommandant. Eigentlich hätte er die Situation schnell wieder vergessen, wenn er den Betreffenden nicht kurze Zeit später beobachtet hätte, als dieser mit einem Fernglas die Bergungsarbeiten beobachtete.


Zuspruch vom Pfarrer

Nach dem tragischen Einsatz konnten die Feuerwehrleute mit einem ihrer aktiven Mitglieder, Pfarrer Florian Stark, zusammensitzen und über das Geschehene sprechen. "Er ist immer für uns da, so wie meine Familie und meine Freundin", erzählt Thomas Glas.

Doch am nächsten Tag sei ihm die Situation so richtig bewusst geworden und Wut sei hochgekommen. So lud er seinen Frust in Facebook ab. "Ich dachte, das lesen vielleicht 100 Leute und 50 klicken an, dass es ihnen gefällt", berichtet der Kommandant. Doch mittlerweile haben fast 600 000 Menschen den Text gelesen und über 5600 gefällt er. Rund 3900 Mal wurde der Beitrag auf anderen Facebook-Seiten geteilt. "Damit habe ich nicht gerechnet. Auch nicht, dass aus ganz Deutschland Medienvertreter bei mir anrufen", sagt Glas.

 
 

Traurig aber leider Wahr,Leider mussten wir bei unserm Einsatz am 26.10.2015 wieder feststellen das die Menschheit,...

Posted by Feuerwehr Pretzfeld on Mittwoch, 28. Oktober 2015
 


Es werden immer mehr

Dabei will er nicht alle Autofahrer über einen Kamm scheren, "denn der größte Teil ist vernünftig, aber es werden immer mehr, die kein Verständnis haben". Und Oliver Flake ergänzt, dass jeder genau überlegen sollte, was er in sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Dabei ist dem Kommandanten das Helfen sehr wichtig. Der Opa von Thomas Glas war beim Roten Kreuz tätig, er selbst bei den Johannitern. "Ich spielte gern Fußball, merkte aber, da fehlt mir etwas. Deshalb wurde ich Mitglied bei der Feuerwehr", erklärt der Kommandant. Hier kann er in einem Team Gleichgesinnter anderen Menschen helfen: "Und auf meine Mannschaft kann ich mich zu 1000 Prozent verlassen!"

Oliver Flake ist stolz auf seine Kollegen, die in den Kommunen wirken und diesen viel Geld ersparen: "Sonst könnte in vielen Fällen nicht so schnell Hilfe kommen." Zum Glück wird die FFW nicht nur zu Unfällen gerufen. "Wir sichern auch, wenn zum Beispiel Öl ausgelaufen ist oder bei kirchlichen Prozessionen", berichtet Flake. Die FFW sei auch ein wichtiger Kulturträger der Kommunen.

Ihr Stellenwert sei allerdings für viele geringer als beispielsweise der der Polizei, denn die könne gleich Strafzettel verteilen. Doch wie die Gesellschaft, so habe sich auch die FFW gewandelt. "Allerdings machen so eine Arbeit nach wie vor nur Idealisten, denn sie investieren viel Zeit, um anderen im Notfall zu helfen", fasst Flake zusammen.


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