Neuses an der Regnitz
Verkehr

Bedrohen Busse die Sicherheit Neuseser Kinder?

Anwohner in Neuses sind verärgert: Täglich sollen 15 Busse mit Schulkindern aus Forchheim übergangsweise früh eine Dreiviertelstunde und mittags maximal eine Stunde durch die Straße des Neubaugebiets Schottwiesen rollen. Die Anlieger fürchten um die Sicherheit ihrer eigenen Kinder.
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Verärgerte Bauherren und ein betretener Bürgermeister Schwarzmann (r.). Im neubaugebiet Schottwiesen sollen übergangsweise Schulbusse rollen. Die Anwohner wollen das nicht. Foto: Sonja Lengenfelder
Verärgerte Bauherren und ein betretener Bürgermeister Schwarzmann (r.). Im neubaugebiet Schottwiesen sollen übergangsweise Schulbusse rollen. Die Anwohner wollen das nicht. Foto: Sonja Lengenfelder
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Familie Mandel hatte eine klare Vorstellung wie ihr zukünftiges Leben auf dem Land aussehen soll. Sohn Fabian (30 Monate) soll in einer ruhigen Straße aufwachsen, ohne viel Verkehr. Darum haben sich die Eltern in Neuses (Landkreis Forchheim) den Traum vom Eigenheim verwirklicht. Doch die Freude ist getrübt.

Die Mandels wähnen ihr Idyll in Gefahr. Ebenso wie sie fühlen die anderen Anwohner des Neubaugebiets Schottwiesen. Hier leben überwiegend Familien mit kleinen Kindern. Die Familien sind enttäuscht und wütend.
Ziel ihrer Verärgerung ist Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB/OEB). Der versucht, die angespannten Gemüter bei einem Ortstermin zu beruhigen. Das gelingt ihm nicht, wie die Neubürger im Anschluss sagen.

Das Neubaugebiet in Neuses grenzt unmittelbar ans Lindner-Gebäude. Die ehemalige Fabrik beherbergt zurzeit die Eggolsheimer Grund- und Mittelschüler, deren Schule generalsaniert wird. Danach wird nächstes Frühjahr die Realschule Forchheim das Gebäude beziehen. Zwei Jahre lang sollen die rund 900 Kinder in Neuses die Schulbank drücken ihre Schule ebenfalls saniert ist. Die Realschüler werden mit dem Bus in ihr Ausweichquartier gebracht. Etwa 15 Busse sollen - und das ist der Streitpunkt - durch das Neubaugebiet Schottwiesen fahren.

"Unzumutbar" finden das die Anlieger und fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder, die auf der Straße spielen. "Das Neubaugebiet ist als familienfreundlich ausgeschrieben. Das ist es aber nicht, wenn ich meinen Sohn einsperren muss", erbost sich Adriana Mandel. Einen Spielplatz gebe es nicht und es sei unklar, ob einer gebaut werde.

Die Bewohner fürchten, dass die Straße unter der Last des Busverkehrs leidet und auch der Putz der neuen Häuser abbröckeln könnte: "Wer zahlt die Schäden?" Darüber hinaus sei die Straße relativ eng. Viele haben ihre Garage noch nicht fertig, parken ihr Auto deshalb an der Straße. Die Hausbesitzer befürchten ein Halteverbot, damit die Busse freie Fahrt haben.

"Wenn wir das alles vorher gewusst hätten, hätten wir den Bauplatz wahrscheinlich nicht gekauft", ärgerte sich Jürgen Mandel. "Rechtlich gesehen ist es eine öffentlich gewidmete Straße, die ordnungsgemäß ausgebaut ist", sagt der Bürgermeister. Als besonders bitter empfinden die Bauherren, dass die Gemeinde die Anwohner bisher nicht informiert hatte. "Wir haben nur Gerüchte gehört. Auf uns ist niemand zugekommen. Wir mussten selbst aktiv werden und haben uns erkundigt", sagt Anwohnerin Juliane Voß. Nur aus diesem Grund sei es überhaupt zu einer Bürgerversammlung gekommen. Viele Anwohner waren der Einladung gefolgt und hatten auch ihre Kinder mitgebracht.

Schwarzmann erklärte, dass die Gemeinde ohnehin bald einen Ortstermin anberaumt hätte. "Wir haben eine endgültige Lösung präsentieren wollen." Das Landratsamt habe die Pläne der Gemeinde vor der Sommerpause vorgelegt. Das überzeugte die Versammelten nicht.

"Wir haben verschiedene Möglichkeiten überprüft", erklärte der Bürgermeister. Es habe eine Befahrung mit einem Busunternehmen gegeben, außerdem Termine mit Behörden, darunter dem Verkehrsamt und der Polizei. Dabei stellte sich heraus, dass die Realschüler nicht mit dem Zug kommen dürfen. Der Bahnhof befindet sich gegenüber des Lindner-Gebäudes. "Die Bahnpolizei hat es wegen Sicherheitsbedenken untersagt", sagt Verwaltungschef Franz Lehnert.

Der Bahnsteig sei zu schmal für 900 Personen. Außerdem gebe es keine Unterführung. Auch andere Möglichkeiten wurden unter die Lupe genommen.

Die Schulbusse können nicht im Hof wenden. "Zu wenig Platz für 15 Busse", sagte Lehnert. Es gelt dabei zu bedenken, dass für die etwa 90 Lehrkräfte Parkplätze zur Verfügung gestellt werden müssten. Auch eine Umfahrung des Gebäudes wurde in Erwägung gezogen. Die Befürchtung: Der Verkehr könnte sich bis auf die B4 und den Kreisverkehr bei der Ortseinfahrt zurückstauen. Schwarzmann informierte über die geplanten Bring- und Holzeiten der Schüler, die das Landratsamt festgelegt habe. Montag bis Freitag treffen die Busse von 7.45 bis 8.30 Uhr ein. Die Rückfahrt erfolgt an zwei Tagen zwischen 12 und 13 Uhr und an drei Tagen um 14 Uhr. Der Bürgermeister hält das für zwei relativ kurze und überschaubare Zeiträume pro Tag. "In den zwei Jahren wird es keinen Nachmittagsunterricht geben", versicherte Schwarzmann. Über eventuelle Einzelfahrten lägen ihm keine Informationen vor.

Die Anwohner der Schottwiesen lehnen das Vorhaben des Landratsamts und der Gemeinde entschieden ab und verlangen eine Alternativlösung. "Sie sollen als unser Bürgermeister für uns einstehen und das tun Sie nicht", klagte Jürgen Mandel.

Schwarzmann versicherte, dass er alle Möglichkeiten prüfen lasse. Wenn sich keine Lösung finde, müssten andere Maßnahmen ergriffen werden: "Denkbar wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung von zehn Stundenkilometern für die Busse." Für eventuelle Schäden an Straße und Gebäuden könnte ein Beweissicherungsverfahren in die Wege geleitet werden. In etwa drei Wochen sollen die Anwohner über das Ergebnis der Prüfung informiert werden.
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