Forchheim
Streit

Baywa-Umsiedlung in Forchheim: Jetzt bezieht Baywa Stellung

Die kritischen Stimmen gegen die geplante Umsiedlung der Baywa an den Kersbacher Kreisel werden immer lauter. Jetzt meldet sich der Baywa-Konzern selbst zu Wort.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wo jetzt noch der Blick nach Sigritzau bis zum Walberla reicht, will sich die Baywa ansiedeln. Franziska Rieger
Wo jetzt noch der Blick nach Sigritzau bis zum Walberla reicht, will sich die Baywa ansiedeln. Franziska Rieger
+1 Bild

In den vergangenen Wochen hat sich gegen die geplante Umsiedlung der Baywa an den Kersbacher Kreisel bei Sigritzau Widerstand formiert, ein Aktionsbündnis will ein Bürgerbegehren initiieren, alternative Standorte sollen noch einmal geprüft werden.

Am Freitag hat die Baywa nun selbst zu einem Pressegespräch an der Lände geladen. Stickig ist es in dem kleinen Konferenzraum, in den gerade einmal ein großer Tisch und rund ein Dutzend Stühle passen. Über 40 Jahre ist die Baywa schon an der Lände angesiedelt, die energetischen Standards seien veraltet. "Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß", sagt Martin Lechner, Leiter der Baywa-Immobilienverwaltung.

Wichtig für Landwirte

Rund 1500 Landwirte gibt es im Landkreis Forchheim, 1200 davon im Nebenerwerb, sagt Günther Zäh, Leiter Vertriebsgebiet Agrar Oberfranken/Mittelfranken. Die nächsten Anlaufpunkte für Landwirte seien in Bamberg und Fürth - zu weit für den landwirtschaftlichen Verkehr. "Wenn sich die Baywa hier verabschiedet, dann wäre das für 1200 Landwirte sehr, sehr schwierig."

Der Standort am Kersbacher Kreisel liege im Kundengebiet, sei durch kürzere Wege gerade für Landwirte aus der Fränkischen leichter erreichbar. Verkehrsbelastung und Abgase würden im Stadtgebiet reduziert werden.

Der neue Standort, da scheinen sich Baywa und Stadtverwaltung einig zu sein, sei die beste Lösung. "Wir möchten gerne die Baywa im Ort halten", sagt Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). Sechs andere Standorte, einer davon ist der Bauhof an der Lände, seien geprüft worden. "Es gibt einen Unterschied zwischen theoretischen und praktischen Flächen. Der Standort muss realistisch sein", sagt Kirschstein.

Das Areal des Bauhofes sei zu klein, die Baywa müsste dann auf ihre Agrarsparte verzichten, erklärt Marion Danneboom, Baywa-Pressesprecherin. Die anderen fünf Grundstücke seien entweder nicht verkäuflich "oder für unsere Kundschaft nicht geeignet". Wo die alternativen Standorte liegen, darüber hält sich die Stadt bedeckt. "Die anderen untersuchten Standorte zur Ansiedlung der Baywa hätten außerhalb des Stadtgebietes gelegen", teilt die Stadt-Pressesprecherin Britta Kurth mit.

Der Konzern scheint fest entschlossen, am Kersbacher Kreisel seinen neuen Standort zu beziehen. Dafür sprechen auch die ausgearbeiteten Pläne und Visualisierungen. Stichpunkt für Stichpunkt sind die Vorzüge des Neubaus in der Pressemappe aufgelistet. Walter Fastenmeier, Leiter Gebäude- und Anlagentechnik, gibt einen Überblick über das Projekt: Zwölf bis 14 Monate Bauzeit sind eingeplant, abhängig davon, wann es losgehen kann.

25 431 Quadratmeter groß ist die Grundfläche, rund 5000 Quadratmeter davon sollen bebaut werden, der Rest der Fläche bleibt unversiegelt oder wird begrünt. Drei Zufahrten soll es auf das Grundstück geben, eine für die Automatentankstelle. Die Pläne für die 26 Meter hohen Silos und ein 28 Meter hohes Annahmegebäude sind vom Tisch. Stattdessen soll das Getreide in einer zwölf Meter hohen Halle gelagert werden. Höchstes Gebäude wird die Getreideannahme mit 16 Metern.

Der neue Standort soll klimaneutraler werden, mit ökologischen Baustoffen und einer Aufbereitung für Regenwasser, das dann als Waschwasser genutzt werden soll. Auch für Entwässerung und Schallschutz hat sich die Baywa schon ein genaues Konzept überlegt. Oberflächenwasser soll über unterirdische Schächte auf dem Grundstück versickern. Im vorderen Bereich des Grundstückes, nahe des Kreisels, soll eine Automatentankstelle samt E-Ladesäulen entstehen. Einen Shop oder Reinigungsplätze soll es aber nicht geben.

Öffentliche Auslegung ab Montag

Der Vorentwurf des Bebauungs- und Grünordnungsplanes liegt ab Montag, 29. Juli bis 26. August, bei der Stadt Forchheim öffentlich aus. Jeder kann dazu eine Stellungnahme abgeben. Wie die Ergebnisse der Auslegung ausfallen, dürfte wegweisend für die weitere Entwicklung des Vorhabens sein.

So lange möchten sich die Gegner der Umsiedlung-Pläne aber nicht mehr gedulden. Das Aktionsbündnis "Pro Wiesenttal" will die Umsiedlung der Baywa an den Kersbacher Kreisel bei Sigritzau mit einem Bürgerbegehren verhindern. "Wir wollen unsere demokratischen Mittel wahrnehmen", sagt Ulrich Buchholz, Vorsitzender des Bund Naturschutz (BN) Forchheim.

Voraussichtlich im September will das Bündnis den Antrag auf ein Bürgerbegehren samt Unterschriften einreichen. Der Stadtrat muss dann prüfen, ob das schriftlich eingereichte Bürgerbegehren zulässig ist. Wenn das der Fall ist, kann es zum Bürgerentscheid kommen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren