Eggolsheim

Bayerischer Verkehrsminister legt Rastanlage in Eggolsheim auf Eis

Im Regnitztal werden mehr Lkw-Parkplätze benötigt. Eggolsheim will die geplante Tank- und Rastanlage auf ihrem Gebiet verhindern - und sieht wieder Chancen. Der Bayerische Verkehrsminister prüft das Großprojekt nochmals.
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Auf dem Rastplatz Regnitztal geht es vor allem abends sehr eng zu. Foto: Ronald Heck
Auf dem Rastplatz Regnitztal geht es vor allem abends sehr eng zu. Foto: Ronald Heck

Im Kampf gegen die geplante Rastanlage Regnitztal an der Autobahn 73 scheinen sich für die Marktgemeinde Eggolsheim neue Möglichkeiten zu ergeben. Die Kommune lehnt den 13 Hektar großen Neubau auf ihrem Gebiet ab - die Autobahndirektion Nordbayern (ABDN) hingegen sieht keine Alternativen in der Region. Nun kündigt Staatsminister Hans Reichhart (CSU) an, die Rastanlagen-Pläne grundsätzlich zu überprüfen. Die Nachricht ließ die Rätinnen und Räte in der Marktegemeinderatssitzung am Dienstag wieder leichte Hoffnung schöpfen.

Ernüchternder Austausch

Bislang erschien die Situation eindeutig: "Das Gespräch war nicht erbauend", berichtete Claus Schwarzmann (Bürgerbund) ernüchtert. Der Eggolsheimer Bürgermeister hatte mit dem Präsidenten der Autobahndirektion Nordbayern, Reinhard Pirner, telefoniert. Die Bundesbehörde ist für die Umsetzung der Pläne zuständig. Die Rastanlage bei Eggolsheim ist nach dem Netzkonzept des Bundes nötig, um ausreichend Pkw- und Lkw-Stellplätze an der A 73 zu schaffen. Die Autobahndirektion verwarf bisher alle alternativen Standorte entlang der Regnitzachse - entgegen der Argumente der Marktgemeinderäte, die geschlossen die Umwandlung der dortigen Ackerflächen ablehnen.

Nun lässt Bayerns Verkehrsminister Hans Reichart die Rastanlage im Hinblick auf ihre "grundsätzliche Notwendigkeit" überprüfen, verkündete CSU-Landtagsmitglied Michael Hofmann, der sich in München dafür stark machte. Der Stimmkreisabgeordnete war zur Sitzung seiner Heimatgemeinde eingeladen worden. "Damit ist die Rastanlage erst einmal ,auf Eis gelegt', vom Tisch ist sie damit aber keinesfalls", betonte Hofmann. Jedoch habe Eggolsheim dadurch "Zeit gewonnen", um neue Argumente ins Verfahren einzubringen.

Neue Argumente finden

Hofmann argumentierte, dass auch die Bundes- und Landesbehörden aufgefordert seien, Flächen zu sparen. Mit neuer Technik und geänderten Vorgaben für derartige Infrastrukturanlagen könnten Flächen besser genutzt werden. Der Landtagsabgeordnete appellierte dabei an die Eggolsheimer Kommunalpolitiker, ihren eigenen Flächenverbrauch kritisch zu hinterfragen.

"Ein St.-Florians-Prinzip nach dem Motto ,überall, nur nicht vor meiner Haustüre', wird nicht zum Erfolg führen", meint Hofmann und wies auf Zahlen des des bayerischen Landesamtes für Statistik hin: Die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Eggolsheim habe von 2015 bis 2018 um 25,46 Hektar zugenommen. Schwarzmann entgegnete, dass die meisten landwirtschaftlichen Flächen durch den ICE-Ausbau und die Autobahn verloren gegangen seien.

Alternativen neu betrachten

Die überörtliche Politik aufzufordern, ihre Infrastruktur-Standards zu überarbeiten, begrüßte Gemeinderat Helmut Amon (OEB). Er kritisierte explizit die Entscheidung, das ehemalige Militärgelände im Hauptsmoorwald in Bamberg, als Alternative auszuschließen. Das Argument der "zu kurzen Einfädelspuren" kann Amon angesichts vieler anderer Rastanlagen in Deutschland nicht nachvollziehen. Zudem stellte er den Schutz-Status der Flächen im Bamberger Hauptsmoorwald in Frage.

JB-Rat Zacharias Zehner schlug für Eggolsheim ein Pilotprojekt "Kompakt- und Kolonnenparken" und eine "naturnahe Gestaltung" vor. Angesichts der Pläne der Autobahndirektion Nordbayern (siehe Infobox) betonte Eggolsheims Gemeindechef Schwarzmann allerdings, sich keine Illusionen zu machen: "Das wird ein Riesenparkplatz."

Das sind die aktuellen Pläne für die Tank- und Rastanlage Regnitztal

Stand Derzeit werden die Unterlagen für den haushaltsrechtlichen Vorentwurf erstellt. Gleichzeitig wird das Projekt jedoch nochmals "grundsätzlich überprüft". 20 Millionen Euro ist die bisherige Kostenschätzung.

Parkplätze Auf der Westseite (Tank- und Rastanlage Regnitztal West) sind 108 Lkw-Stellplätze und 120 Pkw-Stellplätze inklusive zehn mit Elektroladesäulen geplant; zudem fünf Plätze für Busse und Autos mit Anhängern. Zudem entsteht ein 250 Meter langer Längsparkstreifen für Großraum- und Schwertransporte. Auf dem östlichen Parkplatz sind 23 Pkw-, zehn Lkw-, zwei Bus-Stellplätze und ein 90 Meter langer Parkstreifen vorgesehen.

Anlage Zudem ist ein Raststättengebäude und eine Tankstelle geplant, auf der Ostseite ein WC-Gebäude.

Zufahrt Für Fahrzeuge, die in Richtung Bamberg also in der Gegenrichtung unterwegs sind, erfolgt die Zufahrt zum Raststättengebäude über eine Brücke.

Fläche Der Bau der Tank- und Rastanlage beansprucht insgesamt eine Fläche von circa 13 Hektar, 4,1 Hektar davon werden versiegelt.

Ersatzflächen Auch der Grüne Landtagsabgeordnete Tim Pargent aus Bayreuth kritisiert die Pläne und hat bei der Staatsregierung nachgefragt, welche ökologischen Ausgleichsmaßnahmen geplant sind. Demnach sind Ersatzquartiere, -laichgewässer, -habitate, Entsiegelungs- und Extensivierungsmaßnahmen vorgesehen. Zudem sollen es unter anderem Blüh- und Brachestreifen geben und Waldflächen wieder angelegt werden.

Enteignung Laut Staatsregierung soll "auf Grundlage eines Planfeststellungsbeschlusses ein freihändiger Grunderwerb angestrebt werden". Die betroffenen Landwirte in Eggolsheim wollen bislang nicht verkaufen.

Beteiligung Laut Staatsregierung werde die Marktgemeinde Eggolsheim seit 2008 in den Planungsprozess einbezogen. Anregungen seien untersucht und nach Möglichkeit berücksichtigt worden. Auch im Vorfeld eines Planfeststellungsverfahrens werde die Marktgemeinde weiter mit eingebunden.

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