Forchheim
Interessenskonflikt

Ballspiel erlaubt, bolzen verboten

Der Spielplatz der Lebenshilfe ist auch eine öffentliche Einrichtung. Doch das Ballspiel ist auf dem Gelände umstritten.
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Am Wochenende stehen Zelte und Bänke für das Sommerfest der Lebenshilfe auf dem Spielplatz. Üblicherweise wird er von den Kindern der Lebenshilfe genutzt, aber auch von Kindern aus der Stadt. Fußballspielen ist auf dem Gelände aber nicht erlaubt.  Foto: Ekkehard Roepert
Am Wochenende stehen Zelte und Bänke für das Sommerfest der Lebenshilfe auf dem Spielplatz. Üblicherweise wird er von den Kindern der Lebenshilfe genutzt, aber auch von Kindern aus der Stadt. Fußballspielen ist auf dem Gelände aber nicht erlaubt. Foto: Ekkehard Roepert
Schon seit Mitte der 90er Jahre gibt es eine Abmachung zwischen der Lebenshilfe und der Stadt Forchheim: Der Spielplatz am John-F.-Kennedy-Ring kann auch öffentlich genutzt werden. Doch der neue Vertrag zwischen den beiden Partnern lässt eine Frage offen. Wenn die Wiese des Spielplatzes "nicht als Bolzplatz" genutzt werden darf (so steht es ausdrücklich im Vertrag), ist dort dann grundsätzlich das Ballspielen verboten?

Die Vereinbarung zwischen Stadt und Lebenshilfe wurde von den Stadträten im Hauptausschuss aktualisiert. Rechtsrat Till Zimmer wies darauf hin, dass die Stadt 2016 bei der Umgestaltung des Spielplatzes 69 000 Euro investiert habe; und auch für die jährliche Baumpflege verantwortlich sei. "Daher will die Stadt die Sicherheit haben, dass der Spielplatz öffentlich genutzt wird." Und zwar auch die große Rasenfläche neben den Spielgeräten.


An Sommernachmittagen viel los

Weil dort aber häufig geistig Behinderte spielen, legen die Verantwortlichen der Lebenshilfe Wert darauf, dass auf Fußball verzichtet wird. Wie Daniel Ruckert, der Verwaltungsleiter der Lebenshilfe dem FT am Freitag erläuterte, sei gerade an sonnigen Sommernachmittagen "sehr viel los" auf dem Spielplatz: "Dann noch ein Fußballmatch, das kann schwierig werden."


Geht das Ballspiel verloren?

Zwar freuen sich beispielsweise die Stadträtinnen Martina Hebendanz (CSU) und Lisa Hoffmann (SPD), dass die Lebenshilfe bereit sei, den Vertrag bis ins Jahr 2027 einzugehen. Das gemeinsame Spiel mit den behinderten Kindern diene ja auch der Inklusion, betonte Hoffmann. Dennoch ist SPD-Stadträtin Ute Samel nicht glücklich darüber, dass den Kindern am John-F.-Kennedy "das Bolzen" untersagt sein soll. Es sei ja bereits der Bolzplatz am Ernst-Reuter-Platz verkleinert worden. Viele Kinder hätten zu Hause nur kleine Gärten. Wenn es nun wieder einen Bolzplatz weniger gebe, gehe "das Ballspielen verloren", bedauerte Ute Samel: "Es liegt mir am Herzen, dass Kinder Ball spielen können."


Ohne Tore ist es kein Bolzplatz

Rechtsrat Till Zimmer betont, dass keine Tore aufgestellt werden. Ball spielen könnten die Kinder (bis 14 Jahre) wohl dennoch. Auch Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) vertritt die Auffassung, dass sich die Definition eines Bolzplatzes daraus ergibt, dass dort Tore stehen. Wenn nun aber die Kinder mit zwei Sporttaschen ein Tor markieren und Ball spielen, dürfte das unproblematisch sein.
FW-Stadtrat Manfred Hümmer erinnerte nochmal an das Anliegen der Lebenshilfe: Ballspiele sollte zum Schutz der Lebenshilfe-Kinder nicht stattfinden. Karl-Heinz Fleckenstein (CSU) machte den Vorschlag, ein Schild aufzustellen, das lediglich das Fußballspiel verbiete. "Kinder halten sich nicht an Schilder", meinte dagegen Manfred Hümmer.

Das Bolzverbot diene der Klarheit - damit im Ernstfall die Verantwortlichkeit geklärt sei, sagt Verwaltungsleiter Daniel Ruckert. Und verdeutlicht: "Natürlich können sich Kinder Bälle zuwerfen. Fußballspielen ist nicht erlaubt, aber wenn Kinder einen Ball hin- und herschieben, ist das kein Fußball."


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