Forchheim
Überlastung

Balance-Akt der Bürgermeister

Holger Bezold fühlt sich als ehrenamtlicher Bürgermeister an der Grenze der Belastbarkeit. Dennoch will ihm die CSU Dormitz den Weg in die Hauptamtlichkeit verwehren. Jetzt bekommt Bezold Rückendeckung aus dem Landkreis.
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Foto: fotomek/fotolia
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Kreis ForchheimDem Bürger "nicht vermittelbar" und "an den Haaren herbeigezogen" sei die Forderung nach einem hauptamtlichen Bürgermeister in Dormitz, meint Christoph Schmitt, der Ortsvorsitzende der CSU. Seine Partei wehrt sich gegen den Ratsbeschluss, dass Dormitz künftig einen hauptamtlichen Bürgermeister haben soll. Die jährlich 50 000 Euro Mehrkosten seien "kein Pappenstil", sagt Christoph Schmitt. Und stellt das Ansinnen von Bürgermeister Holger Bezold (FW-UBD) in Frage: Wozu die Hauptamtlichkeit? Die Anforderungen an Bezold seit dem Amtsantritt 2014 seien schließlich nicht gestiegen.

"Ich wünsche keinem Menschen, so zu arbeiten", sagt dagegen Holger Bezold (40). Bevor er Bürgermeister wurde, war er Gemeinderat; kam alle vier Wochen mal ins Rathaus. "Da hat man keinen Einblick." Heute sei ihm klar, dass es kaum möglich ist, neben einem 40-Stunden-Beruf als Verwaltungsfachwirt ein Bürgermeisteramt nebenher zu bewältigen.

Als Hauptamtlicher könnte er die Gemeinde gestalten. "Das ist eben mehr Arbeit, als nur das zu machen, was anfällt." In vier Amtsjahren hat Bezold diese Erfahrung gemacht: "Der Bürger unterscheidet nicht zwischen Haupt- und Nebenamtlichkeit. Er will häufig kurzfristig den Bürgermeister sprechen. Wenn ich dann nicht präsent bin, dann ist dafür keine Verständnis vom Bürger da."

Wie die Sache kommunalrechtlich aussieht, das erläutert Holger Strehl, der Pressesprecher des Landkreises: Bei Kommunen ab 5000 Einwohnern ist der Bürgermeister immer hauptamtlich. Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern sind sogenannte Optionskommunen; sie können sich also optional für die Hauptamtlichkeit entscheiden.

Im Landkreis Forchheim stehen in 17 von 29 Kommunen ehrenamtliche Bürgermeister an der Spitze. Aber es gibt offenbar einen Trend zum Wechsel - zuletzt in Langensendelbach und Hallerndorf, demnächst im Markt Wiesenttal. Und eben in Dormitz, wenn der Beschluss vom November Bestand hat. Holger Strehl wundert das nicht: "Es ist nachvollziehbar, dass viele Gemeinden umswitchen. Die Aufgaben wachsen überall und auch die Verwaltungsaufgaben werden immer mehr." Stefan Förtsch (CSU) aus Egloffstein ist Bürgermeister einer Kommune, die mit 2038 Einwohnern noch etwas kleiner als Dormitz ist. Wenn er einen Tipp geben müsste, dann diesen: "Es kann fast nur funktionieren in Richtung Hauptamtlichkeit, das gilt auch in Dormitz." Er wolle "kein Pauschalurteil fällen", aber ein Bürgermeisteramt ehrenamtlich zu erledigen, sei problematisch, warnt Förtsch: "Schließlich hat der Arbeitgeber ein gewisses Anspruchsdenken, aber der Bürger hat es eben auch." In Egloffstein ist Förtsch etwa für drei Wasser-Versorgungen und ein Freibad zuständig; er ist Geschäftsführer der Stromversorgung; er hat die Rolle des Hauptamtlichen Geschäftsführers übernommen und ist damit auch noch Standesbeamter.

Dass ein ehrenamtliches Bürgermeisteramt einer Überlastung gleichkommt, lässt auch der Erfahrungsbericht von Anja Gebhardt (SPD) vermuten. Sie ist Bürgermeisterin in Kirchehrenbach.

"Ich arbeite in meinem Beruf als Steuerfachangestellte noch 18 Stunden pro Woche. Dies ist in meinen Augen das Maximum, was noch leistbar und vertretbar ist, um seinen Job sowohl im Amt als Bürgermeister und in der Steuerkanzlei ordnungsgemäß auszuführen." Es sei "keine Selbstverständlichkeit" einen Chef zu haben, der es akzeptiere, dass man mal kurz verschwindet und dann wieder auftaucht. Für Klausurtagungen und lange Termine nimmt Anja Gebhardt Urlaub. Sie habe ihre Stunden "bewusst reduziert". Denn Vollzeit zu arbeiten und sich dann um 2300 Einwohner zu kümmern, das halte sie nicht für vertretbar.

Privates bleibt auf der Strecke

Das Fazit von Anja Gebhardt: Sie arbeite gern "im Nebenjob" in der Steuerkanzlei - aber dann noch nachts am Schreibtisch der Gemeinde sitzen, das werde sie nicht. In manchen Wochen sei sie 60 Stunden für die Gemeinde im Einsatz. "Ein anders Mal dafür nur 20 Stunden, es ist schwierig abzuschätzen."

Unschwer abzuschätzen ist dagegen für Bürgermeister Holger Bezold: "Das Private bleibt auf der Strecke." Von den sechs Wochen Jahresurlaub blieben drei Wochen übrig. "Hardcore-Bürgermeister", die ehrenamtlich bis zum Umfallen arbeiten, seien nicht mehr zeitgemäß.

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