Baiersdorf
Energie

Baiersdorf sucht Abnehmer für Wärme

Das Blockheizkraftwerk an der Mittelschule Baiersdorf läuft. Doch derzeit können nur 40 Prozent der erzeugten Wärme genutzt werden.
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Der Energieausschuss besucht das BHKW an der Mittelschule.  Foto: Pauline Lindner
Der Energieausschuss besucht das BHKW an der Mittelschule. Foto: Pauline Lindner
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Es läuft, das Blockheizkraftwerk (BHKW) an der Mittelschule Baiersdorf. Deren Gebäude, die Turnhalle und die Wohnbauten der Firma Rosic versorgt es derzeit mit Wärme. Je nach Baufortschritt werden das Bauvorhaben der Firma Paulini und die bestehenden Sozialwohnungen gegenüber sowie die geplante Wohnanlage gegenüber dem Seniorenheim angeschlossen. "Und die Grundschule, wenn wir sie dort bauen", ergänzte Bürgermeister Andreas Galster (CSU) die Auflistung von Patrick Nass, dem Leiter des Kommunalunternehmens SKB. Der Baiersdorfer Energiebeirat und der Energieausschuss des Stadtrats besichtigten das BHKW. 25 Tonnen Pellets "schluckt" es im Monat. Auf Jahr hochgerechnet werden daraus 880 MWh Wärme und 1350 MWh Strom, der ins Netz eingespeist wird.

Anlage finanziert sich

Mit dem Stromverkauf finanziert sich die Anlage vor allem, auch weil das SKB Stromaltrechte eines Pflanzenöl-BHKWs erwerben konnte und deshalb pro Kilowatt 22 Cent Vergütung erhält. Pflanzenöl braucht es auch, denn das erzeugte Holzgas startet den Sechs-Zylinder-Lkw-Motor nur mit Diesel oder eben Pflanzenöl.

Für Pellets habe man sich wegen des garantierten Brennwerts entschieden, erläuterte Nass. Bei Hackschnitzeln habe es andernorts gelegentlich deswegen Probleme gegeben. Für Spitzenzeiten oder technischem Ausfall wird im Februar noch ein konventioneller Gaskessel eingebaut.

Nur 40 Prozent Wärme genutzt

Derzeit können nur 40 Prozent der erzeugten Wärme genutzt werden, hat Petra Denk von der Hochschule Landshut errechnet, die für Baiersdorf einen Energienutzungsplan erstellte. Deswegen sucht Baiersdorf noch Wärmeabnehmer. In Betracht kommen zum einen nahe gelegene Wohnhäuser, zum anderen Gewerbebetriebe, die für ihre Herstellungsprozesse Wärme benötigen. Bei den Interessenten für Grundstücke im künftigen Gewerbegebiet "Münchswiesen II" wird abgefragt, was dort zu heizen ist.

Energievergleich

Nach dem Ortstermin präsentierte Denk den Energievergleich seit der ersten Erhebung 2014 und 2017. Damals entfielen auf jeden Baiersdorfer 7,2 Tonnen pro Jahr. Das neue Blockheizkraftwerk reduziert den Ausstoß pro Person um 0,1 Tonnen. Sie wird allerdings durch eine Zunahme der Mobilität "aufgefressen". Auch wenn für Mobilität 40 Prozent aller Energie eingesetzt werden, wurde dieser Bereich nur rudimentär im Gutachten aufgenommen. Genauer: Es wurden die Zulassungszahlen von Kraftfahrzeugen mit einer durchschnittlichen Fahrleistung einbezogen. Allein bei Lastwagen stieg die Zahl innerhalb von drei Jahren um 17 Prozent.

48 Prozent der Energie wurden 2014 in Form von Wärme verbraucht; die Hälfte davon von privaten Haushalten. Die kommunalen Liegenschaften schlugen mit zwei Prozent zu Buche, die Industrie mit elf Prozent. Da wollte man ansetzen und hat eine konkrete Liste aufgestellt: Was wurde umgesetzt von den im Energienutzungsplan von 2015 verankerten Zielen?

"In Summe ist eine Menge gemacht worden", betonte Denk. Zwei Lösungen sind eingerichtet: das BHKW an der Mittelschule und Solarthermie in der Bergstraße-Nord in Igelsdorf. Nicht zustande kamen bisher mangels Anwohnerinteresse Verbundlösungen in Hagenau und in der Altstadt.

Durch die Beschlüsse der Bundesregierung, die den Einbau von Heizölkesseln ab 2026 ausschließen sollen, könnte sich nach Galster die Sachlage ändern. Anfang Januar will man deshalb an die Anwohner um die Hauptstraße erneut herantreten und ihnen konkrete Angebote samt Kosten machen. Die Technikzentrale könnte, so Galster weiter, auf dem Gelände in der Judengasse stehen, das die Stadt zurzeit erwirbt. Finden sich genug Interessenten, könnte das Leitungsnetz noch vor Teerung der Hauptstraße verlegt werden. Die erneuerte Judengasse müsste nicht wieder aufgerissen werden, da ein Anschluss vom Grundstück nach Norden Richtung Friedhof möglich wäre. Das Schultheiß-Koch-Bauvorhaben wird sich eigenständig durch ein BHKW versorgen.

Anbindung ans Rathaus?

Galster denkt noch einen Schritt weiter: an eine Anbindung an das bestehende Wärmenetz ums Rathaus und eine Vorplanung für die Bahnhofstraße. Deren Sanierung will er ab 2021 als nächstes Projekt dem Stadtrat vorschlagen. Im Bereich um die Werkstraße, wo die Gewobau Wohnungen errichten will, gibt es schon Anfragen von Anwohnern, die sich dort einem BHKW anschließen wollen. Auch in Hagenau könnte sich etwas tun, wenn die Firma HBP wie geplant 70 Wohneinheiten baut. Sie hat Interesse an eine Anbindung an ein Wärmenetz.

Galster setzt stark auf den Weg mit Wärmenetzen und privaten PV-Anlagen. Dafür bekam er die Zustimmung aller Ausschussmitglieder. Gleichwohl mahnte Fahrrad-Beauftragter Matthias Götz (SPD) an, die anderen -Einsparungspotenziale nicht außer Acht zulassen. Rad statt Auto sollte es öfter heißen. Damit das gelinge, müsse die Infrastruktur für Radler verbessert werden. Etliche Punkte dazu hat die SPD in ihrem Antrag zur Einführung eines Klimafahrplans aufgenommen. Der Begriff als solcher wurde bereits übernommen; die einzelnen Punkte diskutiert.

Vielbefahrene Brücke

Es soll eine enge Zusammenarbeit mit dem Landkreis Erlangen-Höchstadt und dessen Radverkehrskonzept angestrebt werden. Ein Knackpunkt dabei ist die viel befahrene Brücke über den Kanal Richtung Röttenbach, wo kein gesonderter Radweg ausgewiesen ist. Eine Verkehrszählung im September ergab, dass Autofahrer die Geschwindigkeitsbeschränkung gerne missachten und Radfahrer zwar den Gehweg benutzen, aber absteigen, wenn Fußgänger über die Brücke wollen.

Fahrradboxen am Bahnhof

Die lange geforderten Fahrradboxen am Bahnhof sollen bis September stehen. Es werden rund 34.000 Euro kosten; ein Förderantrag - etwa 1000 Euro pro Box - wurde gestellt. Daneben soll eine E-Bike-Ladestation entstehen.

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