Behringersmühle
Historie

Bahnlinie hätte bis Bayreuth führen sollen

Zum Saisonstart der Dampfbahn Fränkische Schweiz ist es Zeit für einen Blick auf die Geschichte des Schienenstrangs durchs "Gebürg".
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Die Museumsbahn fährt auch auf der Strecke durchs Wiesenttal, die einstmals sogar bis nach Bayreuth hätte führen sollen.
Die Museumsbahn fährt auch auf der Strecke durchs Wiesenttal, die einstmals sogar bis nach Bayreuth hätte führen sollen.
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Wenn am 1. Mai die erste Dampfbahn des Jahrs von Ebermannstadt nach Behringersmühle fährt, wird kaum ein Mensch einen Gedanken daran verschwenden, dass die Strecke vor genau 150 Jahren ursprünglich so geplant war, dass sie bis nach Bayreuth hätte führen sollen.
Am 5. Februar 1868 trafen sich "Vertreter aus 45 Distri cten", so die Lokalzeitung, um ein Schreiben an die Staatsregierung zu verfassen, in dem sie die Vorzüge dieser favorisierten Streckenführung von Forchheim über Ebermannstadt durchs Wiesenttal nach Bayreuth zu priesen. Gleichzeitig entbrannte ein Streit in einer anderen Richtung. Denn für die Alternativroute von Nürnberg über Hersbruck und Pegnitz nach Bayreuth gab es auch eine Interessensgemeinschaft.
Der Streckenvorschlag durch die Fränkische Schweiz verlief von Bayreuth aus über Creez und Schobertsreuth nach Mistelgau, weiter nach Glashütten und nach Gollenbach. Hier sollte ein 1300 Fuß langer Tunnel ins Zeubachtal gegraben werden, um dann über Kugelau, Zeubach und Waischenfeld ins Wiesenttal abzubiegen. In Doos sollte ein zweiter Tunnel mit 7700 Fuß Länge nach Muggendorf gegraben und dort eine Eisenbahnbrücke gebaut werden, um Wiesent und Tal zu überqueren.
Ab hier begann der Streckenverlauf, wie er heute noch bis Forchheim vorhanden und genutzt wird. Fünf bis sechs Jahre Bauzeit wurden angesetzt und Kosten von rund elf Millionen Gulden veranschlagt. Fast die gleiche Summe kostete die Strecke über Hersbruck nach Bayreuth. Um die Kosten zu "senken", arbeitete man damals auch mit Tricks. So brütete das "Committee" über billigere Alternativstrecken.


Ein bisschen geschwindelt

Dabei nahm man es mit der Geografie nicht so genau. Ein Linienvorschlag, "um die Tunnel mit Kosten von 2,5 Millionen Gulden zu vermeiden" - so die "Bamberger Neueste Nachrichten" (1868) - verlief über Obernsees nach Plankenfels "und weiter durchs Aufseßtal, um bei Veilbronn ins Leinleitertal einzubiegen" und über Gasseldorf nach Ebermannstadt zu fahren. Wer ein bischen Ahnung von der Landschaft hat, merkt schnell, dass die "Abkürzung " ein Riesenumweg wäre und zwischen Plankenfels und Veilbronn große Höhenunterschiede liegen.
Auf die Idee, von Plankenfels aus direkt durchs Wiesenttal über Nankendorf nach Waischenfeld zu projektieren, kam offensichtlich niemand. Möglicherweise waren Platzprobleme in den Orten ausschlaggebend.
Als stärkstes Argument für die "Fränkische Schweiz-Strecke" führte das Komitee die Wirtschaftlichkeit an. "Die landschaftliche Schönheit der Fränkischen Schweiz", so die Lokalzeitung, "findet große Beachtung in Deutschland." Bedingt dadurch kommt es zu starken Fremdenverkehr, der "alljährlich in den Sommermonaten, inklusive der Wallfahrer nach Gößweinstein, 4-500 000 Besucher hierher bringt".
Ein weiteres Argument waren "namhafte Produkte", die hier jährlich erzeugt werden. Darunter 36 000 Zentner Kirschen, 25 000 Zentner Äpfel, 50 000 Zentner Zwetschgen, 10 000 Zentner Hanfgewächse und 1500 Zentner Hopfen. Außerdem wurde in Doos beim früheren Wasserfall "viel Tuffstein" abgebaut und Neidecker Marmor "findet sich sogar in der Kelheimer Wallhalla".
Es half alles nichts. Ausschlaggebend für die Entscheidung des Staates, die Bahnlinie schließlich über Hersbruck nach Bayreuth zu bauen, waren die Unwägbarkeiten in Bezug auf die Mittelgebirgslandschaft der Fränkischen Schweiz und die notwendigen "abnormen Steigungen", so ein Gegner, die den Bau stark verteuern könnten.


Und es gibt sie doch ...

Das Gute an der Arbeit des "Committees" war, dass die Pläne nicht für immer in der Schublade verschwanden, sondern nach und nach sogar als eigene Linien gebaut wurden, wenn auch mit jahrzehntelanger Verspätung: So die Strecke Bayreuth-Plankenfels-Hollfeld (1904), die Strecke Forchheim-Ebermannstadt (1891), Gasseldorf-Heiligenstadt (1915) und die Strecke Gasseldorf-Behringersmühle, die als letzte Strecke 1930 fertig wurde.


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