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Igensdorf
Spritpreise

Autofahrer fühlen sich an der Tankstelle hilflos

Tägliche Schwankungen von mehreren Cent pro Liter führen oft zu Unmut an der Tankstelle. Die Menschen aus dem Landkreis Forchheim haben oft schon resigniert und setzen auf alternative Energiequellen wie Strom oder Gas.
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Die Spritpreise steigen nicht nur alljährlich vor Beginn der Sommerferien an, sondern sie schwanken auch mehrmals täglich. Das ärgert die Autofahrer.Fotos: Petra Malbrich
Die Spritpreise steigen nicht nur alljährlich vor Beginn der Sommerferien an, sondern sie schwanken auch mehrmals täglich. Das ärgert die Autofahrer.Fotos: Petra Malbrich
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Blankes Entsetzen hat Martin Friedrich gepackt, als er auf dem Heimweg in Forchheim getankt hat. Aus Versehen, wie er im Nachhinein meint, denn er bezahlte für den Liter Diesel 1,58 Euro, während der Kraftstoff bei einer anderen Tankstelle zehn Cent und in Kirchehrenbach sogar 18 Cent günstiger war.

Eigentlich wollte er bei der Tankstellenpächterin nachfragen, ließ es aber achselzuckend bleiben. "Sie bekommen die Preise auch nur diktiert. Das ist reine Abzocke", schimpft er. "Sie versuchen, den Markt zu testen, möchten sehen, wie der durchschnittliche Fahrzeughalter auf diese Erhöhungen reagiert", bringt er seinen Unmut zum Ausdruck.

Der Prüfer des TÜV hat sich daher vor einiger Zeit ein Elektroauto zugelegt, einen Peugeot Elektrik 106. Meist fährt er mit diesem Auto zur Arbeit. Mit fünf Stunden Ladezeit kann Friedrich etwa 80 Kilometer fahren, wenn auch langsamer, mit einer Geschwindigkeit von etwa 80 Stundenkilometern. Ausreichend für seinen Zweck, ausreichend, um diese Preiseskapaden zu umgehen.

Die Schichtarbeit kommt hier Heinrich Weber aus Igensdorf entgegen. Wenn er kurz vor 23 Uhr nach Hause fährt, hat Shell meist schon erhöht. Dann fährt er zu anderen Tankstellen, die zu der Zeit noch nicht nachgezogen haben, und tankt das Nötigste. Ein Benzintankfüllung reicht ihm für etwa 10 000 Kilometer Fahrtstrecke, denn er fährt seit Beginn der ständig steigenden Benzinpreise vor vier Jahren ein Gasauto. Es hat zwei Tanks, einen für Superbenzin und einen für Gas. Super wird nur zum Warmfahren auf den ersten Metern verbraucht, danach schaltet das Auto auf Gasverbrauch um. "Der Umbau kostete etwa 1500 Euro. Gas tanke ich für 0,70 Cent pro Liter", erzählt Weber.

Inzwischen gibt es etliche Tankstellen, die Gas anbieten. Und es ist von den Preisschwankungen ausgenommen, weiß Heinrich Weber, denn das Autogas wird von den Pächtern und Tankstelleninhabern selbst angeboten und somit nicht von den Angaben der großen Ölfirmen abhängig.

"Das ist reine Abzocke von den Firmen", schimpft auch Luidgard de Clerk von der gleichnamigen Fahrschule. Da der Staat gut mitverdiene, werde er kaum etwas dagegen unternehmen, fügt sie an. Allerdings bekommen gerade die Fahrschulen diese Preisschwankungen stark zu spüren. So haben sich die monatlichen Tankkosten im Vergleich zu zwei Jahren vorher um etwa 300 bis 350 Euro erhöht. "Der Ölpreis geht runter, der Benzinpreis steigt. Da fühlt man sich verschaukelt", meint Luidgard de Clerk. Die Fahrlehrer versuchen schon, eine günstige Tankstelle auf dem Weg zu finden, aber meist ist der Preis sonntags abends am günstigsten. Unmöglich, zu dieser Zeit einen Fahrlehrer mit dem Auto zum Tanken schicken. Aber eine Gewähr dafür, den günstigen Preis der Zapfsäule dann auch im Tank zu haben, gibt es auch nicht.

"Gestern stand 1,31 Euro für Diesel auf der Tanksäule. Als ich den Zapfhahn in die Hand nahm, tat sich nichts. Dann ging es auf 1,41 rauf", erzählt Josef Metzner aus Gasselsdorf von der Preiserhöhung just in dem Moment, als er tanken wollte. Über Dinge, die er nicht ändern kann, regt er sich nicht mehr auf. Man spart eben woanders.

"Das ist der freie Markt", meint Georg Hohe aus Gräfenberg. Er hat die freie Tankstelle seinen Vaters übernommen und ihm werden daher keine stündlichen Preisschwankungen diktiert, allerdings ist auch der Einkaufspreis gestiegen. "Vor über 20 Jahren gab es kaum Preiserhöhungen. Höchstens um zwei Pfennige, einmal in der Woche", fügt Hohes Ehefrau an. Der Gräfenberger vergleicht die Preiserhöhungen mit den Lockangeboten der Supermärkte, die erst 99 Cent runter, dann wieder einen Euro erhöhen und so auch ihre ständigen Preissteigerungen erreichen.

Recht sarkastisch wird Klaus Wölfel von der Shell-Tankstelle in Igensdorf. "Es gibt das Kartellamt, das entscheidet. Da muss man sich drauf verlassen können, auch wenn es anders aussieht." Dass gewisse Sachen mit einer Erhöhung von zwei Cent abgefangen werden können, mag ja sein, aber mehrmals täglich zehn Cent rauf und runter, sei schon fraglich.

Er hat daher einen ebenso süffisanten wie bürokratischen Lösungsvorschlag parat. "Vielleicht sollte man eine Institution ins Leben rufen, die das Kartellamt überprüft, ähnlich wie beim TÜV: Da kann es auch passieren, dass die TÜV-Beamten bei den Untersuchungen durch zwei andere TÜV-Prüfer überprüft werden." Steigende Kosten, Spekulationen, teurer Einkauf - die Gründe der Konzerne finden die Menschen lachhaft. Scheinbar haben die Firmen zu viel Macht, sind sich die Bürger einig, fühlen sich vor allem verschaukelt und versuchen, die Kosten woanders einzusparen.

Josef Metzner, Kreisvorsitzender des Landesverbands bayerischer Fahrschulen und stellvertretender Regionalvorsitzender, regt sich über Dinge, die er nicht ändern kann, nicht mehr auf. Über den steigenden Benzinpreis beispielsweise. Die Menschen müssen sich ändern, müssen gelassener fahren, rät er daher.

"Wenn aus zwei Fahrbahnen eine wird, geben die meisten Fahrer Gas, um am anderen noch schnell vorbeizukommen. Doch gerade das Gas geben und bremsen kostet viel Benzin." Doch bereits frühmorgens, wenn er von Ebermannstadt nach Forchheim fährt, sieht er zahlreiche Beispiele, wo spritsparender gefahren werden könnte, beispielsweise wenn ein Lastwagen vorne fährt. "Da wird dann schnell überholt, anstatt dass man mit 80 hinten dran bleibt. Dann kommt man eben eine Minute später in Forchheim an", meint Metzner. Aber man hat weniger Benzin verbraucht und ist erholter.

Ein anderer Rat des Fachmannes lautet, langsam an die Ampel fahren, dann stehe das Gaspedal auf Nullförderung. "Wenn ich auf die Autobahn muss, fahre ich konstant 130 km/h, das spart einen halben Tank", erläutert er und fügt als wichtigsten Punkt an: "So selten wie möglich, am besten nur einmal in der Woche einkaufen fahren." Bei ihm selbst bleibt das Auto am Sonntag in der Garage.

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