Forchheim
Gastronomie

Vier Pächter in neun Jahren - jetzt ist erstmal Schluss für bekannte Kneipe in Forchheim

Vier Pächter haben in neun Jahren versucht, sich am Paradeplatz zu etablieren. Jetzt wird es in der Alten Wache vorerst keine Kneipe mehr geben.
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Vier Pächter haben sich seit 2011 in der Alten Wache versucht. Bis Ende 2022 wird es in dem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert gar keine Gastronomie mehr geben. Foto: Mirjam Stumpf
Vier Pächter haben sich seit 2011 in der Alten Wache versucht. Bis Ende 2022 wird es in dem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert gar keine Gastronomie mehr geben. Foto: Mirjam Stumpf

Die Alte Wache benötigt ein neues Image. Seit Jahren laufen die Geschäfte in dem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert nur mäßig. Seit 2011 sind bereits vier Pächter daran gescheitert, am Paradeplatz eine erfolgreiche Gastronomie zu etablieren.

Jetzt nimmt sich die Alte Wache eine dreijährige Auszeit. Denn nächstes Jahr beginnt die Sanierung des Paradeplatzes - und zwei Jahre später, also etwa im Frühjahr 2023 wird es dann einen Neustart in der Alten Wache geben.

Eigentümer des Hauses ist die Stadt Forchheim; der Hauptpächter ist die Nürnberger Brauerei Tucher. 2011 hatten die Stadt und die Firma Tucher rund eine halbe Million Euro investiert, um das Gebäude zu sanieren.

Der Pachtvertrag mit der Stadt Forchheim läuft bis in die 30er Jahre. Es sei nicht daran gedacht, ihn zu kündigen, sagt Britta Kurth, die Stadtsprecherin. Vielmehr soll der Vertrag für die Zeit der Paradeplatz-Gestaltung ausgesetzt werden. Wenn der Pächter, die Brauerei Tucher es will, könne sie die verlorenen Jahre später anhängen.

"Wenn nebenan ein Kompressor läuft, lässt sich kein Gast gerne nieder."

Tucher will das, wie Marketing-Chef Bernhard Herrmann dem FT am Montag (2.Dezember) bestätigte: "Wir glauben nach wie vor an das Konzept in einem der schönsten Gebäude Forchheims." Bedauerlicherweise habe es in den letzten Jahren immer wieder Baustellen rund um die Alte Wache gegeben, erinnert Bernhard Herrmann. Angefangen mit der zweijährigen Bauzeit von Rewe, dann kam die Sanierung der Tiefgarage. "Wenn nebenan ein Kompressor läuft, lässt sich kein Gast gerne nieder."

Da sich diese Situation bei der Sanierung des Paradeplatzes (ab Ende 2020) wiederholen würde, wird Tucher die Pacht ab sofort aussetzen: "Wir sind der Meinung, dass es nicht fair wäre, wegen maximal einem Jahr einen Pächter zu verschleißen."

Jedoch, freut sich Bernhard Herrmann, gebe es bereits eine Forchheimer Gastronomin, die sich für den Neustart im Frühjahr beworben habe. Die Stadt Forchheim wird bis dahin in der Alten Wache möglicherweise ein Baustellen-Büro einrichten, sagt Sprecherin Britta Kurth. Weitere Ideen für eine "vorübergehende Nutzung" hat der CSU-Stadtrat Udo Schönfelder ins Gespräch gebracht. Er fordert die Stadt auf, die Zeit vor der Paradeplatz-Gestaltung für Experimente zu nutzen: "Was ich mir persönlich vorstellen könnte, wären Pop-up-Stores." Solche kurzfristige und provisorische Einzelhandelsgeschäfte wären zugleich "eine Aktion gegen Leerstände", meint Schönfelder.

Via Facebook haben Bürger zudem vorgeschlagen, eine Kinderbetreuung während des Einkaufens oder ein integratives Café in der Alten Wache einzurichten.

Ist die Brauerei Tucher schuld?

Der ehemalige Unternehmer Roland Betz setzt sich seit Jahren außerhalb einer Parteimitgliedschaft "für die Gestaltung einer lebens- und liebenswürdigen Stadt Forchheim" ein. Er hält es nicht für opportun, eine "gastronomische Pause" zu machen. "Es müsste eine völlig neue Ära Alte Wache beginnen" meint Betz. Das Problem liege nämlich auch darin, dass viele Forchheimer Bürger das Tucher-Bier "meiden, weil es halt kein Forchheimer Bier ist". Betz fände es daher sinnvoll, wenn die Stadt einen Auflösungsvertrag mit Tucher abschließt und die Nutzung der Alten Wache in das Sanierungskonzept des Paradeplatzes mit einbezieht.

Vorbehalte gegen Tucher-Bier mag es geben, sagt Bernhard Herrmann. Aber die Nürnberger Brauerei sei sowohl in Forchheim als auch in Bamberg verwurzelt. "Niemand lässt sich von einer Biermarke abhalten, eine gut geführte Kneipe zu besuchen", ist Hermann überzeugt. Er habe keinerlei Zweifel: Auf einem mit Brunnen, Bäumen und Sonnenschirmen "nett gestalteten" Paradeplatz werde die Alte Wache zu einem gastronomischen Zugpferd.

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