Neunkirchen am Brand
Niederschlagswasser

Ausgelaufene Wasserrechte in Neunkirchen lassen Kosten steigen

Eine Million Euro würden vier Regenrückhaltebecken in Neunkirchen kosten. Profitieren würde Dormitz. Die Marktgemeinderäte haben dafür kein Verständnis.
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Der Brandbach am Sportgelände des TSV Neunkirchen Foto: Petra Malbrich
Der Brandbach am Sportgelände des TSV Neunkirchen Foto: Petra Malbrich

Fast eine Million Euro müsste die Marktgemeinde Neunkirchen am Brand für Regenrückhaltebecken und ähnliche Maßnahmen ausgeben, ohne eine wirkliche Verbesserung zu haben. Der Grund sind mehrere ausgelaufene Wasserrechte für die Einleitung von Niederschlagswasser in ein Gewässer dritter Ordnung. Die Baukosten müssten über Gebühren und Beiträge auf die Bürger umgelegt werden. Das wollen die Räte den Bürgern nicht zumuten. "Dormitz bringt es fertig, in einem Gebiet, das bei stärkerem Regen jährlich überschwemmt ist, Häuser zu bauen, und wir investieren eine Million Euro, um den Brandbach zu schützen? Obwohl bei normalem Regen noch nie etwas passiert ist? Und das nur, weil die Messlatte eine Stufe höhergestellt wurde, weil es die Theorie so sagt?", schimpfte Martin Walz (CSU). Sein Ratskollege Anton Spatz (SPD) sah das genauso und forderte, den Beschluss zu vertagen. Ein Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts soll diese Theorie oder besser den Sinn dahinter den Räten aufzeigen. Diesem Beschluss waren gut 80 Minuten Ausführungen von Ingolf Eckert vom Planungsbüro Höhnen und Partner vorausgegangen.

Im Baugebiet "Almooswiesen" in Ermreuth

Vier Maßnahmen wären demnach in der Marktgemeinde erforderlich, um den neuen Regelungen gerecht zu werden. Bei der Vorstellung dieser Regenrückhaltemaßnahmen regte sich Unmut über einen Grundstückseigentümer. Wäre dieser vor drei Jahren zu einem Verkauf bereit gewesen, hätte anders gehandelt werden können. Nun müssen der Markt und somit die Bürger die achtfachen Kosten tragen. Das betrifft die Einleitung des Niederschlagswassers im Baugebiet "Almooswiesen" in Ermreuth. Im Trennsystem wird das entwässert. Es erfolgte bisher ohne Rückhaltung in den Rödlasbach. Im Juni 2018 lief dafür die Erlaubnis aus. "Es ist jedoch unmöglich, nach den neuen Vorschriften einzuleiten", sagte Eckert. 38 Kubikmeter Rückhalteraum müsste geschaffen werden - unmöglich in dem begrenzten Raum. Stauraum müsse aber geschaffen werden.

Einleitung in den Rödlasbach

Einen Kompromiss gab es mit dem Wasserwirtschaftsamt. Das vordere Teilgebiet könne weiter direkt in den Rödlasbach einleiten, ohne Rückhaltung, im hinteren Bereich würde durch ein Rückhaltebecken unter der Freifläche gepuffert werden. Eine zusätzliche Einleitung müsste dazu geschaffen werden, um das Gewässer zu entzerren, also um auch das Gewässerleben intaktzuhalten. Ein Becken mit Rigolenfüllkörper wäre die Lösung. Kosten für diese Baumaßnahme: 160.000 Euro. Das war der Punkt, an dem Martin Walz (CSU) seinen Unmut äußerte. Denn ein Grundstückseigentümer war nicht bereit, die für eine günstigere Lösung benötigte Teilfläche zu veräußern, sondern nur die gesamte Fläche. "Das kann unter Erpressung verbucht werden. Ich habe dafür kein Verständnis, dass die gesamte Gemeinde mit den achtfachen Kosten belastet wird, denn so ist es acht Mal so teuer, als wenn er den Teil verkauft hätte", schimpfte Martin Walz. Im Mai 2018 ging dann in der Verwaltung der Rücktritt von dem Angebot durch den Eigentümer ein. Planer Eckert warf ein, dass es wohl ohnehin nicht zur günstigeren Lösung gekommen wäre, da es mit den Planungen und Genehmigungen ohnehin länger gedauert hätte. Günter Prem vom Wasserwirtschaftsamt habe bei dem Treffen seine Sachbearbeiter jedoch angewiesen, diese Ausweitung (die günstigere Alternative über den Grunderwerb) nicht zu akzeptieren, sagte Eckert und ging dann zu den drei Maßnahmen in Neunkirchen über.

Hochwasserschutzkonzept

Das betrifft ein Regenrückhaltebecken "Zu den Heuwiesen", eines im Einzugsgebiet "Henkersteg West" und eines "Innerorts". Für jede Einleitungsstelle seien einzelne Rückhaltemaßnahmen vorzusehen, machte Eckert deutlich. "Wir zahlen 812.000 Euro dafür und haben noch keinen Kubikmeter Stauraum geschaffen, der sich im Hochwasserschutzkonzept auswirkt?", fragte Zweiter Bürgermeister Martin Mehl (CSU) ungläubig. "Ja, wir müssen diese Spielchen nur wegen des Niederschlagwassers machen", bestätigte Bürgermeister Heinz Richter (FW). Mit dem HQ 100 (Jahrhunderthochwasser) habe das nichts zu tun. Der Brandbach würde profitieren und die Pufferungen würde Dormitz merken, meinte der Planer. Das brachte für die Räte das Fass zum Überlaufen. Mit diesen Regelungen war der Rat nicht einverstanden, und so forderte Anton Spatz, einen Vertreter zur Sitzung einzuladen. Er solle dann Lösungen aufzeigen, die Neunkirchen wirklich etwas brächten. "Wir müssen das ja auch unseren Bürgern erklären", meinte Walz wegen der dann hohen Gebühren.

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