Forchheim
Strassenverkehr 

Auf die Prüfung - fertig - los!

Die eigene Fahrradprüfung vergisst man nicht so schnell. Neuntklässler des Forchheimer Herder-Gymnasiums haben sie wiederholt. Das Ergebnis war ernüchternd.
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Neuntklässler Moritz hat zusammen mit Viertklässlern noch einmal die Fahrradprüfung abgelegt - und sie nur knapp bestanden.Judit Kist
Neuntklässler Moritz hat zusammen mit Viertklässlern noch einmal die Fahrradprüfung abgelegt - und sie nur knapp bestanden.Judit Kist
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Aufgeregt sitzen die 17 Schüler aus der Klasse 4b der Grundschule Hausen im Klassenzimmer. Ängstlich erwarten sie die Verkündung ihrer Ergebnisse. Haben sie die Prüfung bestanden? Oder waren sie vielleicht so gut, dass sie mit einem Ehrenwimpel geehrt werden? Nach und nach wird ein Kind nach dem anderen aufgerufen.


Schwieriger als gedacht

Es ist 8.10 Uhr, der Asphalt vom Vortag noch nass, als wir das verlassene Gelände der Jugendverkehrsschule Forchheim erreichen. Einzig ein blaues Polizeiauto und zwei Polizisten deuten an, dass hier heute eine der wichtigsten Prüfungen im Grundschulalter stattfinden wird. Auch wir, drei Schüler aus der Klasse 9b des Forchheimer Herder-Gymnasiums, wollen heute nach fünf Jahren weiterer Fahrpraxis den Versuch unternehmen, ohne Vorbereitung die Fahrradprüfung noch einmal zu bestehen. Thomas Fleischmann und Christian Ried, die Verkehrserzieher der Polizeiinspektion Forchheim, nehmen uns freundlich in Empfang und erklären, was uns heute erwartet.


"Hoffentlich bestehe ich"

Plötzlich hören wir laute Rufe und Lachen, das uns wissen lässt, dass es nun kein Zurück mehr gibt, denn die Klasse 4b der Grundschule Hausen ist gerade eben mit dem Bus angekommen. "Hoffentlich bestehe ich", hören wir einen Schüler zweifeln. Zum Glück sorgen die Polizisten mit vielen Witzen für eine entspannte und angenehme Stimmung.
Nach der Begrüßung dürfen sich alle Schüler fünf Minuten lang auf dem Gelände einfahren. Anschließend erhält jeder Prüfling ein Laibchen mit einer Nummer, und die Klasse wird in zwei Gruppen eingeteilt. Die ungeraden Zahlen bilden die eine Gruppe, die geraden Zahlen die andere. Christian Ried und Thomas Fleischmann fahren jeweils ihrer Gruppe eine vorbereitete Strecke vor und weisen auf alle Verkehrsregeln hin.
Diese Strecke müssen die Schüler dann der Reihe nach abfahren, wobei die Polizisten sich die Fehler der Prüflinge notieren. "Immer langsam fahren, dann hat man genug Zeit, auf alles zu achten und ihr überseht nichts", gibt ihnen Christian Ried mit auf den Weg.
Schon als die ersten beiden Schüler beginnen, wird uns klar, dass gewisse Verkehrsregeln im Alltag nur von Wenigen beachtet werden. Oder geben Sie beim Anfahren ordnungsgemäß ein Handzeichen? Eine weitere Herausforderung ist es, sich auch noch die vorgegebene Route zu merken, die sich kurvenreich über den Platz schlängelt. Ein Kind nach dem anderen startet, und die Schlange vor mir wird immer kürzer. Als ich an der Reihe bin, fahre ich aufgeregt und langsam an. Doch schon als ich das erste Mal links abbiegen will, merke ich, dass ich vergessen habe, mich noch einmal nach hinten umzuschauen, nachdem ich mich in der Mitte eingeordnet und somit schon mindestens zwei Fehlerpunkte gesammelt habe.


"Juhu, bestanden"

Nun Handzeichen und rechts abbiegen in die Einbahnstraße. Dabei noch auf Fußgänger achten und beim Stoppschild halten. Den Fuß bei komplettem Stillstand mindestens drei Sekunden auf den Boden stellen. Links, rechts, links schauen und weiter geht's. Bei der nächsten Kreuzung links abbiegen und auf den Gegenverkehr achten, danach die Vorfahrtsstraße entlangfahren. Noch einmal abbiegen und am Zebrastreifen nach möglichen Fußgängern Ausschau halten. Jetzt nur noch Handzeichen geben, abbremsen und zum Stehen kommen.
Im zweiten Teil der Prüfung fährt man fünf Minuten gemeinsam mit seiner Gruppe frei auf den kleinen Straßen der Verkehrsschule. Die andere Gruppe wartet. Auch hier ist es wichtig, die Verkehrsregeln zu beachten. Dies ist der schwierigere Teil der Prüfung, da man auf die anderen Verkehrsteilnehmer achten muss. "Achtung, ich habe Vorfahrt", ruft mir plötzlich ein Viertklässler zu, und ich halte im letzten Moment an. Das absolute Highlight für viele ist es, als Thomas Fleischmann die Ampeln einschaltet. Verwirrung gibt es jedoch an der Kreuzung, an der immer noch rechts vor links gilt.
Endlich steht die Verkündung der Ergebnisse an. Dafür geht es in das kleine Klassenzimmer, das seit Anbeginn der Jugendverkehrsschule in Forchheim 1998 unverändert besteht. In alphabetischer Reihenfolge werden die Kinder aufgerufen. Jedem Prüfling wird erklärt, welche Fehler er gemacht hat, und was er in Zukunft unbedingt beachten muss.
Alle 17 Kandidaten aus Hausen bestehen die Prüfung. Die Erleichterung und Freude ist groß. "Juhu, ich habe die Prüfung bestanden", freut sich ein Mädchen.


Ehrenwimpel bleiben im Schrank

Anschließend erhalten auch wir eine Rückmeldung, und während meine zwei Klassenkameraden mit stolzen null Fehlern beziehungsweise mittelmäßigen vier Fehlerpunkten Applaus ernten, bin ich geschockt, mit neun Fehlerpunkten die Prüfung nur gerade so bestanden zu haben. Nach dem zehnten Fehlerpunkt gilt die Prüfung nämlich als "nicht bestanden". Leider gab es in dieser Klasse keinen Ehrenwimpel, da niemand sowohl in der praktischen als auch in der theoretischen Prüfung mit hervorragender Leistung überzeugt hat. Dennoch dürfen sich alle Kinder, die null Fehlerpunkte in der praktischen Prüfung geschafft haben, aus der "Schatzkiste" ein kleines Geschenk aussuchen.


Interview mit einem Verkehrspolizisten: "Als Verkehrspolizist sage ich: Helm muss sein!"


Wie steht es um die Sicherheit für Fahrradfahrer auf Forchheims Straßen? Dazu führten wir ein Interview mit Polizeihauptkommissar Hartmut Demele von der Verkehrspolizei Forchheim. Der leidenschaftliche Radler fuhr als Jugendlicher selbst mit dem Rad zur Schule.

Hatten Sie als Schüler selbst einmal einen Fahrradunfall?
Hartmut Demele: Ja, ein Autofahrer hat einfach seine Tür geöffnet und ich bin dann dagegen gefahren. Mir ist zum Glück nichts passiert.


Sollten Radfahrer einen Helm tragen?
Als Verkehrspolizist und Fahrradfahrer sage ich: "Helm muss sein!" Der Kopf ist für Verletzungen extrem anfällig, weil er besonders schwer ist und oft als erstes gegen ein Hindernis stößt. Selbstverständlich trage ich selbst einen Helm.

Was können Fahrradfahrer sonst noch für ihre Sicherheit tun?
Man braucht funktionale und gut erkennbare Kleidung, möglichst mit Reflektoren. Außerdem sollte man körperlich fit sein und die Funktionstüchtigkeit seines Fahrrads regelmäßig überprüfen. Jeder Radfahrer sollte Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer nehmen.

In welcher Altersgruppe passieren die meisten Fahrradunfälle?
Die meisten Fahrradfahrer sind entweder Schüler oder Rentner. Ihnen passieren damit laut Statistik auch die meisten Unfälle. Die Altersgruppe dazwischen fährt überwiegend Auto und ist also als Fahrradfahrer nicht so stark betroffen.

Wie viele Fahrradunfälle gibt es in Forchheim?
Im Jahr 2017 gab es 50 Unfälle, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren. Die meisten Unfälle passieren morgens zwischen 7 und 8 Uhr und am späten Nachmittag zwischen 17 und 18 Uhr. Montags und freitags passieren mehr Unfälle als an anderen Wochentagen.

Was sind die häufigsten Unfallursachen?
Vorfahrtsverletzungen und Fehler beim Abbiegen führen zu vielen Unfällen. Nicht nur Fahrradfahrer, auch Autofahrer sind häufig an diesen Unfällen Schuld, wie beispielsweise beim "Toten Winkel". Zudem gibt es Fehler wie das Befahren des Radwegs in die falsche Richtung oder Fahren auf dem Gehsteig.

Welche Stellen sind in Forchheim für Radfahrer am gefährlichsten?
Meist sind es Stellen, bei denen der Radfahrer auf dem Radweg geradeaus fahren kann und der Autofahrer rechts abbiegen will. Hierbei wird der Radfahrer gerne übersehen. Solche Stellen gibt es beispielsweise beim Postamt oder in der Adenauerallee.

Warum werden gefährliche Stellen nicht entschärft?
Der Umbau von Straßen, Einmündungen und Radwegen ist mit hohen Kosten verbunden.
Zudem haben viele Straßen Forchheims unterschiedliche Straßenbaulastträger, die für den Unterhalt der Straße verantwortlich sind: Die Hainbrunnenstraße gehört der Stadt, die Eisenbahnbrücke dem staatlichen Bauamt und die Untere Kellerstraße dem Landkreis Forchheim. Das erschwert Absprachen.

Möchten Sie uns noch einen besonderen Ratschlag geben?
(Überlegt). Ihr müsst immer mit den Fehlern der anderen rechnen und auf eure eigene Gesundheit achten.
Das Interview führten Katharina Bett und Sebastian Ritter, Klasse 9b des Herder-Gymnasiums.


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