Thurn
Tierwelt

Auf der Spur des lautlosen Nacht-Jägers

Bei der "Batnight" am Thurner Fledermauszentrum kommen 150 interessierte Kinder und Erwachsene einem kleinen, oft unbemerktem Säugetier ungewohnt nah.
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Und jetzt weit aufmachen: Der Fledermaus-Experte entnimmt mit geübten Handgriffen eine Speichelprobe des gefangenen Tieres, das auf Tollwut untersucht wird. Fotos: Pauline Lindner
Und jetzt weit aufmachen: Der Fledermaus-Experte entnimmt mit geübten Handgriffen eine Speichelprobe des gefangenen Tieres, das auf Tollwut untersucht wird. Fotos: Pauline Lindner
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Man nimmt sie nur selten wahr, aber dennoch sind sie da: Fledermäuse. Ein flinker Schatten um eine Straßenlampe, ein schnell fliegender Vogel, der kein Geräusch von sich gibt. Die nachtaktiven Säugetiere üben durch ihre Lebensweise und ihre ungewöhnlichen Fähigkeiten wie die Ortung von Objekten mit Hilfe von hochfrequentem Echolot eine große Faszination aus. Nur wer hat schon einmal eine lebendige Fledermaus aus der Nähe gesehen?

Deshalb führen Mitglieder des Bunds Naturschutz und Feldermaussachverständige aus dem Landkreis seit etlichen Jahren am Feldermauszentrum am Erlebnispark Schloss Thurn einmal im Jahr ihre "Batnight" durch. Über 150 Besucher aller Altersklassen zählte Johannes Mohr vom Landratsamt, einer der wenigen in Franken, die eine offizielle Fangerlaubnis haben.

Wie die winzigen Säugetiere leben

Mit seinen erfahrenen Helfern baute er am Ende des Schlossweihers eines der haarfeinen Fangnetze auf, während die interessierten Kinder diverse Basteleien ausführen und Quizbögen und Fragenzettel ausfüllen konnten. Der Schattenriss einer Fledermaus aus Filz sieht tatsächlich dem realen Tier sehr ähnlich. Als Mobile erinnert er daran, was man - etwas später - selbst beobachten konnte. Für die älteren Besucher hatten Frieder Oehme, der Entwickler des Fledermausdetektors und Verantwortliche für das Fledermausmonitoring im Landkreis, und Jana Stepanek aus Scheinfeld vielseitige Informationen zusammengetragen.

Stepanek betreibt eine Fledermaus-Ambulanz, das heißt, sie päppelt verletzte Tiere, die man ihr bringt, wieder auf, um sie gesundet wieder in die Freiheit zu entlassen. Dadurch weiß sie bis ins Detail, wie die winzigen Säugetiere leben, was sie fressen und wie sich die einzelnen Arten unterscheiden. Das letzte Tageslicht weckt gewissermaßen die Fledermäuse auf, damit sie auf Jagd nach nächtlichen Insekten gehen können. Die halten sich gerne über der Oberfläche des Weihers auf, Weshalb die Chancen für einen Fang an der Flugschneise aus dem angrenzenden Wald gut sind.

Einige Besucher - und auch die Fachleute - hielten ihre Detektoren parat. Die Geräte "übersetzen" die für die menschlichen Ohren unhörbaren charakteristischen Ortungsrufe der Fledermäuse in das menschliche Hörspektrum. Ein eigenwilliges Knattern ertönt. "Da kommt eine", sagt der Besitzer eines Geräts zu den Umstehenden. Die Tonfolge steigert sich. "Sie hat ein Insekt im Visier; das ist die Feinortung", fährt der Mann fort. Er hat sich den Detektor aus einem Bausatz selber gebaut, nachdem er davon erfuhr, dass sich um sein Haus ganz viele Fledermäuse aufhalten. "Jetzt erst merke ich, dass viel mehr um uns herum leben, als ich bis dahin glaubte."

Drei Tiere verfangen sich im Netz

Am Netz geht es derweil hektisch zu. Zur gleichen Zeit haben sich drei Tiere in den Fäden verfangen. Mit großer Vorsicht lösen die Sachkundigen sie heraus und packen sie erst einmal in Säckchen. Damit sie kurz danach in Ruhe bestimmt werden können. Johannes Mohr setzt sich auf einen Stein, sodass ihn die Kinder gut sehen können. Er holt das erste Tierchen heraus. Eine Wasserfledermaus, was er so auch erwartete. Frech schaut das Männchen zwischen seinen Fingerspitzen heraus. Doch es muss sich noch ein wenig piesacken lassen.

Mohr legt es in eine kleine Dose, um sein Gewicht zu bestimmen. Die Kinder drängen sich immer näher, wollen sich keinen Handgriff entgehen lassen. Das Leergewicht des Bechers wird bestimmt. Ein Mädchen darf die Feinwaage ablesen und muss die Tara abziehen, bevor Mohr das Gewicht notieren kann: 4,26 Gramm.

Doch noch ein Schritt wartet auf Myotis Daubentonii, wie der wissenschaftliche Name für die Wasserfledermaus lautet: Nachdem es vor drei Jahren bei Lichtenfels einen Fall von Tollwut bei einer Wasserfledermaus gab, haben die Epidemiologen großes Interesse daran, die Verbreitung dieser tödlichen Infektionskrankheit genauer zu erforschen. "Hatte die Schaum vor dem Mund?", fragte auch gleich ein Junge. Das verneinte Mohr und relativierte auch gleich die mögliche Gefahr. "Wir haben schon zwischen 10 000 und 15 000 Fledermäuse gefangen; es war der einzige Fall einer Infektion." Er selbst ist gegen Tollwut geimpft; vorsichtshalber rät er jedem, der eine Fledermaus in die Hand bekommt, Handschuhe zu tragen. Sie beißen nämlich ganz gern, wenn man sie einengt.

Mohr holt ein Wattestäbchen aus seinem Materialkasten, hält es so vor das Maul des Tieres, dass es zubeißt und so seinen Speichel auf dem Träger hinterlässt. Dann kommt der spannende Moment, in dem das Männchen wieder freigelassen wird. Mohr öffnet seine Hand. Doch der Bursche findet es dort recht angenehm und macht keine Anstalten loszufliegen. Man hat ein wenig den Eindruck, wie er sich so umguckt, ihm mache es Spaß einmal Menschen aus der Nähe zu sehen. Doch: Ein Ruck und blitzschnell ist die Wasserfledermaus aus dem Menschenkreis hinausgeschossen.

Mohr packt das Wattestäbchen in ein spezielles Plastikröhrchen, in dem später es ins Fachlabor gesendet wird, und vervollständigt seine Notizen. Dann wiederholt sich die Prozedur noch viermal, denn zwischenzeitlich haben sich weitere Tiere im Netz verfangen. Alles Wasserfledermäuse, auch wenn die versierteren Fledermausfans auf eine seltenere Art gehofft haben mögen.

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