Gosberg
Experiment

Artenschutz auf Abfällen: Schafe und Ziegen weiden auf fränkischer Mülldeponie

Gerhard Raab, der Leiter der Kreis-Mülldeponie Gosberg, ist auch Natur- und Vogelschützer. Jetzt hat er den Deponiehügel zum Weideplatz gemacht.
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Der Deponiehügel in Gosberg wird abgegrast. Foto: Ekkehard Roepert
Der Deponiehügel in Gosberg wird abgegrast. Foto: Ekkehard Roepert
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Kreis ForchheimEin Neuntöter ist schon gelandet. Gerhard Raab zeigt das Foto, das er von dem Vogel aus der Familie der Würger gemacht hat. Gerhard Raab ist Leiter der Kreis-Mülldeponie in Gosberg - und Aktivist im Landesbund für Vogelschutz. Raab ist überzeugt, dass sich Naturschutz und der sachkundige Umgang mit Müll nicht gegenseitig ausschließen müssen.

Auf dem Foto sieht man den Neuntöter auf einem Brombeerstrauch sitzen, der auf dem ältesten Teil der Deponie in Gosberg wächst. Der Müllberg ist mit Folie abgedeckt, auf der Folie gedeihen Magerrasen und Sträucher. Und neuerdings weiden dort drei Schafe und zwei Ziegen.

Sekundär-Biotop

Seit dem Volksbegehren für die Bienen werde sehr viel von Artenschutz geredet, sagt Gerhard Raab. Das habe ihn auf eine Idee gebracht, die er seit langem hegte: "Wenn Schafe und Ziegen auf dem Deponiehügel weiden, dann können auf dem Magerrasen seltene Pflanzen gedeihen. Und mit den Blühpflanzen kommen die Insekten zurück und mit den Insekten die Vögel." Landrat Hermann Ulm sei von der Idee eines Sekundär-Biotops sofort begeistert gewesen, erzählt Gerhard Raab. Und damit war der Weg frei für das Experiment.

Leihschafe

Die drei Heidschnucken und die beiden jungen Ziegen wurden aus dem Wildpark Hundshaupten (der im Besitz des Landkreises Forchheim ist) ausgeliehen. Parkwächter Daniel Schäffer hat die Tiere in der neuen Umgebung beobachtet und sagt, dass sie sich offensichtlich wohl fühlten. "Auch im Wildpark sind sie ganzjährig im Freien."

Das Quintett wird in Gosberg bleiben, bis der Schnee kommt. Dann geht es zurück ins Heimatrevier in den Wildpark Hundshaupten (Gemeinde Egloffstein) und ab März dürfen die Tiere dann erneut den Deponiehügel abgrasen. Der extrem seltene Neuntöter, der auf dem Deponiehügel sein Revier gefunden hat, ist für Gerhard Raab ein Beleg dafür, dass die Verbindung aus Abfallwirtschaft und Artenschutz funktioniert. Auch ein Rotschwanz habe schon seinen Ansitz auf der Deponie neben den Schafen gefunden.

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