Forchheim
Unstimmig

Annafest-Musik-Podium ruft Misstöne hervor

Der Neubau Auf den Kellern 6 lässt die Lokalpolitik darüber streiten, ob das Annafest-Gelände ohne Gestaltungssatzung gestaltet werden kann.
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Spielfreudige Musiker sind beim Annafest gefragt, doch der Musikbetrieb auf dem Festgelände sorgt auch für Disharmonien. Foto: Archiv/Josef Hofbauer
Spielfreudige Musiker sind beim Annafest gefragt, doch der Musikbetrieb auf dem Festgelände sorgt auch für Disharmonien. Foto: Archiv/Josef Hofbauer

Wenn die Gestaltung des Kellerwaldes auf dem Spiel steht, wird in Forchheim um jeden Zaunpfahl und jede Treppe gestritten. Im jüngsten Fall geht es um ein rund 20 Quadratmeter großes Musikpodium. Das möchte der Brauwastl-Wirt auf seinem Grundstück Auf den Kellern 6 errichten.

Unter Forchheimer Stadträten löste dieses Bauvorhaben unterschiedlichste Befindlichkeiten aus. Zwar wies Stefan Schelter, der Chef des Bauordnungsamtes, darauf hin, dass es "nicht das erste Podium ist, das genehmigt worden wäre". Aber so einfach wollten es sich die Räte im Bauausschuss am Montag nicht machen.

"Was sagen die anderen Wirte?" Das wollte Lisa Hoffmann wissen. Schließlich, so die SPD-Stadträtin, gebe es normalerweise in Fragen der musikalischen Darbietung "eine Zusammenarbeit der Wirte."

Gleich zwei problematische Aspekte des neu geplanten Musikpodiums benamste Lisa Hoffmann - die Nähe zum Podium des Winterbauer-Kellers und die Lärmbelästigung der nahen Anwohner. Sie wolle das "schlimme Wort Kellerwald-Satzung" gar nicht in den Mund nehmen, sagte die SPD-Rätin und gab damit Sebastian Körber das entscheidende Stichwort. Denn der FDP-Rat hatte erste vor wenigen Tagen, als es um die neuen Sicherheitszäune auf dem Kellerwald-Areal ging, angemahnt, dass doch erstmal die Gestaltungssatzung greifen müsse. Solange dies nicht geschehe, bleibe jede Baumaßnahme auf dem Keller "Flickschusterei", hatte Sebastian Körber zum Ärger von Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) gesagt.

Am Montag kam Körber darauf zurück: "Es bleibt ein Flickwerk, Herr Oberbürgermeister. Die Satzung muss her." Solange es "keinen gestalterischen Ansatz" gebe, drohe jede Baumaßnahme im Kellerwald ein "Beitrag zum Flickwerk" zu werden, meinte Körber.

Einfach, klein, gewinnbringend

OB Kirschstein widersprach: Zum einen sei die Musik auf dem Annafest erst in den letzten Jahren zur "Gemeinschaftsaufgabe" geworden - und dies auch nicht für alle Wirte. Zweitens: "Ich sehe jeden Invest im Kellerwald positiv", betonte Uwe Kirschstein. Unterstützt wurde der Oberbürgermeister von Holger Lehnard (CSU): Das Vorhaben Auf den Kellern 6 sei "eine Bereicherung". Dieses "einfache und kleine" Podium sei gerade deshalb sinnvoll, weil viele Keller-Wirte ihre Musik selber bezahlten, betonte Lehnard.

Die Mehrheit des Bauausschusses machte den Weg für das neue Musikpodium frei - trotz der Nähe zur Wohnbebauung. Erwin Held (FW) versuchte die Entscheidung auch pragmatisch zu begründen: "Was sind schon 20 Quadratmeter. Notfalls ist das in einem Tag wieder zurückgebaut."

Baurecht ohne Befristung

Gegen diese Haltung erhob Stefan Schelter, der Herr des Baurechtes, allerdings vehement Einspruch: Im Baurecht gelte "wenn, dann". Wenn die Politik einer Baumaßnahme zustimme, dann könne sie die nicht später zurücknehmen. "Eine Befristung lässt das Baurecht nicht zu."

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