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LKR Forchheim
Corona-Krise

Angst vor Isolation

Wer Senioren betreut, hat es derzeit besonders schwer: Viele Angebote können nicht aufrechterhalten werden.
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Birgit Pohl (rechts) bei der Beratung von SeniorenCarmen Schwind
Birgit Pohl (rechts) bei der Beratung von SeniorenCarmen Schwind
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Senioren gelten derzeit als "Risikogruppe", deshalb ist es für sie besonders wichtig Abstand zu halten, keine Hände zu schütteln und auch Umarmungen sollen vermieden werden. Wie schwierig die Situation aktuell ist, weiß auch Birgit Pohl von der Fachstelle für pflegende Angehörige bei der Diakonie Bamberg-Forchheim, denn sie berät viele Familien und Senioren.

"Da höre ich oft: ‚Man will uns schützen, aber eigentlich sind wir die Verlierer. Da fühlen wir uns verarscht‘", erzählt Pohl und berichtet weiter, dass die Nachfrage nach Beratungen zugenommen hat. Das gelte nicht nur für die telefonischen Beratungen, sondern besonders für die persönlichen. "Die Senioren sind froh, wenn sie besucht werden. Auch wenn wir Mundschutz tragen und Abstand halten."

Pohl führte bisher Sprechstunden in einem Besprechungsraum im Seniorenzentrum Fränkische Schweiz in Ebermannstadt durch. Mittlerweile teilt sie sich ein Büro in Streitberg mit Diana Könitzer vom Quartiersmanagement.

Sie erzählt, dass sich in den Beratungen besonders die jüngeren Angehörigen besorgt zeigen. Die Senioren äußern eher: "Wovor soll ich denn noch Angst haben?" oder "Wir haben schon viel Schlimmeres erlebt!" oder "Die machen mir das Leben schwer, wo werde ich denn da geschützt!" oder "Das ist doch so kein Leben!"

"Jetzt baut sie massiv ab"

Pohl war auch entsetzt als sie eine alte Dame besuchte, die früher die Tagespflege besuchen konnte. "Jetzt ist sie daheim. Keiner ist da, der sich richtig kümmern kann. In der Tagespflege wurde sie gefördert, aber jetzt baut sie massiv ab." Sie hatte auch den Fall, dass eine alte Dame ihren Mann, der im Sterben lag, nicht besuchen konnte.

In den ersten Wochen hätten alle die Entscheidungen der Politik mitgetragen. "Doch die Aussagen und die einseitige Berichterstattung haben nicht unbedingt zur Vertrauensbildung in die Politik beigetragen. Schließlich hat auch eine 90-Jährige ein Hirn zwischen den Ohren", sagt die Betreuerin und erzählt, dass die Senioren wegen der Einschränkungen eher Frust schieben. "Viele Senioren haben mir erzählt, dass sie Zweifel an manchen Maßnahmen haben, sich aber nicht trauen diese öffentlich zu äußern, da sie dann als Verschwörungstheoretiker bezeichnet werden."

Verunsicherung macht sich breit

Wolfgang Mehrer ist Vorsitzender der Seniorenvertretung 55plus Ebermannstadt. Auch er hat viel mit Senioren zu tun, die sich beispielsweise fragen, ob die Maskenpflicht Sinn macht. Denn zunächst hatten Virologen geäußert, dass Masken nichts bringen. "Mittlerweile warten unsere Senioren sehnsüchtig, dass sie wieder raus dürfen und etwas unternehmen können."

Er hat derzeit Sorge, dass das von der Seniorenvertretung erarbeitete und gut angenommene Programm nicht mehr richtig anlaufen wird: "Die Radtouren zum Beispiel habe ich abgesagt, weil mich ja nur vier Leute begleiten könnten. Bisher waren es mindestens zehn." Beliebt waren auch die Handysprechstunden, in denen Schüler der Mittelschule den Senioren ihre Handys erklärt haben. "Die entfallen auch erst einmal."

Im kleinen Rahmen haben sich Senioren zum Boule getroffen, aber die Stimmung war ein wenig gedrückt. "Zu unserem Frühstück können nur 16 Leute kommen, sonst waren wir immer etwa 30. Das Problem ist, wenn du dann jemanden heimschickst, der kommt nicht mehr", erzählt Mehrer. Auch er hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten Senioren weniger Angst vor Corona als vor Vereinsamung haben.

Um bürgerschaftliches Engagement zu fördern hat der Freistaat Bayern im Rahmen der Initiative "Unser Soziales Bayern: wir helfen Zusammen!" jedem Landkreis einen Pauschalbetrag von 60 000 Euro zur Koordination von Hilfen für ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen zur Verfügung gestellt. Der Landkreis Forchheim verteilt diesen Betrag auf die Landkreisgemeinden, die dann selbst über die Verwendung der Mittel entscheiden.