Egloffstein
Marktgemeinderat

Anfrage nach Waldkindergarten in Mostviel

Eine Gräfenbergerin schlägt den Egloffsteiner Räten die Einrichtung eines Waldkindergartens vor. Der Bürgermeister hat Bedenken.
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Wie viel Natur brauchen kleine Kinder? Diese Frage wurde während der extra einberufenen Gemeinderatssitzung ausführlich von den Egloffsteiner Räten diskutiert. Der Grund: Die Anfrage von Lisa Sandner nach einem Waldkindergarten in der Gemeinde, am liebsten in Mostviel.

Sichtlich erfreut - alle Räte sind auf dem Land aufgewachsen -, aber auch sehr gespannt reagierte das Gremium auf den Vorschlag, in Mostviel den Waldkindergarten aufzubauen. Lisa Sandner aus Gräfenberg, die schon einen Waldkindergarten in Forchheim-Serlbach betreut, der wiederum vom Waldkindergarten Wiesenttal getragen wird, möchte mit ihrem Lebensgefährten und dem gemeinsamen Sohn einen neuen Waldkindergarten einrichten.

Denn sie sind der Meinung, Kindern tue das gesundheitlich gut. Sie könnten Fantasie und Kreativität leichter erlernen und letztendlich durch ihre Verbundenheit zur natürlichen Umgebung die Natur später einmal schützen. So zumindest steht es im Programm des Forchheimer Waldkindergartens "Waldstrolche".

Der Platz in Forchheim ist eine Waldlichtung, auf der ein Holzhaus steht. Ringsum sind Sitzflächen und Spielflächen aufgestellt, auf denen gespielt und kreativ gearbeitet werden kann. Es gibt gemeinsame Wanderungen und Exkursionen, zweimal am Tag eine gemeinsame Brotzeit und viel Zeit, in der die Kinder lernen können, sich allein zu beschäftigen und den Umgang mit der Natur zu "erlernen".

Ungläubiges Staunen bei den Zuhörern gab es, als Lisa Sandner davon sprach, dass die Kinder von acht bis maximal 14 Uhr ununterbrochen im Freien sind, warm und wasserfest eingekleidet. Das ganze Jahr über, mit Ausnahme von 30 Tagen Urlaubszeit. Bewegung hält warm, und deshalb geht man nur dann ins Holzhaus, wenn es Wetterkapriolen, beispielsweise Sturm, gibt.


Frage der Hygiene

Erstaunen gab es auch, als auf die Frage nach der Hygiene die Antwort kam: kleine Löcher im Wald graben und das Geschäft danach sauber wieder zudecken. Das anschließende Händewaschen geschieht mit eigenem Handtuch und warmem Wasser, das die Eltern von zuhause in Thermoskannen mitbringen.

Viele weitere neugierige Fragen musste sie beantworten: Eine Stromleitung braucht es nicht, so Sandner, Heizung benötigen nur die Eltern, wenn sie kommen und frieren, nicht die Kinder. Die härten sich ab, so dass zum Beispiel Magen-Darm-Erkrankungen im Waldkindergarten so gut wie keine Rolle spielten.


Frage der Finanzierung

Bei der Frage nach der Finanzierung wurde es still im Raum: Am Beispiel Forchheims rechnete Sandner vor, dass vor allem die Schutzhütte das Teure ist: Rund 30.000 Euro müsste man für einen größeren, neuen Bauwagen mindestens aufwenden. In Forchheim wurde er mit 30 Prozent bezuschusst. Das wünscht man sich in Egloffstein auch. Der Rest werde von einem noch zu gründenden Trägerverein und vom bayerischen Staat übernommen.

Voraussetzung dafür ist eine positive Bedarfsermittlung und die darauf folgende Betriebsgenehmigung durch das Forchheimer Jugendamt. Am liebsten würde sie schon im September nächsten Jahres loslegen, sagte Sandner, da die ersten Anfragen schon eingegangen seien. Maximal 20 Kinder sollen im ersten Jahr angenommen werden.

Den Elan bremste etwas der Egloffsteiner Bürgermeister Stefan Förtsch (CSU). Er sieht vorher noch einige bürokratische Hindernisse. Auch eventuelle Einwände von Jagdpächtern, Anwohnern und der Naturschutzbehörde müsse man ernstnehmen und beachten.
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