Forchheim
Prozess

Amtsgericht Forchheim: Gartenstreit mit Baseballschläger

Ein 20-Jähriger soll in Forchheim zwei Teenager nach einem Streit durch eine Gartenkolonie gejagt und verprügelt haben. Ein Urteil steht noch aus.
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Im April 2016 soll ein Mann in Forchheim versucht haben, zwei 16-Jährige mit einem Baseballschläger zu verprügeln. Symbolfoto: pexels.com
Im April 2016 soll ein Mann in Forchheim versucht haben, zwei 16-Jährige mit einem Baseballschläger zu verprügeln. Symbolfoto: pexels.com
Am Dienstag stand ein 20-jähriger Mann wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Forchheim. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zwei 16-jährige Jugendliche mit einem Baseballschläger in einem Schrebergarten angegriffen zu haben.

Laut Anklageschrift konnten sie dem Schlag jedoch ausweichen und blieben unverletzt. Kurz danach soll der Beschuldigte außerdem einen weiteren Jugendlichen mit dem Knie in den Rücken getreten haben. Nach dieser Tat soll er sich wieder den vorigen Geschädigten zugewandt haben, um sie erneut mit dem Baseballschläger anzugreifen. Auch dieser Versuch misslang. Die Tat soll im April 2016 gegen 22 Uhr passiert sein.


Durch den Garten gejagt

Die geschädigten Jugendlichen berichteten, dass sie während einer Feier auf einer Kleingartenparzelle immer wieder aus dem benachbarten Garten lautstark beleidigt wurden. Die anschließende Diskussion an der Parzellengrenze soll jäh unterbrochen worden sein: Laut einem Geschädigten sei der damals 18-Jährige mit "einem mit Nägeln durchschlagenen oder stacheldrahtumwickelten Baseballschläger" auf sie zugestürmt und über den Zaun gesprungen. Als sie flohen, soll er ihnen hinterher gerannt sein, aber mit seinem Baseballschläger nur einen Holzpfosten am Ausgang getroffen haben. Der andere Geschädigte bestätigte diesen Vorwurf. Beide erklärten vor Gericht, dass der Angeklagte bei der Tat so betrunken gewesen sein soll, dass er "kaum Stehen" konnte. An eine verursachte Rückenverletzung konnten sich aber beide Zeugen unabhängig voneinander erst nach dem Verlesen des Verhörprotokolls erinnern.

Bei der Befragung der Zeugen redete sich der Verteidiger Gerald Haulitschek in Rage. Vor Gericht konnten sie sich an wesentliche Einzelheiten nicht erinnern. Der Verteidiger erklärte, ihm sei schleierhaft, wie ein Mann in einem Moment so volltrunken gewesen sein konnte, dass er Probleme mit dem aufrechten Stehen gehabt habe und im nächsten Moment mit einem Baseballschläger über Zäune gesprungen und hinter ihnen her gerannt sein soll. "An diesem Prozess hängt das Schicksal eines jungen Mannes", zeigte sich Verteidiger Gerald Haulitschek verärgert.

Nach Angaben des Angeklagten ist jedoch der Abend ganz anders verlaufen: Er wollte mit einem Freund in seinem Schrebergarten grillen. Im Verlauf des Abends hätten sie gehört, wie Jugendliche auf dem Nachbargrundstück herumgrölten, und gesehen, wie diese in den Garten urinierten. Der Angeklagte und sein Kumpel vermuteten, dass sich die Jugendlichen unrechtmäßig Zugang verschafft hätten. Um sie zur Rede zu stellen, trat der Bekannte des Angeklagten an den Zaun.
Daraufhin soll einer der Jugendlichen mit weit ausgebreiteten Armen in den Garten der Grillenden gestürmt sein. Er habe wissen wollen, ob ihr Verhalten "ein Problem" für den Angeklagten sei. Daraufhin habe der Freund des Beklagten mit einem Anruf bei der Polizei gedroht. Bis dahin habe sich der Beschuldigte nicht in den Streit eingemischt. Weil der Jugendliche nicht ging, habe er seinen Freund beistehen wollen .


Polizisten finden keinen Tatwaffe

Der Jugendliche floh daraufhin mit seinen Freunden aus der Gartenanlage. "Als die Polizei kam und zwanzig Minuten lang alles nach einem Baseballschläger durchsuchte, war ich geschockt", erinnerte sich der Freund des Angeklagten. Für Richterin Silke Schneider war jedoch unverständlich, weshalb der Angeklagte damals eine Aussage bei der Polizei verweigert habe. "Wenn jemand nichts sagt, dann kommt das hier dabei raus!"

Der 20-Jährige rechtfertigte sich: Gegenüber den Polizeibeamten habe er erklärt, dass die Anschuldigungen "Blödsinn" seien, hielt sie jedoch für so abwegig, dass er eine komplette Rekonstruktion des Abends nicht für nötig gehalten habe.

Auch der damals hinzugerufene Streifenpolizist war als Zeuge geladen. Er dokumentierte eine zum Tathergang passende Beschädigung an einem Holzpfosten, konnte aber dazu aber keine passende Tatwaffe finden. Da ein weiterer Zeugen trotz Ladung nicht vor Gericht erschienen war, wird der Prozess Anfang April fortgesetzt.
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