Eggolsheim
Logistik

Amazon will nach Eggolsheim

Der Versandriese hat die Gemeinde im Landkreis Forchheim für ein neues Sortierzentrum ausgeguckt. Der Region winken bis zu 200 neue Arbeitsplätze. Mit dem Start könnte es schnell gehen.
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Ein Zeichen, dass die Amazon-Ansiedlung bald bevorsteht: Patrick Cooke (links) vom Projektdienstleister TSL erklärt dem Eggolsheimer Bürgermeister Claus Schwarzmann, welche Umbaumaßnahmen im ehemaligen Lidl-Gebäude nahe der A 73 notwendig sind. Foto: Ronald Rinklef
Ein Zeichen, dass die Amazon-Ansiedlung bald bevorsteht: Patrick Cooke (links) vom Projektdienstleister TSL erklärt dem Eggolsheimer Bürgermeister Claus Schwarzmann, welche Umbaumaßnahmen im ehemaligen Lidl-Gebäude nahe der A 73 notwendig sind. Foto: Ronald Rinklef

Der weltgrößte Online-Versandhändler plant, noch heuer in Franken ein neues Sortierzentrum zu starten. Es wäre für Amazon das vierte seiner Art in Deutschland und das erste in Süddeutschland überhaupt. Der neue Logistikstandort bei Neuses (Gemeinde Eggolsheim) im Landkreis Forchheim ist dann für die sogenannte "mittlere Meile" zuständig. Er dient somit als Verbindungsglied zwischen Großlagern und Logistikzentren: Lkw bringen rund um die Uhr Sendungen, diese werden in Eggolsheim nach Auslieferungsgebieten sortiert und danach zu den Zustellzentren transportiert.

Noch ist nichts offiziell. Aber die Ansiedelung scheint nur noch eine Formsache. Wenn der Eggolsheimer Gemeinderat am kommenden Dienstag in seiner Sitzung den Bauantrag behandelt, ist vieles schon geklärt, sind die wichtigsten Anforderungen für so ein Projekt bereits erfüllt."Es wird ja nichts verändert", sagte Claus Schwarzmann, Eggolsheims Erster Bürgermeister. "Die haben ihre wichtigsten Punkte vorab mit dem Landratsamt geklärt."

Gebäude nutzte bis 2014 Lidl

Äußerlich wird der Bürger das Logistikvorhaben des Versandriesen kaum merken. Amazon will sich im seit vier Jahren verwaisten ehemaligen Lidl-Logistikzentrum im Gewerbegebiet nahe der A 73 einmieten. Umbauten sind damit nur im Inneren nötig.

Holger Strehl von der Pressestelle des Landratsamts Forchheim bestätigte, dass es vorab Besprechungen mit Amazon gegeben hat. "Im Grunde handelt es sich um eine Nutzungsänderung des Gebäudes (bisher Hochregallager), die eine umfassende neue Betrachtung in Sachen Brandschutz und Lärmschutz notwendig macht. Bei beiden Dingen muss auf jeden Fall nachgebessert werden", teilte er auf Anfrage mit. "Lärm war auch unser Thema, ebenso der Verkehr", sagte Bürgermeister Schwarzmann. Der Sortierbetrieb laufe rund um die Uhr. Nachts soll deshalb die der Wohnbebauung im Nachbarort Pautzfeld zugewandte Gebäudeseite von den Lkws nicht befahren werden. Schwarzmann rechnet mit rund 150 Lkw-Bewegungen an normalen Tagen - 75 rein und 75 raus. Im Weihnachtsgeschäft wären es bis zu 300 solcher Bewegungen am Tag.

Nicht voll automatisiert

Das Weihnachtsgeschäft ist ein Fixpunkt für den Versandhändler. Spätestens bis dahin soll das Sortierzentrum an den Start gehen, nach Möglichkeit aber schon im Herbst, sagte eine Amazon-Sprecherin. Ansonsten hält sich der Konzern mit Informationen bedeckt, will vor der Gemeinderatssitzung nächste Woche zunächst nichts sagen, zum Beispiel wie hoch die Anzahl an verarbeiteten Paketen sein wird.

Fest steht allerdings, dass das Sortierzentrum in Eggolsheim, anders als das jüngst gestartete im niedersächsischen Garbsen, nicht voll automatisiert arbeiten wird. Trotz eingebauter Fördertechnik sei vieles manuell zu erledigen. Dadurch entstünden bis zu 200 neue Arbeitsplätze. "Natürlich nicht hoch qualifiziert, sondern eher für Ungelernte", ist sich Eggolsheims Bürgermeister im Klaren.

11,62 Euro pro Stunde

Die Mitarbeiter in Eggolsheim sollen laut Amazon einen Bruttostundenlohn von 11,62 Euro erhalten. Amazon zahlt nicht nach Tarif, sondern legt seinen eigenen Standard nach Regionen fest. In Niedersachsen verdienen die Sortierzentrumsbeschäftigten zum Beispiel 11,37 Euro pro Stunde.

Und der Verkehr? Schließlich wird Eggolsheim an Logistikzentren europaweit angeschlossen sein. "Es ist eigentlich nicht mehr Verkehr zu erwarten als zu Lidl-Zeiten, als regelmäßig Lebensmittel transportiert wurden", sagte der Bürgermeister.

Höhere Gewerbesteuer

Auch bei der Autobahndirektion Nordbayern sieht man keinen Ansatzpunkt für neue Verkehrsprobleme, vor allem nicht auf der A 73. Auf dem Abschnitt zwischen den Ausfahrten Forchheim-Nord und Forchheim-Süd wurden bei der jüngsten Verkehrszählung täglich im Durchschnitt 46 000 Fahrzeuge gezählt. Das sei eher unkritisch für den fließenden Verkehr, sagte eine Sprecherin. Kritischer seien die Anschlussstellen. Aber auch da sieht Schwarzmann keine Probleme. Den Kreisverkehr vor Ort passierten täglich 15 000 Fahrzeuge, da komme es auf die paar Amazon-Lkws nicht an.

Wenn alles glatt geht, dürfen sich Bürgermeister und Gemeinde bald vor allem auf eines freuen: eine deutlich höhere Gewerbesteuer.

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