Eggolsheim
Wirtschaft

Amazon gibt einen exklusiven Einblick in Frankens erstes Sortierzentrum

Bürgermeister und Gemeinderäte waren zu Besuch im neuen Amazon-Sortierzentrum in Eggolsheim. Zustande gekommen ist der Rundgang auf Initiative der Gemeinde. Denn von Anwohnern gab es bereits erste Beschwerden.
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Rund 150 Beschäftigte arbeiten im Sortierzentrum. Fotos: Barbara Herbst
Rund 150 Beschäftigte arbeiten im Sortierzentrum. Fotos: Barbara Herbst
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NUE9: Was sich anhört wie eine Flugnummer am Nürnberger Flughafen, ist der Name des Amazon-Sortierzentrums im Eggolsheimer Ortsteil Neuses. Flugzeuge starten in Eggolsheim zwar nicht nach ganz Europa, dafür aber Pakete. Im September ist Frankens erstes Amazon-Sortierzentrum in Betrieb gegangen.

Für die Gemeinderäte und Bürgermeister Claus Schwarzmann (Bürgerbund) war es jetzt an der Zeit, sich auf dem 20 000 Quadratmeter großen Gelände umzuschauen.

Lastwagen parken außerhalb

Zustande gekommen ist der Rundgang durch das neue Sortierzentrum auf Wunsch der Gemeinde, wie Bürgermeister Schwarzmann berichtet. Von Anwohnern habe es erste Beschwerden gegeben: Lkw würden außerhalb des Firmengeländes parken, nachts komme es gerade in Richtung Pautzfeld zu Lärm. "Das Abstellen von Lkw über Nacht werden wir rigoros unterbinden", sagt Schwarzmann dazu auf FT-Nachfrage. Notfalls mit kommunaler Verkehrsüberwachung.

Standortleiter Hassan Mdeihli versichert den Gemeinderäten, dass man sich intern um das Problem kümmern werde. Außerdem soll es für die Gemeinde künftig einen zentralen Ansprechpartner bei Amazon geben, an den Beschwerden gerichtet werden.

100 Lastwagen (Wareneingang und Warenausgang) rollen pro Tag auf das Firmengelände in der Fährstraße - verteilt auf 24 Stunden sind das rund vier Brummis pro Stunde. Drei Lkw können gleichzeitig eingecheckt werden, berichtet Mdeihli. Außerdem habe das Unternehmen genügend Platz auf dem Gelände, zu Engpässen dürfte es also nicht kommen.

Schließlich ist das Sortierzentrum für die Pakete nur eine Zwischenstation auf ihrem langen Weg vom Mausklick bis zum Kunden. "Wir lagern keine Artikel und bearbeiten keine Kundenbestellungen", sagt Mdeihli. Soll heißen: Was genau Kunden im Internet bestellen, damit haben die Mitarbeiter in Eggolsheim wenig zu tun. Außerdem sollen die Pakete das Sortierzentrum möglichst schnell wieder verlassen.

Drei Stunden dauert es mindestens, bis die Ladung eines Lkw vom Wareneingang in den Ausgang wandert und dann weiter in ein Verteilzentrum gebracht wird. Die Pakete kommen von den großen deutschen und europäischen Logistikzentren, wo die Waren lagern.

Kommt ein Lkw in Eggolsheim an, werden die Pakete zuerst automatisch auf Bänder verteilt. Das findet in zwei großen Hallen statt, in Halle B werden nur große Pakete ab 120 Zentimetern bearbeitet. Danach sortieren Mitarbeiter mit einem Scanner am Handgelenk die Pakete nach Lieferhändler (wie DHL oder Hermes) und Postleitzahl.

Und dafür braucht es vor allem viele Arbeiter. 150 Mitarbeiter sind momentan in Eggolsheim beschäftigt, sagt Mdeihli. Für bis zu 200 ist Platz, im Weihnachtsgeschäft sogar mehr. In Bayern verdienen Amazon-Mitarbeiter einen Einstiegslohn von 11,91 Euro brutto pro Stunde. Bei einer Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden kommt ein Logistikmitarbeiter damit auf rund 1800 Euro brutto im Monat.

Akquiriert jedoch werden die meisten Mitarbeiter über Zeitarbeitsfirmen. Das heißt, nicht alle Mitarbeiter in Eggolsheim sind direkt bei Amazon angestellt. Die meisten von ihnen kommen aus Nürnberg Erlangen und der Region Forchheim. Eine formale Ausbildung oder Lehre ist für einen Job im Sortierzentrum nicht nötig, sagt Mdeihli. Bürgermeister Schwarzmann sieht darin eine Chance für "jene, die sonst nicht unterkommen". Jetzt muss nur noch die Gewerbesteuer fließen.

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