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Forchheim
Stadtgeschichte

Am Sonntag ging es in das "Kaffee zur Rosenau"

Der Kalender 2020 "Forchheim in alten Ansichten" bietet wieder Foto-Preziosen der Stadtgeschichte.
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Hilmar Schmidt von der "Bücherstube an der Martinskirche" zeigt auf dem PC das Deckblatt des Wandkalenders 2020.                                                                              Foto: Mike Wuttke
Hilmar Schmidt von der "Bücherstube an der Martinskirche" zeigt auf dem PC das Deckblatt des Wandkalenders 2020. Foto: Mike Wuttke
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Wer von den älteren Forchheimern kann sich erinnern, dass es ein "Kaffee zur Rosenau" an der Oberen Kellerstraße gegeben hat? Im Wandkalender "Forchheim in alten Ansichten" für 2020 ist ein Foto abgedruckt, das das allein stehende Gebäude zeigt. Es könnte dazu anregen, sich auf Spurensuche zu begeben und ist spannend wie viele Aufnahmen aus dem letzten Jahrhundert in dem Kalender, den Hilmar Schmidt von der "Bücherstube an der Martinskirche" seit 2009 herausgibt.

Hilmar und Marion Schmidt hatten 2009 die Idee, die schönsten und interessantesten Ansichten aus der umfangreichen Sammlung von Hilmars Bruder Harald herauszugeben. Der Kalender wurde zu einem Erfolg und für das nächste Jahr erscheint die zehnte Ausgabe (Preis 18,50 Euro).

Josepha lädt im Juli 1902 zum Annafest

Das Deckblatt zeigt eine kolorierte Aufnahme mit Blick auf das Rathaus und die Hauptstraße. Das Besondere ist die Einladung von einer Josepha zum Annafest, geschrieben am 20. Juli 1902. Das Foto zeigt, dass das Straßenbild von Fuhrwerken dominiert war, aber auch ein Automobil ist zu erkennen. Das Februar-Motiv verrät, warum es heute in Forchheim eine Ziegeleistraße gibt. Von der Bergstraße aus eröffnete sich der Blick (um 1925) auf ein mächtiges Fabrikgebäude mit Schlot - die Ziegelei Schultheiß. Den Grundstoff für die Produktion lieferte eine nahe gelegene Tongrube.

Wohin ging man früher am Sonntagnachmittag zum Kaffeetrinken ins Grüne? In Bamberg lockte der Stadtteil Bug am Hain, in Erlangen der Rathsberg und in Forchheim gab es ein nahes Ziel mit Ausblick: das "Kaffee zur Rosenau" von Hans Popp an der Oberen Kellerstraße. Die Aufnahme von 1920 zeigt ein allein stehendes stattliches Haus, die Straße davor noch nicht asphaltiert. Hilmar Schmidt weiß, dass die "Mannsbilder" auf dem Spaziergang dorthin oft vorher schon in eine Gastwirtschaft zum Karteln abgebogen sind und die Frauen dann unter sich waren.

1910 ein jüdisches Kaufhaus

Interessant der Blick in die Hauptstraße zwischen Rathausplatz und Katharinenspital von 1910. Die Häuserfronten haben sich kaum verändert. Aber man erkennt das Kaufhaus der Forchheimer Juden Rosenthal und Frank. Die Kinder gehen barfuß, das Schwätzchen fand auf der Straße statt. Hilmar Schmidt zeigt das Foto am Bildschirm in seiner Buchhandlung gerne in besserer Auflösung. Das Juni-Foto vom Bahnhofsplatz von 1955 hat inzwischen historischen Wert, nachdem das Postgebäude einem Hotelbau weichen wird. Der heutige Omnibusbahnhof stellt sich noch als Grünanlage dar. Das Juli-Kalenderblatt ist dem Annafest vorbehalten. Eine Aufnahme "vor 1945" zeigt dichtes Gedränge von Alt und Jung vor einem Kettenflieger, dazwischen erkennt man einige Uniformmützen.

Das Hauptvergnügen der Jugend im Sommer war das Schwimmbad. Das städtische Bad in den 30er Jahren (Kalenderblatt August) lag schmuck unter der Böschung zum Ludwig-Kanal, ist aber nicht zu vergleichen mit dem Königsbad heute. Der Spaß im Wasser war und ist aber der gleiche. Es gab außerdem das Flussbad westlich der alten Regnitzbrücke, mit Badekabinen und Steg zum Wasser (September). Ältere Forchheimer und Burker erinnern sich, dass einige Kinder und Jugendliche in der Regnitz ertrunken sind. Apropos Sommer: Das Dezember-Motiv zeigt die erste italienische Eisdiele in Forchheim aus den 50er Jahren, das "Venezia". Es befand sich zusammen mit dem Geschäft "Kaisers Kaffee" im heutigen Bettenhaus Amtmann.

Am westlichen Ende des Paradeplatzes, an der Zufahrt zur Hauptstraße, stand ein zweistöckiges Haus, an dessen Fassade Kurz-, Weiß- und Wollwaren angeboten wurden (Motiv Oktober). Das sogenannte Heun-Haus musste in den 60er Jahren dem Verkehr weichen. Die Hauptstraße war vor allem für Lastkraftwagen zu eng. Denn sie war Durchgangsstraße für die Bundesstraße 4 - heute nicht vorstellbar.

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