Ebermannstadt
Heimatgeschichte

Als in der Fränkischen Schweiz Autosperren den Verkehr bremsten

Ein hitziges Thema vor 90 Jahren war die Aufhebung der Autosperre, die seit 1924 an Sonn- und Feiertagen in der Fränkischen Schweiz galt.
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Ausschnitt aus der Werbeanzeige der Adler-Werke in der Ausschreibungsbroschüre des Deutschen Touring-Clubs Quelle: Archiv Rösch, Repro: Franze
Ausschnitt aus der Werbeanzeige der Adler-Werke in der Ausschreibungsbroschüre des Deutschen Touring-Clubs Quelle: Archiv Rösch, Repro: Franze
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Hitziges Thema vor 90 Jahren war die Aufhebung der Autosperre, die seit 1924 an Sonn- und Feiertagen zwischen 10 und 12 Uhr sowie zwischen 15 und 18 Uhr vom 15. April bis 15. Oktober auf den Bezirksstraßen der inneren Fränkischen Schweiz galt. Zuständig für das Fahrverbot waren zum einen die drei Bezirksämter (heute Landratsämter) von Forchheim, Ebermannstadt und Pegnitz, zum anderen die Regierung von Oberfranken. Die Behörden hatten das "Verbot des Verkehrs von Kraftwagen aller Art im Interesse der zahlreichen Fußwanderer und Radfahrer" erlassen. Sie wollten es nur aufheben, wenn der "bereits begonnene Ausbau und die Neuherstellung von Touristenwegen im Wiesent- und Püttlachtal Tatsache geworden ist", berichtete die Forchheimer Zeitung im April 1929. Die Sperre galt für die Bezirksstraßen von Muggendorf bis Doos, Pottenstein bis Behringersmühle und Obertrubach bis Haselstauden (bei Egloffstein).

Treffen in Doos

Ende April 1929 trafen sich Gaststättenbesitzer, Verkehrsvereine und Vertreter des Deutschen Touring-Clubs (DTC) in Doos. In ihrem Namen ersuchte der bekannte Reiseschriftsteller August Sieghardt, "diese den Fremdenverkehr in der Fränkischen Schweiz schwer schädigende Maßnahme aus der Welt zu schaffen". Georg Weber aus München, der"Direktor" des Deutschen Touring-Clubs, fügte hinzu: "Ein Landstrich, der sich dem Automobilverkehr künstlich verschließe, gehe unfehlbar wirtschaftlich zurück." Er und sein mittelfränkischer Bezirksvorsitzender warben für eine "große Zielfahrt" ihres Clubs nach Gößweinstein. Sie sollte im Juni 1929 "nahezu tausend Auto- und Motorradfahrer aus allen Teilen Deutschlands in die Fränkische Schweiz führen".

Unter diesem Eindruck zeichneten die "Interessenten", also Gasthof-Besitzer, der Deutsche Touring-Club, der Fränkische-Schweiz-Verein sowie das Bezirksamt Ebermannstadt die notwendigen Beträge für die Finanzierung der geforderten Wanderwege, um noch vor Pfingsten (19./20. Mai) die Autosperre der Bezirksstraßen am Sonntag bis auf die Teilstrecke Tüchersfeld - Pottenstein abwehren zu können.

Zielfahrt nach Gößweinstein

Die "Tourenzielfahrt nach Gößweinstein zur Sonnwendfeier" am 22./23. Juni 1929 war ein Großereignis für die Fränkische Schweiz. Der Deutsche Touring-Club lud dazu mit einer 28 Seiten starken Ausschreibung deutschlandweit ein. Die Teilnehmer hatten sich anzumelden, mussten sich auf einer Kontrollkarte ihren Start und ihre Route "zirka alle 100 Kilometer durch Stempel und Unterschrift einer Polizei-, Post- oder Bahnstation, DTC-Geschäftsstelle oder Tankstelle bestätigen lassen". Zu gewinnen gab es "Ehrenpreise" und für jeden Teilnehmer "eine künstlerische Erinnerungs-Plakette". Geboten wurde ihnen ein Festspiel, ein Fackelzug durch den Ort zum Johannisfeuer und ein professionelles "Kunstfeuerwerk". Ihren Abschluss fand die Großveranstaltung am Sonntag mit der Preisverleihung im Hotel "Stern" in Behringersmühle und einem Standkonzert der Reichswehrkapelle des Artillerie-Regiments Nr. 7.

Tatsächlich war es gelungen, die geforderten "Touristenwege" bis zu diesem Großereignis herzustellen - mit Ausnahme der Teilstrecke Tüchersfeld - Pottenstein -, so dass die sonntäglichen Autosperren aufgehoben werden konnten. Allerdings nahmen nicht 1000 Auto- und Motorradfahrer an der Touren-Zielfahrt des DTC teil, sondern nur "196 Wagen und 86 Motorräder". Zufrieden kommentierte dazu die Forchheimer Zeitung: "Die Zielfahrt ist ohne Unfall verlaufen und hat für die Fränkische Schweiz sicher gute Propaganda gemacht."

Unfälle

Unfälle gab es zu dieser Zeit aber trotzdem; denn der Tourismus nahm in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts in Oberfranken enorm zu. Nach dem Statistischen Jahrbuch für Bayern gehörte die Fränkische Schweiz 1927 mit 91.650 Fremden und 170.000 Übernachtungen zu den "am meisten besuchten Gegenden Bayerns", meldete die Forchheimer Zeitung schon im März 1929. Im Sommer 1928 verzeichnete Streitberg laut einer Meldung im "Wiesent-Boten" 5273 Gäste mit 20.271 Übernachtungen, gefolgt von Muggendorf mit 3152 Gästen und 26.600 Übernachtungen. Streitberg und Muggendorf konnten zu dieser Zeit zwar schon mit der Bahn erreicht werden, nicht aber Behringersmühle, das erst 1930 an die Bahnstrecke angeschlossen wurde, die seit 1891 von Forchheim über Ebermannstadt in die Fränkische Schweiz gebaut wurde.

Verkehrsstatistik

Insofern spielte der Straßenverkehr eine zentrale Rolle. Das zeigt auch die im Frühjahr 1929 neu eingeführte Verkehrsstatistik. Danach ereigneten sich vom 1. April bis zum 30. Juni 1929 im Amtsbezirk Ebermannstadt "25 Unfälle, darunter 2 tödliche. Verletzt wurden mehr oder minder schwer 21 Personen". Als eine der häufigsten Ursachen wird in der Statistik zu schnelles Fahren genannt (acht Fälle).

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