Forchheim
Revolution

Als Forchheims Frauen aufbegehrten

In den 70er Jahren war es in Forchheim schon eine Ausnahme, wenn ein Mädchen einen Minirock trug. Drei Frauen aus dem Landkreis berichten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wilmya Zimmermann in ihrem roten Flitzer Foto: privat
Wilmya Zimmermann in ihrem roten Flitzer Foto: privat
+4 Bilder
In den 1970er Jahren traute man den Frauen nicht unbedingt zu, dass sie gut Auto fahren können. In dieser Zeit hatte Wilmya Zimmermann, die in Poxdorf lebende ehemalige Europaabgeordnete, nicht nur ein Auto, sondern sie machte 1971 sogar eine Segelflugausbildung.
"Ich war immer ein bisschen aus der Reihe gewesen", erzählt die geborene Niederländerin, die 1970 mit 26 Jahren nach Deutschland gezogen ist. Sie war damals fast jeden Abend am Flugplatz. Am Sonntag kamen auch die Ehefrauen der Piloten zum Kaffeetrinken. In der restlichen Zeit war Wilmya Zimmermann alleine unter Männern.


Das "Meisje"

"Da war ich das ‚Meisje‘, mit dem sie sich gut stellen wollten", erinnert sie sich und erzählt, dass viele dieser Piloten als junge Männer im zweiten Weltkrieg geflogen waren. "Was mir damals auffiel war, dass es zwei Sorten von Ausländern gab", sagt Zimmermann, gelernte Medizinisch-technische Assistentin.
Sie traf zum Beispiel Jugoslawinnen mit Ausbildung oder Studium, die als Putzfrau arbeiten mussten. "Mir sagte man, ich sei aus einem angenehmen Land", erzählt sie und erinnert sich, dass es schwierig war, dass ihre Ausbildung anerkannt wurde. Als sie ihre Zeugnisse bei der Regierung einreichte, musste sie noch eine Röntgenausbildung während der Arbeitszeit nachmachen, aber die Zeugnisse wurden anerkannt. "Ich arbeitete erst an der Uni in Marburg, dann in Erlangen im Labor. Da waren nur Frauen", erzählt Zimmermann. Die Chefs waren Männer. In der Verwaltung durften die Frauen als Sekretärinnen tippen; auch hier waren nur Männer Chefs.


Erste Frauenproteste

Anfang der 70er Jahre gab es dann die ersten Frauenproteste, denn die Frauen wollten über sich selbst bestimmen. "In Forchheim hat das ein wenig länger gedauert, da ging es erst in den 80er Jahren los", erinnert sich Lisa Hoffmann, die 1950 in Forchheim geboren und dort aufgewachsen ist.
Ihre Ausbildung zu Kinderkrankenschwester beendete sie 1972. "Wir mussten damals ein schwarzes Kleid mit weißer Schürze und weißer Haube tragen", erzählt sie lachend und berichtet, dass sie rebellischerweise Miniröcke getragen hat. 1972 lernte sie auch ihren Mann kennen. Die beiden heirateten 1973. "Wir wollten zusammenleben. Das ging damals aber nicht, wenn man nicht verheiratet war", sagt Hoffmann und erinnert sich, dass alle erwarteten, dass dann gleich Kinder kommen würden. Bis 1976 musste eine Frau zwingend den Namen des Mannes annehmen. Und sie war gesetzlich zur Führung des Haushalts verpflichtet. Das änderte sich erst 1977.
"Und es war die Zeit der Pille. Man entschied selbst, wann man ein Kind bekommen wollte", so Hoffmann. Zudem weiß sie noch, dass die Frauen in der Werbung damals als brave Hausfrauen dargestellt wurden. "Und es gab Werbung für Zigaretten", sagt Hoffmann, die heute unter anderem im Kreisseniorenring tätig ist.


Unternehmensberaterin

Die 64-jährige Angelika Limmer machte 1972 ihr Abitur. Sie ist Unternehmensberaterin und ist als Coach und Referentin tätig.
"Ich habe Naturwissenschaften studiert. Da gab es aber wenig Mädchen", erzählt sie. Als sie für das Diplom lernte, war sie die einzige Frau unter vielen Männern. Allerdings fühlte sie sich immer gleich behandelt, betont sie. Es sei jedoch in ihrem Umfeld nicht üblich gewesen, dass Frauen studierten, denn man ging davon aus, dass die ohnehin heiraten und vom Mann versorgt werden würden.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren