Forchheim
Historie

Umweltpolitik: Als in den 80ern die Grünen den Forchheimer Politikbetrieb aufmischten

In den 1980ern politisierte sich die Umweltbewegung - auch in der Königsstadt. Die Forchheimer Grünalternativen wurden in dem bewegten Jahrzehnt mit viel Widerstand und sogar Hass konfrontiert.
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Der Forchheimer Stadtrat Gerhard Meixner (FGL) blickt zurück in die schwierigen Anfangsjahre der grünen Bewegung in der Königsstadt. Foto: Ronald Heck
Der Forchheimer Stadtrat Gerhard Meixner (FGL) blickt zurück in die schwierigen Anfangsjahre der grünen Bewegung in der Königsstadt. Foto: Ronald Heck
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Wenn Gerhard Meixner (66) durch die alte Parteizeitung der Grün-Alternativen Bürgerliste in Forchheim blättert, kommen die Erinnerungen wieder. "Dioxin in Gosberg" prangt 1985 oben auf der zweiten Ausgabe von "Forchheims Volksblatt". Es folgen Artikel gegen Atomkraft, die Autoren beklagen die Wohnungsnot in Forchheim oder rufen zur Teilnahme an Demonstrationen in Bonn auf. "Ich habe mich damals bewusst entschieden, in Forchheim zu bleiben. Es war in der Provinz immer eine Spur härter. Wir hatten nicht die Unmengen an Studenten, die kritisch gedacht haben. Und der Widerstand der Herrschenden war groß", erinnert sich Meixner. Er ist ein grünes Urgestein in Forchheim und sitzt heute für die FGL im Stadtrat.

Alternative Szenen vernetzten sich

Ihre Anfänge liegen Ende der 70er/Anfang der 80er. Damals vernetzten sich Meixner und seine Mitstreiter mit den unterschiedlichen alternativen Bewegungen in Forchheim. Unter anderen waren dies Kulturschaffende, Mitglieder der Frauenbewegung, Ärzte für den Frieden oder regionale Öko-Landwirte. "Im Endeffekt haben sich alle diese kritischen Strömungen in Forchheim widergespiegelt. Weil es damals muffig, miefig, spießig, undemokratisch und umweltvergiftend war", so Meixner. Nach und nach bildeten sich in Stadt und Landkreis Forchheim alternative Gruppen. "Denn alles, was politisch kritisch war, wurde von der damals mit weiter Mehrheit regierenden CSU einfach blockiert und abgewürgt", sagt der FGL-Stadtrat.

1980 wurde dann die Bundespartei Die Grünen gegründet. "Da gab es heftige Diskussionen, ob man überhaupt in die Parlamente soll. Alles davor lief außerparlamentarisch", erinnert sich Meixner. 1983 schafften die Grünen zum ersten Mal den Einzug in den Bundestag. Der Forchheimer trifft auf Bundes-, Landesversammlungen und Struktur-Kommissionen auf grüne Spitzenpolitiker wie Petra Kelly, Jutta Ditfurth, Christian Ströbele oder Otto Schily. "Die ersten Jahre haben uns schon vereint. Es war einfach ein bunter Haufen. Da haben Leute gestrickt, auch ich habe gehäkelt. Das waren einfach nette Leute. Aber wir hatten klare politische Ziele."

Um ihren Ideen in Forchheim Gehör zu verschaffen, wollten die Grünen in den Stadtrat. Im Forchheimer Programm zur Kommunalwahl 1984 werben sie mit der Aufnahme von politischen Flüchtlingen, einer 35-Stunden-Arbeitswoche und machen gegen den Flächenfraß durch Gewerbe- und Industrieansiedlungen mobil. Zudem forderten sie einen Ausländerbeirat und mehr Sozialwohnungen für Forchheim.

Erster Grüner schafft es ins Rathaus

Und tatsächlich gelingt es Peter Zinke, 1984 als erster grünalternativer Stadtrat ins Forchheimer Rathaus einzuziehen. 1987 übernimmt mit Mitte 30 Gerhard Meixner das Mandat, bis 1990 sitzt er im Stadtrat. "Bei den damaligen Konstellationen war uns klar, dass es uns vor allem als Plattform für unsere Ideen dienen kann. Aber wir waren fleißig", resümiert Meixner. Peter Zinke und er schreiben innerhalb von sechs Jahren mehr als 200 Anträge. Vor allem zu ökologischen Themen. Meixner forderte zum Beispiel als Erster ein Abwasser-Kataster. Damals habe niemand gewusst, welche Firmen welche Stoffe ins Abwasser einleiteten. Erst viel später wurde das Kataster in Forchheim umgesetzt.

Die Grünen hätten es auf kommunalpolitischer Ebene schwer gehabt. "Wir wurden mit viel Hass überschüttet. Es war nicht leicht, das Ganze durchzuhalten. Es gab sogar richtige persönliche Feindschaften", erinnert sich Meixner.

Diesen Hass habe er auch in Wackersdorf gespürt im Zuge der Antiatomkraft-Demos gegen die Wiederaufbereitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf. "Ich habe da hautnah erlebt, wie brutal Polizisten gegen Leute vorgegangen sind", sagt Meixner. Die Antiatomkraftbewegung war eine der Hauptstützen der Grünen. 1986 ereignete sich dann die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. "Das war natürlich schon fast prophetisch, als das Kraftwerk in Tschernobyl in die Luft geflogen ist", erinnert sich der grüne Stadtrat. Mit einem befreundeten Arzt befragte er die Menschen in der Region. "Die Leute hatten eine derartige panische Angst. Sie waren das erste Mal damit konfrontiert, was wir immer so apodiktisch gesagt haben. Da war plötzlich das Schlimmste da, was man sich hatte vorstellen können."

Pause der grünen Phase in Forchheim

1990 nahm die erste Hochphase der Grünen in Forchheim ein Ende. "Während der politischen Sturm- und Drangphase habe ich mein Privatleben etwas schleifen lassen", so Meixner. Der gelernte Schreiner hatte Sozialpädagogik studiert und fing 1991 bei der Stadt Erlangen an zu arbeiten.

Bis 1996 gab es keine Grünen im Forchheimer Stadtrat. Erst als neue Leute wie Annette Prechtel und Uli Zenneck entschieden, anzutreten, wurde 1996 die Forchheimer Grüne Liste (FGL) aufgestellt. Durch die auch Gerhard Meixner wieder als Kommunalpolitiker in Erscheinung trat. Der FGL-Stadtrat meint: "Vieles von dem, was wir damals gefordert haben, ist bis heute auf unserer Agenda."

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