Forchheim
Podium

Agrarministerin stellt sich verärgerten Landwirten: Deshalb sind die Bauern sauer

Hitzige Stimmung während der Diskussion rund um die Agrarpolitik: 300 Zuhörer kamen in Forchheim zum Vortrag der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Debattiert wurden unter anderem die Ursachen für die Verärgerung der Landwirte.
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Schlechte Stimmung in der Landwirtschaft räumte Agrarministerin Michaela Kaniber beim Vortrag in Forchheim ein.  Symbolfoto: Barbara Herbst/Archiv
Schlechte Stimmung in der Landwirtschaft räumte Agrarministerin Michaela Kaniber beim Vortrag in Forchheim ein. Symbolfoto: Barbara Herbst/Archiv
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"Die Stimmung in der Landwirtschaft ist schlecht. Da gibt es nichts schönzureden", stellte Michaela Kaniber vorneweg fest. Die bayerische Agrarministerin nutzte ihren Auftritt in Forchheim, um bei der örtlichen Bauernschaft offensiv für ihre Politik zu werben.

In den vergangen Wochen ist es immer wieder zu größeren Bauernprotesten in Franken gekommen. Doch die Gründe für die Verärgerung der Landwirte gehen weit über die Problematiken in Agrarpolitik hinaus.

Das Interesse an der Diskussion war riesig, rund 300 Zuhörerinnen und Zuhörer sind am Dienstagabend in den Saal der Sparkasse gekommen. Kaniber sprach über "Aktuelles aus der Agrarpolitik" im Rahmen der Vortragsreihe "Landwirtschaftsforum" des Bayerischen Bauernverbandes und der Sparkasse Forchheim.

Agrarministerin Kaniber stellt sich kritischen Landwirten

Die CSU-Spitzenpolitikerin aus Bad Reichenhall streifte die großen Themen und Streitpunkte in der Agrarpolitik. Mit ihren Standpunkten stieß sie beim Publikum, das vor allem aus regionalen Landwirten bestand, auf offene Ohren. Doch auch kritische Reaktionen und Nachfragen bekam die Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zu spüren. Ein Schwerpunkt ihrer Rede: Für die schlechte Stimmung unter den Bauern machte sie unter anderem zu hohe Auflagen und das "Bauern-Bashing" in der Öffentlichkeit verantwortlich.

Kaniber verteidigt sich und fordert neue Maßnahmen

Gegen die Kritik an der Umsetzung des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" verteidigte sie naturgemäß das Vorgehen der Staatsregierung: Der "Dreischritt aus annehmen, verbessern und versöhnen" sei richtig gewesen. Sie plädierte für eine Entschleunigung der Gesetzgebung, um den Bauern mehr Zeit zu geben. Um bäuerliche Familienbetriebe zu stärken, müssten die ersten Hektar Land doppelt so hoch gefördert werden - eine Ankündigung die ein Hollfelder Landwirt sehr begrüßte.

Höhnisches Gelächter aus den Reihen der Zuhörer erntete Kaniber, als sie das umstrittene "Mercosur-Abkommen" verteidigte. Bei der Herausforderung, wie mehr Verbraucher dazu gebracht werden können, regionale und Bio-Produkte zu kaufen, setzt Kaniber auf Erziehung und besseres Regionalmarketing. Sie appellierte für eine offensivere Werbung für die Landwirtschaft: "Wir dürfen die Meinungshoheit nicht denen überlassen, die die Landwirtschaft schlechtreden!"

Die Deutschen sind stolz auf ihr Recyclingsystem. Gleichzeitig wird so viel Müll produziert, wie nie zuvor. Wir haben uns der Frage gewidmet: Wofür trennen wir eigentlich unseren Müll?

Ein Bauer aus Marloffstein wollte wissen, wie sich die bayerische Landwirtschaft hinsichtlich der Nachhaltigkeit, die die drei Aspekte Ökonomie, Ökologie und Soziales beinhalte, noch verbessern soll. Kanibers Antwort: "Ich bin ein Kind der freien Wirtschaft. Ohne eine starke Ökonomie gibt es in der Landwirtschaft die anderen Säulen gar nicht."

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