Affalterthal
Kirche

Affalterthaler Pfarrer: Papierflut erschwert evangelische Arbeit vor Ort

Michael Maul ist seit fünf Jahren evangelischer Pfarrer der Kirchengemeinde Affalterthal. Er beschreibt seine Gefühlslage zwischen Lust und Frust.
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Pfarrer Michael Maul spielt im örtlichen Posaunenchor mit. Foto: Reinhard Löwisch
Pfarrer Michael Maul spielt im örtlichen Posaunenchor mit. Foto: Reinhard Löwisch
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Bald werden es fünf Jahre, dass Pfarrer Michael Maul (34) Ortspfarrer der Kirchengemeinde Affalterthal ist. Er ist Nachfolger von Hans-Jürgen Johnke, der im Herbst 2013 als 60-Jähriger nach El Salvator auswanderte und mittlerweile nur noch im Urlaub nach Deutschland kommt. Maul hat sich beim Amtsantritt einiges vorgenommen, zum Beispiel die Verbesserung der Jugendarbeit, die unter seinem Vorgänger mangels Angeboten gar nicht existierte. "Das darf nicht sein", sagte er, "erstens macht es viel Spaß, mit Jugendlichen zu arbeiten, und zweitens gibt das auch frischen Wind für die ganze Gemeinde."

Zusammenwachsen

Auch das seelsorgerische Zusammenwachsen der beiden Orte Bieberbach und Affalterthal liegt Maul am Herzen: "Wir sind eben nicht zwei Gemeinden mit jeweils einer Kirche in Affalterthal und Bieberbach. Wir sind eine Gemeinde mit zwei wunderschönen Kirchen - und das ist ein großer Schatz für alle." Was ist aus den Vorsätzen geworden in den letzten Jahren? Wo hakt es, was könnte man anders oder besser machen? Das sind die Fragen an den Ortsgeistlichen, der aus einem zweiwöchigen Campinglaub auf der Insel Rügen zurückgekommen ist und bald sein viertes Kind in Empfang nehmen kann. Vorher wird er noch für zwei Wochen nach Tansania reisen, zur Pflege der Dekanatspatenschaft.

Zwischenfazit

Michael Maul meint rückblickend: " Mein Zwischenfazit umfasst sicher Lust und Frust. Der Pfarrberuf bringt es mit sich, dass man mit vielen Menschen unterwegs ist, und ich bin sehr denkbar dafür, wie viele tolle Menschen ich hier kennenlernen durfte und wie viele sich mit großem Engagement einbringen. Ich merke auch: Die Zeit verfliegt und wird oft gefressen von Bauvorhaben oder pfarramtlicher Papierflut. Leider wird unsere Kirche trotz mancher Reformvorhaben noch immer wie eine Behörde verwaltet, was die Arbeit vor Ort erschwert." Nicht verwalten, sondern neu begeistern - das sollte das Ziel sein. Denn begeisternd sei der Kern von Kirche und Gemeinde: in Gemeinschaft mit Gott und untereinander leben zu dürfen. Mit den letzten Konfirmandenjahrgängen werden nun Jugendabende veranstaltet, was Pfarrer Maul sehr freut. "Aus dieser Runde heraus sollen mit der Zeit auch Jugendgottesdienste gestaltet werden", hofft der Geistliche. Weiter bilanziert Michael Maul: "Im Zusammenwachsen unserer Gemeinde wird manches selbstverständlicher, doch manchmal knirscht es auch noch ordentlich. Letztlich braucht es eben die persönliche Bereitschaft, sich auf ein neues Miteinander einzulassen. Und dann kleine konkrete Schritte, etwa das Besuchen der Festgottesdienste zur Kirchweih auch im jeweils anderen Dorf. Als Gemeinde und Kirche liegen spannende Zeiten vor uns, weil alte Selbstverständlichkeiten nicht mehr greifen."

Nachwuchsmangel

Das kirchliche Personal beispielsweise werde aufgrund von Nachwuchsmangel in den kommenden Jahren deutlich weniger. In jedem Wandel liege aber auch eine Chance: "Das Gemeindeleben mitzugestalten muss wieder viel mehr eine Sache aller Gemeindemitglieder sein. Das müssen wir neu lernen, aber vielleicht werden wir dabei auch wieder etwas evangelischer, weil eine ungesunde Pfarrerzentriertheit überwunden wird." Und es werde noch wichtiger, über die Dorfgrenzen hinauszudenken. So freue er sich auf die kommenden Jahre in der Gemeinde, darf aber aktuell einen ganz anderen Flecken Erde erleben: Für zwei Wochen wird Maul im September mit einer kleinen Delegation des Dekanats nach Tansania reisen, um die Partnerschaft mit der Südost-Diözese der dortigen evangelisch-lutherischen Kirche aufzubauen.

Zur Person

Michael Maul hat in Marburg und Erlangen studiert. Er stammt aus dem Steigerwald, ist aber im Hummeltal bei Bayreuth aufgewachsen. 2008 heiratete er seine gleichaltrige Frau Anne, mit der er mittlerweile drei Kinder hat: Noah, Emil und Frieda. Maul ist, wie er gern betont, "mit dem Glauben daheim aufgewachsen". In seinem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer Kommunität hat er sich dazu entschlossen, Pfarrer zu werden.



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