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Wiesenttal
Marktgemeinderat

Abwasser: Grundstücksbesitzer ziehen nicht mit

Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung sind in der Flächengemeinde Wiesenttal mit ihren vielen kleinen Ortsteilen ein Dauerthema.
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Symbolfoto: Deuerling
Symbolfoto: Deuerling
In der jüngsten Ratssitzung gab der Fachingenieur Alexander Dürrschmidt Sachstandsberichte zur Oberflächenentwässerung in Wohlmannsgesees und zum Hochbehälter bei Birkenreuth. Bislang versickert das Oberflächenwasser in Wohlmannsgesees in der verschlossenen Doline in der Ortsmitte. Diese Form der ungereinigten Beseitigung über einen Absetzschacht erhält vom Wasserwirtschaftsamt keine Genehmigung mehr.

Deshalb bemühte sich die Gemeindeverwaltung nach den Vorgaben des Wasserwirtschaftsamts um eine Lösung mit Vorreinigung und einem Schluckbrunnen außerhalb des bebauten Areals. Dazu müsste Wiesenttal eine Fläche von etwa 2400 Quadratmeter von privat erwerben. Doch es fanden sich keine Verkäufer.


Schluckbrunnen bleibt notwendig

Das eingeschaltete Fachbüro stellte nun eine technische Alternative vor. Der Schluckbrunnen bleibt auch dabei notwendig, denn der Oberboden um Wohlmannsgesees ist wenig durchlässig. Der Brunnen muss an der tiefsten Stelle um die Bebauung herum errichtet werden. Geeignet ist dafür die Mulde, die von der Kreisstraße aus über einen Feldweg erschlossen wird.

Entlang dieses öffentlichen Weges gehören Geländestreifen von etwa zwei Metern Breite zum kommunalen Eigentum. In ihnen könnte mit einer Technik, wie sie für äußerst beengte Räume entwickelt wurde, eine Vorreinigung errichtet werden. Dazu müssen zirka zwölf schmale Becken gebaut werden, in die ein spezielles Substrat eingefüllt wird. Vom Hauptkanal zweigen jeweils Seitenkanäle ab; das Wasser wird damit dosiert in die Reinigungsbecken geleitet und fließt danach unterirdisch zum Schluckbrunnen. Da die Becken unmittelbar neben der Fahrbahn zu liegen kämen, müssten sie abgedeckt werden.

Dürrschmidt schätzt die Mehrkosten gegenüber einem konventionellen Vorreinigungsbecken auf weit über 100.000 Euro. Damit würden sich die bisher im Raum stehenden Gesamtkosten nahezu verdoppeln. "Allein beim Substrat müssen Sie mit Preisen um die 1000 Euro pro Kubikmeter rechnen", schlüsselte Dürrschmidt seine Kostenschätzung auf. Etwa 70 Kubikmeter werden benötigt, was allein schon ordentlich bei den Kosten zu Buche schlägt. Hinzukommt noch, dass solches Substrat nur eine Lebensdauer von gut zehn Jahren hat und danach ausgetauscht werden muss.

"Das sind gewaltige Kosten für die wenigen Einwohner", folgerte Hans Heißenstein (WU) aus diesen Vorgaben. Seine Empfehlung an den Rat war, doch weiter nach einem Grundstück zu suchen. "Schließlich sind davon auch die verkaufsunwilligen Grundeigentümer betroffen", ergänzte sein Ratskollege Karl-Peter Schwegel (BFMW). "Wir hatten doch schon die okölogischste und kostengünstigste Lösung gefunden", bedauerte Gerhard Kraus (BGS) die bislang negative Haltung der Bevölkerung.

Mit den neuen Fakten in der Hand will Bürgermeister Helmut Taut (FWW) nochmals auf die Wohlmannsgeseeser zugehen. Er hofft sogar, dass ein Grundeigentümer bereit ist, über sein Gelände die Leitung ortsauswärts verlegen zu lassen. Die verkürzte Strecke würde die Kosten der unumgänglichen Maßnahme nochmals reduzieren.


Hochbehälter bei Birkenreuth

Für den sanierungsbedürftigen Hochbehälter bei Birkenreuth entwickelte Dürrschmidt ein schlankeres Konzept, nachdem bereits in Wartleiten zwei Gruben mit je etwa 50 Kubikmetern Fassungsvermögen für Löschwasser zur Verfügung stehen. Weiterhin wird dabei von einer Abschaltung des maroden Hochbehälters für Trainmeusel und Wartleiten ausgegangen.

Die nötige Fassungsmenge eines Hochbehälters wird für den schlimmsten Fall berechnet: ein extrem heißer Tag, an dem die Pumpe der Zuleitung ausfällt und ein Brand ausbricht. Werden Löschteiche vorgehalten, kann der dritte Knackpunkt ausgeblendet werden. Somit muss ein Hochbehälter nur die maximale Verbrauchsmenge für gut einen Tag beinhalten. Nach der Einwohnerzahl plus dem Verbrauch für die Viehhaltung kommt Dürrschmidt auf rund 130 Kubikmeter und die fasst der bestehende Hochbehälter nach der Sanierung immer noch.

Diese Zahl ist entschieden kleiner als eine Verbrauchsberechnung über die jährlichen Pumpmengen zu den zwei Hochbehältern. Wegen diverser Verlustquellen kommen viele Kubikmeter Trinkwasser gar nicht beim Verbraucher an. Eine davon sind die Schwimmerventile zum Ein- und Ausschalten der Förderpumpe. Sie reagieren träge, was zu regelmäßigen Überfüllen führt. Bestes Trinkwasser läuft einfach über.


Kosten 450.000 Euro

Dürrschmidt geht für die gesamte Ertüchtigung der Trinkwasserversorgung für die südlichen Ortsteile von rund 450.000 Euro aus. Darin enthalten sind die Kosten für eine Druckminderung am Abgabeschacht für Trainmeusel, die wegen des Höhenunterschieds notwendig wird, um den Wasserdruck dort unter sechs Bar zu halten. Enthalten sind weiter der Stromanschluss samt Zuleitung zum Hochbehälter und eine Erneuerung der gesamten Leitungs- und Steuerungstechnik sowie die bauliche Sanierung.

Noch eine gute Nachricht für diese Orte: Die Straße zwischen Trainmeusel und Wartleiten wird in den nächsten Tagen erneuert. Das Profil wird ausgeglichen und eine neue Tragschicht aufgetragen, teilte Taut dem Marktgemeinderat mit.


Gewerbegebiet Wüstenstein

Eine ordentliche Zeitspanne der Ratssitzung nahmen die letzten Regularien für die fünfte und die sechste Änderung des Flächennutzungsplans ein. Die Änderungen beziehen sich auf ein Gewerbegebiet bei Wüstenstein, einen Lagerplatz der Firma Lämmlein, Flächenumwidmungen in Gößmannsberg und die Bauvorhaben an der Nützelmühle in Draisendorf.

Die sechste Änderung war, erläuterte Planerin Ingrid von der Saal, notwendig, damit das Gelände des holzverarbeitenden Betriebs am Streitberger Bahnhof zum Gewerbegebiet wird.


Biogasanlage in Birkenreuth

Weiter betroffen ist die bestehende Biogasanlage in Birkenreuth. Auch wenn hier keine baulichen Erweiterungen anstehen, musste hier auch noch ein Bebauungsplan-Verfahren durchgezogen werden, damit die Anlage mit Volllast fahren darf. Denn die Sicherheit der Energieversorgung schreibt vor, dass eine Anlage doppelt so groß ausgelegt werden muss als die tatsächliche eingespeiste Energiemenge.

Wiesenttal bekommt nun doch eine Elektroladestation. Hatten die Ratsmitglieder vor einem halben Jahr noch abgewinkt, konnte sie Bürgermeister Taut von den neuen Konditionen überzeugen. Ein weiterer Zuschuss des Kreises und gedeckelte Aufstellungskosten der Stadtwerke Ebermannstadt reduzieren den kommunalen Anteil auf 725 Euro. "Das hätte ich auch allein entscheiden dürfen, aber ich wollte euch vorher informieren", merkte Taut an und verkündete, dass er in den nächsten Tagen persönlich bei Minister Markus Söder (CSU) die 200.000 Euro Stabilisierungshilfe abholen dürfe.