Niedermirsberg
Lebensgefahr

Fränkische Wanderer missachten Warnschilder: 40 Jäger müssen Jagd abbrechen

Weil fünf Wanderer auf ihrem Weg nach Eschlipp egoistisch und uneinsichtig handelten, schauten die Jäger in die Röhre. Sie mussten ihre Jagd abbrechen, weil die Spaziergänger sämtliche Warnschilder ignoriert hatten.
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Deutlicher kann ein Durchgangsverbot kaum aussehen. Fünf Wanderer aus Nürnberg ignorierten es trotzdem und brachten sich in Lebensgefahr. Fotos: privat
Deutlicher kann ein Durchgangsverbot kaum aussehen. Fünf Wanderer aus Nürnberg ignorierten es trotzdem und brachten sich in Lebensgefahr. Fotos: privat
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Zunächst vielleicht unbedarft oder unwissend, dann aber uneinsichtig und sogar unverschämt verhielt sich eine fünfköpfige Wandergruppe am vergangenen Samstag. Weil das Quintett Absperrungen und Verbotsschilder offenbar ignorierte, brachte es sich selbst in Lebensgefahr.

Zu diesem Zeitpunkt fand nämlich auf der Flur zwischen Weigelshofen, Drosendorf und Niedermirsberg eine revierübergreifende Drückjagd statt, an der sich 40 Jäger beteiligten. "Die Wanderer waren an der Kreuzung Kalkgasse und Judenweg in Richtung Fluggaststätte auf dem Feuerstein unterwegs. Sie hatten die eindeutigen Hinweise ignoriert und kümmerten sich auch nicht um die Jäger, die am Wegesrand auf ihren Drückjagdböcken saßen und auf die Wildschweine warteten, die von Drosendorf aus Richtung Niedermirsberg getrieben wurden", erinnert sich Jagdleiter Peter Stumpf.

Schlechte Sicht durch Nebel und Regen: Gruppe uneinsichtig

Die durch Nebel und Regen schlechte Sicht machte das Ganze noch gefährlicher für die unbefugten Passanten, die zum Glück entdeckt und angesprochen wurden, aber unwirsch reagierten. "Vor allem eine Frau wurde giftig und erklärte sinngemäß, dass sie keine Umleitung angeboten bekommen hätten und deshalb auf dem kürzesten Weg bleiben würden", berichtet Stumpf. Die Gruppe hätte sich nicht zu einer Umkehr bewegen lassen und unbeirrt ihren Weg nach Eschlipp fortgesetzt, um dort an einer Schlachtschüssel teilzunehmen. Nach reiflicher Überlegung verständigten die Jäger die Polizei. Diese wollte die Personalien der Wanderer in der Gaststätte in aufnehmen und gegebendnfalls für jeden der fünf ein Ordnungsgeld von zehn Euro verhängen.

Für acht der 40 Jäger war aber unabhängig davon Schluss. "Ich musste die Jagd in dem Bereich aus Sicherheitsgründen abbrechen", erklärt Stumpf, den das Verhalten der Wanderer wurmt. "Für uns war das auch kein Vergnügen, uns bei Nebel und Regen stundenlang in die Kälte zu stellen. Wir machen das nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil wir wegen der afrikanischen Schweinepest gewisse Abschusszahlen vorweisen müssen", erklärt der erfahrene Jäger.

Gefährliche Querschläger: Schütze "wird seines Lebens nicht mehr froh"

Zwar sitzen die Schützen bei der Drückjagd auf drei Meter hohen Böcken, damit die Schussrichtung von oben nach unten geht und Projektile, die ihr Ziel verfehlen, vom Boden aufgefangen werden. Aber ein Geschoss kann eben auch von einem Stein abgelenkt werden und zu einem Querschläger werden, der Menschen ernsthaft verletzen und sogar töten kann. "Und wenn dann tatsächlich etwas passiert? Der Schütze, selbst wenn er keinerlei Schuld daran trägt, wird seines Lebens nicht mehr froh", sagt Stumpf, dem völlig unbegreiflich ist, wie Menschen sich in eine solch gefährliche Situation bringen können.

Ganz abgesehen von der aufwendigen Vorbereitung der Drückjagd, die für die Katz' waren: "Ich habe mit einem Jagdhelfer über zehn Stunden gebraucht, um alle Sicherheitsbestimmungen dieser Jagd einzuhalten. Genehmigungen mussten eingeholt werden, ein Bauhof-Mitarbeiter hat uns alle nötigen Verkehrsschilder ausgehändigt, die wir zusätzlich zum Absperrband an allen Wegen im Jagdgebiet aufgestellt haben. Die ganze Mühe war umsonst wegen dieses Verhaltens", sagt Stumpf, der die Öffentlichkeit sensibilisieren will. "Eine Jagd ist kein harmloser Spaß, die Absperrungen und Verbotsschilder haben ihren Sinn."

Wie die Polizei später mitteilte, wurden die Wanderer in der besagten Gastwirtschaft angetroffen. Doch weil diese glaubhaft versichert hätten, keine Absperrung gesehen zu haben, blieb es bei einer Belehrung ohne Bußgeld. "Wir konnten nicht abschließend klären, ob die Wanderer, die in Reifenberg gestartet sind, über einen der vorbildlich abgesperrten, befahrbaren Wege in den Bereich gelangt sind oder über unbefestigte Wanderpfade, wie sie behaupten", erklärte Georg Götz. Der stellvertretende Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Ebermannstadt betonte aber auch, dass auch im Falle einer absichtlichen Übertretung kaum härtere Sanktionsmöglichkeiten gegeben hätte.

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