Der Rücktritt von Udo Schönfelder als Kreischef vor zwei Wochen wird ihnen als Königsmord ausgelegt - und nach dem Motto "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende" verziehen.
"Es war eine offene, kontroverse Aussprache" - mehr lässt sich Benedikt Graf Bentzel am Freitag nicht entlocken. Er wurde von den Teilnehmern als Sprecher des Kreisvorstandes bestimmt, bis Ende des Jahres ein offizieller Schönfelder-Nachfolger gewählt wird.

Alles rauslassen

Über die Kritik bei der Versammlung schweigt sich Sprecher Bentzel aus. Nur so viel räumt er ein: Im "Roten Ochs" habe jeder die Möglichkeit gehabt, rauszulassen, was "er auf dem Herzen und der Seele hatte - auch den Stellvertretern gegenüber". Jetzt gehe es darum, "wieder Ruhe reinzubringen" und "nicht weiter stundenlang Personalthemen zu wälzen".
Wie von Teilnehmern an dem Treffen zu erfahren war, wurde die Chance, Tacheles zu reden, von vielen genutzt. Eine heftige Debatte habe da stattgefunden. Tenor der Runde: Dass Schönfelder weg ist, geht in Ordnung, wie das passiert ist, nicht.
Verschiedene Redner äußerten die Meinung, dass der Kreisvorsitzende über das Ziel hinausgeschossen sei, er könne nicht im Alleingang für die Partei entscheiden. Als größter Fehler wurde bezeichnet, dass er seine Landtagskandidatur herbeiführen wollte, obwohl Mandatsträger Eduard Nöth noch nicht entschieden hat, ob er selbst noch einmal antreten will. Auf der anderen Seite wurde allseits die engagierte Arbeit von Schönfelder gelobt und den Stellvertretern die Art und Weise zu Last gelegt, wie sie das Abdanken des Kreisvorsitzenden erzwungen haben. Bekanntlich hatte das Quartett, zu dem neben Bentzel auch noch Kerstin Debudey, Konrad Rosenzweig und Stefan Förtsch gehören, ihrem Chef gedroht: Entweder Du trittst zurück oder wir tun es. Letztlich stand in Burk jedoch keiner auf und sagte: "Ich will Schönfelder zurück!"

Ein "primus inter pares"

Jetzt richtet die Kreis-CSU den Blick nach vorne. Die Stellvertreter wurden beauftragt, bis Ende Oktober eine Delegierten-Versammlung auf die Beine zu stellen. Die regulär im Mai 2013 anstehende Wahl eines Vorsitzenden wird vorgezogen. "Früher ist es nicht möglich", sagt Bentzel, der sich selbst als "primus inter pares", also als "Erster unter Gleichen" bezeichnet. Bis Oktober sollte sich auch Nöth entschieden haben, ob er noch für eine weitere Legislaturperiode kandidieren möchte. Und die Kandidaten für den Kreisvorsitz - und die Nöth-Nachfolge - haben ausreichend Zeit, sich positionieren und für sich zu werben. Eine Kampfabstimmung ist nicht ausgeschlossen. Bentzel: "Ich halte es für legitim, dass es mehrere Bewerber gibt."
Er und seine Mitstreiter hoffen, dass die Differenzen nach Donnerstagabend ausgeräumt sind. Ein reinigendes Gewitter sozusagen. Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen. In Burk dauerte es bis Freitagnachmittag, ehe die Sonne nach dem Sturm wieder hervorspitzte.