Forchheim
Müllverwertung

Abfall aus Gosberg als Fundgrube für Forscher

Weil Altarzneimittel meist im Restmüll oder in Toiletten landen, ist das Trinkwasser mit den Wirkstoffen belastet. Wissenschaftler aus Erlangen helfen nun, das Problem zu lindern.
Artikel drucken Artikel einbetten
Prof. Dr. Markus Heinrich (links) sichtet auf der Deponie Gosberg mit Studierenden Altarzneimittel. Foto: Ekkehard Roepert
Prof. Dr. Markus Heinrich (links) sichtet auf der Deponie Gosberg mit Studierenden Altarzneimittel. Foto: Ekkehard Roepert

Längst sind Wirkstoffe von Arzneimitteln im Grundwasser und sogar im Trinkwasser nachweisbar. Gerhard Raab, der Leiter der Kreis-Mülldeponie in Gosberg schätzt, dass nur 20 Prozent der Altarzneimittel korrekt entsorgt werden. "80 Prozent landen im Restmüll oder werden in die Toilette geschmissen", sagt Raab.

Abhilfe verspricht eine Forschergruppe aus Erlangen. Für Professor Markus Heinrich und die Studierenden vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie sind diese Müllprodukte äußerst attraktiv. "Im Labor gelingt es, aus den Arzneimitteln Wirkstoffe zurückzugewinnen", erklärt Markus Heinrich (siehe Box).

Bei diesem Projekt gebe es "nur Gewinner", freut sich Landrat Hermann Ulm (CSU): Der Landkreis spare sich die Verbrennung von rund einer Tonne Altarzneimittel pro Jahr und die Forschung gewinne Ressourcen.

Die Gruppe rund um Professor Heinrich hat zuerst in Erlangen mit dem Sammeln begonnen. Mittlerweile ist von einer "Modell-Region Erlangen-Nürnberg" die Rede, denn auch außerhalb der beiden Städte wird gesammelt. "Wir kommen so an rund 500 verschiedene Medikamente heran", sagt Doktorandin Anna Roggenhofer: "Etwa 100 werden verwendet."

Sieben blaue Tonnen abgeholt

Neben dem Erkenntnisgewinn im Labor hat die Wiederverwertung auch einen kommerziellen Vorteil: So spare sich die Universität Ausgaben für Forschungschemikalien, sagt Professor Heinrich.

Am Donnerstag (21. November) nahmen die Forscher sieben blaue 120-Liter-Tonnen voller Arzneimittel aus Gosberg mit. Das ist der "Ertrag" der letzten drei Monate. Die Medikamente werden entweder von Bürgern nach Gosberg gebracht - oder via Schadstoffmobil eingesammelt, sagt Gerhard Raab. Jetzt, da die Öffentlichkeit vom Wert der alten Altarzneimittel wisse, würden sie hoffentlich nicht mehr in den Toiletten landen, appelliert der Landrat.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren