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Forchheim
Gedenken

Zwei Steine für das Leid der Eheleute Forchheimer

Weil sie Juden waren, wurden die Eheleute Forchheimer von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet. Jetzt erinnern an ihrem letzten Wohnsitz Bamberg zwei Stolpersteine an das Schicksal von Adolf und Rosa Forchheimer.
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Die verlegten Stolpersteine für Rosa und Adolf Forchheimer Fotos: Emmerisch Huber
Die verlegten Stolpersteine für Rosa und Adolf Forchheimer Fotos: Emmerisch Huber
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Die Stadt Bamberg hat zur Erinnerung an 22 ihrer ehemaligen Jüdischen Mitbürger 22 weitere sogenannte Stolpersteine durch den Berliner Künstler Gunter Demnig setzen lassen, darunter auch die für Adolf und Rosa Forchheimer an ihrem letzten Wohnort in Bamberg, Austraße 21. Es ist allerdings nicht überliefert, ob und welchen Bezug Vorfahren der Eheleute Forchheimer zur Stadt Forchheim hatten.

In Bamberg vertreten war auch von "Bunt statt Braun, Forchheimer Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus" die Vorstandsmitglieder Ludwig Preusch und Emmerich Huber.

Forchheimer Schande

Beide waren beeindruckt von der Würde dieses Gedenkens und wünschen laut einer Pressemitteilung dringend, "dass eine angemessene Gedenkkultur bezüglich deportierter und ermordeter ehemaliger jüdischer Mitbürger endlich auch in Forchheim Platz findet und sich Forchheim
seiner diesbezüglich besonders unrühmlichen Vergangenheit stellt".

Dafür wollen sie und "Bunt statt Braun" sich konsequent einsetzen. Sie finden es "eine Schande, dass Forchheim das Thema weitgehend verdrängt und weit hinter kleinen Gemeinden in Franken zurücksteht". Wie dieses Gedenken dann genau aussehen solle, ist für beide zunächst nicht das vorherrschende Thema. "Nachdem man in Forchheim aber ohnehin an vielen Orten über jüdische Vergangenheit ,stolpert'" sagt Emmerich Huber, "wären Stolpersteine eine würdige und sichtbare Möglichkeit, das Gedenken zu manifestieren."

Die Erinnerungskultur in der Domstadt Bamberg sei inzwischen breiter Konsens, wie man aus den nunmehr 150 Stolpersteinen ersehen könne. Entsprechend wohnten den Zeremonien neben interessierten Bürgern auch zahlreiche Stadträte, der Präsident der Uni Bamberg und der Zweite Bürgermeister bei, die die Ermordeten in kurzen Gedenkansprachen ehrten.

Der Kaufmann Adolf Forchheimer war zusammen mit seiner Frau Rosa Forchheimer (geb. 1886) im Alter von 42 Jahren um 1926 aus Berlin-Friedenau nach Bamberg zugezogen. Dort war er bis 1936 Inhaber einer Polsterwerkstatt mit Trödelhandel und ab 1937 bis 1. April 1938 Gemeinde- und Leichendiener der Israelitischen Kultusgemeinde.

Deportiert nach Riga

In der Folge des Novemberpogroms inhaftierten ihn die Nationalsozialisten vom 10. November bis 16. Dezember 1938 im KZ Dachau.

Am 27. November 1941wurden Adolf und Rosa Forchheimer aus Bamberg nach Riga deportiert. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war ab 3. Dezember 1941 das Lager Riga-Jungfernhof, ein berüchtigtes Vernichtungslager. Das weitere Schicksal und die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt. Wie der Forchheimer Historiker Rolf Kießling, der ein Buch über die "Juden in Forchheim" verfasst hat, auf Anfrage mitteilt, "haben die Eheleute Forchheimer meines Wissens mit der Stadt Forchheim nichts zu tun. Sie wurden weder in Forchheim geboren noch haben sie in Forchheim gelebt." Über den neuen Stolperstein in Bamberg für Hermann Dorn, der in Ermreuth geboren wurde und zuletzt in Bamberg gelebt hatte, wurde im Fränkischen Tag bereits berichtet.


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