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Forchheim
Urteil

Zwei Brüder und Dealer müssen lange ins Gefängnis

Unter anderm wegen Drogenhandels müssen zwei Brüder aus dem Raum Forchheim für viele Jahre ins Gefängnis.
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Die Brüder haben mit Crystal gedealt. Foto: dpa
Die Brüder haben mit Crystal gedealt. Foto: dpa
Die große Strafkammer in Bamberg unter dem Vorsitzenden Richter Manfred Schmidt fällte nach zehn Verhandlungstagen ihr Urteil über zwei Brüder aus dem Raum Forchheim. Diese waren einer Vielzahl von Verbrechen und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt, insbesondere wegen Handeltreibens und der Einfuhr von großen Mengen Crystal aus der Tschechischen Republik.
Ein Teil der Straftaten war nur durch ein Buchmanuskript nachweisbar, das der Angeklagte Anton S. (Name geändert) in der U-Haft verfasst hat.

Das Gericht entschied: Anton S., der ältere mit der langen kriminellen Karriere, muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Sein jüngerer Bruder Benno erhielt eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Beide Brüder sind selber schwer betäubungsmittelabhängig.


Ein scharfer Revolver

Deshalb ordnete das Gericht für beide eine Therapie nach etlichen Jahren des Strafvollzugs an. Es entschied sich gegen eine Sicherungsverwahrung von Anton S. "Es waren beide Entscheidungen vertretbar", erläuterte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung.

Man sah von diesem schärfsten Schwert des deutschen Strafrechts aber ab, weil Anton S. keine Gewalt angewendet habe - obwohl er einen scharfen Revolver besaß. Und: Wenn er seine Strafe verbüßt hat, ist er fast 70 Jahre alt. Benno S. (Name geändert) nahm das Urteil bereits an, so dass es im Gerichtssaal noch rechtskräftig wurde. Er litt offenbar schon seit einer Weile unter der langen Dauer des Verfahrens. Ab April 2016 saßen die Brüder in Untersuchungshaft. Im Januar dann begann der Prozess mit einem Fehlstart. Wegen falscher Gerichtsbesetzung musste er noch einmal von vorne beginnen und zog sich damit von Februar bis Juni hin. Auch die Richter bescheinigten Benno S. , dass er es "schwerer verkrafte als sein Bruder". Schließlich sei Benno S. aus einem straffreien Berufs- und Familienleben herausgerissen worden.

Die Strafen der beiden Brüder setzen sich aus je 14 unterschiedlichen Einzelstrafen für verschiedene Delikte zusammen. Bei Anton S. fiel besonders ins Gewicht, dass er Ende März 2016 mit einem Komplizen in den Grenzraum fuhr und zu Fuß 560 Gramm der Droge über die grüne Grenze trug.


Sprengmittel gelagert

Obwohl der zweite Mann nur als Fahrer tätig war und selbst keine Drogen erhielt, hat ihn das Landgericht in einem gesonderten Verfahren bereits zu drei Jahren Haft verurteilt. Ins Gewicht fiel bei beiden Brüdern auch, dass sie über mehrere Jahre hinweg in regelmäßigen Abständen an eine Forchheimerin kleinere Crystal-Mengen verkauften.

Bei Benno S. kam noch ein ungewöhnliches Delikt dazu: der unerlaubte Besitz von Sprengmitteln. Er lagerte zu rein pyrotechnischen Zwecken fast 15 Kilogramm in einem Kellerabteil eines Mehrfamilienhauses. Großen Raum in der ausführlichen Beweisaufnahme nahm ein Vorfall im Oktober 2014 ein. Bei einer Schleierfahndung im Raum Waldsassen wurden die zwei Brüder angehalten. Bei der anschließenden Durchsuchung des Fahrzeugs fand man in ihren Geldbeuteln je 5000 Euro in 500er-Scheinen und gut versteckt hinter dem Handschuhfach weitere 60 000 Euro.

Das ergab einen Geldwäscheverdacht für den Zoll. Er beschlagnahmte das getarnte Geld.
Erst durch von Briefe Anton S. kam heraus, dass zuvor ihr Kaufversuch von Drogen in Tschechien fehlgeschlagen war. Für das Geld hätten sie etwa 3,6 Kilogramm der Droge erwerben wollen, waren aber von den Drogendealern für Scheinkäufer der Polizei gehalten worden.
Die beabsichtigte Kaufmenge entspricht in etwa einem Zehntel dessen, was pro Jahr an Crystal in Bayern sichergestellt wird. Da die Geldsumme für den Drogenkauf bestimmt war, ordnete das Gericht dessen Einziehung an. Auch wenn in der Verhandlung die Herkunft des Geldes nicht abschließend geklärt werden konnte.

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