Pretzfeld
Umwelt

Zum Vorteil für Mensch und Natur

Die Pretzfelder Marktgemeinderäte wollen jetzt doch, dass die Kommune am Wässerwiesenprojekt des Landkreises Forchheim teilnimmt.
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Auf diesem historischen Foto sind Schützen auf einer Wiese am Fuß des Walberla zu sehen. Mit diesen Schiebern wurde die Bewässerung von Wiesen über ein Grabensystem geregelt. Heute besteht wieder Interesse an dieser Technik, die der Landkreis fördern möchte. Foto: Archiv, Landratsamt
Auf diesem historischen Foto sind Schützen auf einer Wiese am Fuß des Walberla zu sehen. Mit diesen Schiebern wurde die Bewässerung von Wiesen über ein Grabensystem geregelt. Heute besteht wieder Interesse an dieser Technik, die der Landkreis fördern möchte. Foto: Archiv, Landratsamt
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Die Teilnahme am Wässerwiesenprojekt des Landkreises Forchheim zum Erhalt der traditionellen Bewässerung im Wiesenttal war in der Sitzung Anfang Mai mit sechs zu sechs Stimmen abgelehnt worden. Deshalb staunten einige Marktgemeinderäte, dass das Thema auf der Tagesordnung der jüngsten Marktgemeinderatssitzung als Wiedervorlage zu finden war.

Gerhard Mühlhäußer (CSU/BB) forderte eine schriftliche Bestätigung der Rechtsaufsicht, dass das Verfahren richtig ist und die Räte noch einmal über dieses Projekt abstimmen dürfen. "Mir geht es nicht um den Inhalt, sondern um das Verfahren", betonte Mühlhäußer.


Verlust drohte

Pretzfelds Bürgermeisterin Rose Stark (SPD/Ökol.) informierte über einen Termin im Landratsamt. Da sich der Markt Pretzfeld gegen das Projekt entschieden hatte, hätte der Bayerische Naturschutzfond die Fördermittel in Höhe von 280 000 Euro nicht bereitgestellt. Deshalb war Johannes Mohr vom Landratsamt in die Sitzung gekommen, um im Auftrag von Landrat Hermann Ulm (CSU) den Räten das außergewöhnliche Projekt "ans Herz zu legen."

Es handle sich hierbei um das erste Projekt in Zusammenhang mit der ökologischen Kreisentwicklung, trug Johannes Mohr vor. Früher gab es Wehre in den Bächen, die das Wasser aufstauten und in Gräben leiteten. Hier konnte es über die sogenannten "Schützen" ebenfalls aufgestaut und damit die Wiesen überflutet werden. Das Wasser floss weiter in Gräben und von dort wieder in den Bach.



Natürlich gedüngt

"Sedimente konnten sich in den Wiesen absetzen und sie düngen", berichtete Mohr. Zudem wurden die Wiesen bewässert, versickertes Wasser wurde zu Grundwasser und es trug zur Senkung von CO2 bei. "Flusswasser wird nicht richtig kalt und konnte den Boden im Frühjahr erwärmen, so dass sich die Vegetationszeit verlängert hat", ergänzte Mohr. Die Fließgewässer wurden gereinigt und die Wehre und Gräben dienten als Hochwasserschutz. "Außerdem handelt es sich um ein sehr wertvolles Kulturerbe", trug der Referent vor.
Im Augenblick gehe der Trend zu Hochwassergefährdung, Verschlammungen sowie dem Rückgang vieler Tier- und Pflanzenarten und Klimaveränderungen. "Im Wiesenttal gibt es viele europäische Schutzgebiete mit besonderer Verantwortung, aber auch besonderer Rechtsbeuge", erklärte Johannes Mohr.



Belohnung winkt

Man wolle keinen Zwang ausüben, sondern Anreize über Fördermittel schaffen. Landwirte, die diese Chance nutzen wollen, erhalten zusätzliche Mittel, beispielsweise, wenn sie kleinere Heuballen für Pferdeheu herstellen. Im Landratsamt werde es einen Ansprechpartner geben, der die Landwirte auch berät.
Da Pretzfeld die größten Flächen und den größten Anteil an den europäischen Schutzgebieten hat, sei es wichtig, dass die Marktgemeinde das Projekt unterstütze.

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 400 000 Euro. Zehn Prozent der Kosten werden vom Landkreis Forchheim übernommen, 70 Prozent vom Bayerischen Naturschutzfonds, zehn Prozent von den beteiligten acht Gemeinden und zehn Prozent von der Oberfrankenstiftung. Pretzfeld müsste sich mit etwa 12 000 Euro an den Kosten beteiligen. Davon müssten 2017 etwa 2000 Euro, 2018 und 2019 jeweils 4000 Euro und 2020 die restlichen etwa 2000 Euro gezahlt werden.

Die Räte erklärten dem Referenten, dass bei der Flurbereinigung viele der Gräben zugeschüttet wurden, damit die Äcker besser bewirtschaftet werden können. Maria Hack (FA) meinte, dass viele Gespräche nötig seien, um die Landwirte zu überzeugen. Franz Stein (FW) ist der Ansicht, dass die Bauern der Gemeinde das nicht machen wollen.


Wandel der Einstellung

Renate Hofmann (WIR) sieht das Hauptproblem bei den jungen Leuten, die das Land nicht mehr wie früher mit den Händen bearbeiten müssen.

Johannes Mohr wies jedoch darauf hin, dass es bereits Anfragen gebe, weil Wässergemeinschaften wieder tätig werden wollen. Nach langer Diskussion wurde die Beteiligung am Wässerwiesenprojekt mit zehn zu vier Stimmen vom Marktgemeinderat doch beschlossen.
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