Forchheim
Notunterkunft

Zu Besuch im Asylbewerberheim in Forchheim

Im ehemaligen ASB-Wohnheim bei der Piasten-Brücke in Forchheim ist Platz für 200 Flüchtlinge. Hier finden sie ein erstes Zuhause fern der Heimat.
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Die Schlüssel zeigen, wie viele Leute hier wohnen können. Foto: Josef Hofbauer
Die Schlüssel zeigen, wie viele Leute hier wohnen können. Foto: Josef Hofbauer
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Ein großes Zelt steht auf dem Innenhof, junge Männer, kleine Kinder und fürsorgliche Mütter laufen umher. Es herrscht reges Treiben, aber keiner ist in Eile. Wieso auch? Den Leuten hier im ehemaligen ASB-Wohnheim, neben der Piasten-Brücke, fehlt es an vielem, aber nicht an Zeit.

141 Menschen gehen momentan in dem zum Notaufnahmelager für Flüchtlinge ausgebauten Gebäude ein und aus. In Forchheim angekommen, plagt die meisten Menschen die Langeweile. "Sie würden alle gerne arbeiten, dürfen es aber nicht", sagt Stefan Schick, Leiter der Notunterkunft. Deshalb sieht Schick sich nicht nur als Vermieter. Mit rund 20 Mitarbeitern nimmt er auch die Betreuungsaufgaben im Heim wahr. Sieben Tage die Woche sind Ansprechpartner vor Ort, 24 Stunden am Tag auch zwei Security-Kräfte - das ist eine Vorgabe der Regierung und dient der Sicherheit der Bewohner, denn es soll niemand Unbefugtes in das Haus kommen. Außerdem kommt es natürlich bei über 100 Leuten in einem Haus auch zu kleinen Unstimmigkeiten. Auch hier kann das Ordnungspersonal schlichtend eingreifen.

40 Kinder sind untergerbracht

In Notfällen kommen Schick oder Haldun Yildirim, der gemeinsam mit ihm das Heim leitet, auch nachts vorbei. "Diese Woche erst ist in der Nacht ein Kind aus dem Bett gefallen, dass wir ins Krankenhaus bringen mussten", erzählt Schick. Insgesamt sind zur Zeit 40 Kinder in dem Heim in der Unteren Kellerstraße untergebracht.

Die Asylbewerber, die in Forchheim landen, sind meist gerade erst nach Deutschland gekommen, denn das ASB-Heim in Forchheim ist eine Außenstelle der Erstunterkunft Zirndorf. Sie stammen hauptsächlich aus dem Kosovo und sind nur für eine begrenzte Zeit in Deutschland. "Mittlerweile ist den meisten bewusst, dass sie wieder gehen müssen", sagt Yildirim. "Aber bevor sie herkommen, wissen sie das nicht. Sie verkaufen ihr Hab und Gut, um nach Deutschland zu kommen", erklärt Schick, "ihnen werden utopische Versprechungen gemacht und schließlich werden sie doch aus Deutschland ausgewiesen. Zurück im Kosovo sind sie dann ärmer als zuvor."

Rund zwölf Wochen sind die Asylbewerber deshalb in der Unteren Kellerstraße im Durchschnitt untergebracht. "Täglich betrifft das etwa vier oder fünf Personen, die entweder abgeschoben oder umverteilt werden", erklärt Schick. "Manchmal erfahren wir erst 24 Stunden vorher, dass ein neuer Bus mit Flüchtlingen ankommt. Dann muss alles sehr schnell hergerichtet werden."

Für jeden Asylbewerber werden sieben Quadratmeter Wohnfläche vorgeschrieben. Insgesamt könnten 200 Leute im Asylbewerberheim wohnen. "Die Möglichkeit, die Leute hier im alten ASB-Wohnheim unterzubringen, haben wir gerne genutzt", sagt Schick. Die Menschen in Sporthallen schlafen zu lassen, wie es in anderen Städten üblich ist, würde die Akzeptanz in der Bevölkerung noch mehr schmälern, fürchtet er.

Bevor die ersten Flüchtlinge am 29. November einziehen konnten, musste einiges umgebaut werden. So befindet sich nun eine Großküche in dem Haus, damit die Asylbewerber auch regelmäßig verköstigt werden können. 18 000 Essen gehen dort im Monat raus. "Wir haben hier viele Muslime, danach richten wir uns dann natürlich", erklärt Schick. "Es gibt kein Schweinefleisch und wir wechseln die Gerichte ab. Wenn die Teller leer sind, dann wissen wir, dass es gut war."

In den 31 Zimmern mit 14 Toiletten und acht Duschen der Notunterkunft ist das Nötigste zwar vorhanden, doch vor allem Spielsachen für die Kinder und Kleidung wird noch immer gebraucht.

"Wenn jemand helfen möchte, kann er sich gerne bei mir melden", sagt Stefan Schick. "Aber ich bitte die Leute, nicht alles einfach abzustellen, sondern vorher bei mir anzurufen." Schick ist dankbar für alle Spenden und unter der Telefonnummer 0160/5533226 zu erreichen.


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