Gößweinstein
Raubvögel

Wohin mit dem Bussard?

Der Gößweinsteiner Tierfreund Reinhardt Brendel nimmt einen verletzten Bussard in Obhut und will dafür sorgen, dass dieser wieder aufgepäppelt wird. Doch zunächst fühlt sich niemand zuständig.
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Reinhard Brendel mit dem verletzten Bussard. Der Raubvogel soll jetzt zunächst in eine Auffangstation des Landesbundes für Vogelschutz gebracht werden. Foto: Thomas Weichert
Reinhard Brendel mit dem verletzten Bussard. Der Raubvogel soll jetzt zunächst in eine Auffangstation des Landesbundes für Vogelschutz gebracht werden. Foto: Thomas Weichert
"Wir haben einen Geier gefunden." So meldete sich gestern ein Mann bei Reinhardt Brendel und übergab ihm einen verletzten Bussard der aus dem Schnabel blutete. Gefunden wurde das verletzte Tier auf der Straße bei Geiselhöhe. Reinhardt Brendel nahm den jungen Bussard, wie er zunächst meinte könnte es sich um einen Wespen- oder Mäusebussard handeln, erst einmal in Obhut und verständigte die Untere Naturschützbehörde am Landratsamt Forchheim.

Kann der Tierarzt helfen?

Dort konnte man ihm aber auch nicht weiterhelfen und gab Brendel den Rat, sich an jemanden zu wenden der verletzte Wildtiere pflegt. Oder an den Landesbund für Vogelschutz (LBV). Für Brendel ein Unding. "Es handelt sich um eine geschützte Tierart und keiner will dafür zuständig sein?", wundert sich der Gößweinsteiner Tierfreund.
"Wir können den Bussard nicht aufnehmen, aufpeppeln oder pflegen", sagt Holger Strehl, Pressesprecher des Landratsamts auf Anfrage unserer Zeitung. Im Landratsamt gäbe es dafür eine Liste von Tierfreunden, die Wildtiere pflegen. Oder man verständigt einen Tierarzt oder den Jagdpächter.

Brendel setzt den verletzten Bussard in eine Schachtel und hüllt ihn in eine Decke ein. Dann ruft er in Bayreuth beim LBV an und dort gibt man ihm den Rat, den Bussard in die Praxis von Tierarzt Dr. Helmut Zartner zu bringen, der mit dem LBV zusammenarbeitet.

Brendel fährt deshalb mit seiner Frau Rosl nach Bayreuth zum Tierarzt. Dort nimmt die Sprechstundenhilfe den Vogel entgegen. Tierarzt Zartner stellt inzwischen die Diagnose: Gebrochener Unterschnabel und Blutung aus dem Ohr. Zartner vermutet, dass der Bussard, ein "junger jähriger Mäusebussard", gegen ein Auto geflogen ist. "Das Problem ist nun, dass der Vogel nicht mehr fressen kann und gestopft werden muss", sagt Zartner auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Tierarzt fixiert und schient den Schnabel des Mäusebussards und hofft, dass er überlebt. Danach wird das Tier zunächst in die Auffangstation des LBV gebracht und - wenn alles gut geht - nach der Genesung wieder in der freien Wildbahn ausgesetzt.

"Schizophrene Gesetzgebung"

Reinhardt Brendel hätte sich sogar strafbar machen können. Dann nämlich, wenn der Bussard unterwegs zum Tierarzt im Auto verendet wäre. "Es ist nämlich verboten, tote Wildtiere im Auto zu transportieren", sagt Zartner, der diese Gesetzgebung für schizophren hält. Denn was wäre passiert wenn sich keiner dem verletzten Bussard angenommen hätte? "Entweder hätte ihn der Fuchs geholt oder er wäre überfahren worden und die Krähen hätten ihn gefressen", spielt Zartner mögliche Szenarien durch. "Eigentlich ist ein verletztes Wildtier eine Fundsache, die bei der Gemeinde im Fundbüro abgegeben werden muss", so Zartner.

Der junge Mäusebussard hatte aber noch Glück im Unglück, dass er ausgerechnet bei Reinhardt Brendel gelandet war. "Denn der Bürgermeister hätte den Jagdpächter verständigen müssen und das wäre wohl der sichere Tod des Bussards gewesen", so Tierarzt Zartner.

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