Wiesenttal
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Wiesenttal wählt die günstigere Variante für den Breitbandausbau

Wiesenttal will ein schnelleres Internet für möglichst viele Ortsteile, aber nicht mehr als 90 000 Euro ausgeben. Außerdem soll die höchstmögliche Förderung abgeschöpft werden. Im Gemeinderat entstand eine Diskussion darüber, was gerecht ist.
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Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Alle Ortschaften im Markt Wiesenttal sollen ein schnelleres Internet als bisher bekommen. Darüber waren sich die Marktgemeinderatsmitglieder während der letzten Sitzung einig. Auch soll die Förderhöchstgrenze voll ausgeschöpft werden. Möglich wird dies auch durch eine Kooperation mit der Nachbargemeinde Ebermannstadt, von der aus der Ort Birkenreuth mitversorgt werden könnte. Bei einer interkommunalen Zusammenarbeit gibt es zu einem Fördersatz von 90 Prozent noch einmal 50 000 Euro obendrauf.

Insgesamt 950 000 Euro will der Markt Wiesenttal noch einmal in den Ausbau des schnellen Internets investieren. 90 000 Euro davon müsste die Gemeinde dann selbst tragen. Roland Werb vom Büro Corwese stellte zwei Varianten zur Breitbandversorgung im Wiesenttal vor.

Eine Verlegung in alle Ortsteile ist nicht zu leisten

Klar war den Räten, dass sich der Markt die Variante I mit der Verlegung von Glasfaserkabeln in alle Orte nicht leisten kann. Denn dies würde rund 1,5 Millionen Euro kosten. Die Ortsteile Rauhenberg, Draisendorf, Voigendorf, Neudorf, Wartleiten und Wohlmannsgesees würden aber bei der Variante II mit über sechs Mbit/s versorgt werden können. Diese Variante würde Investitionen von rund 810 000 Euro zur Folge haben, und die förderfähige Deckungslücke läge dann bei rund 650 000 Euro. Somit müsste der Markt Wiesenttal rund 65 000 Euro selbst tragen.

Marktrat Karl-Peter Schwegel (Bürgerforum Markt Wiesenttal) plädierte mit Nachdruck dafür, die Ortschaft Draisendorf mit 30 Mbt/s oder mehr zu versorgen, da sich dort die expandierende Nützel-Mühle, ein Mühlenbetrieb mit Mühlenladen, Getreidehandel und Feinvermahlung für Spezialprodukte, befindet, die bereits jetzt schon zwölf Arbeitsplätze bietet. Dies würde laut Werb Mehrkosten von rund 80 000 Euro verursachen. Marktrat Günter Schürer (CSU) meinte, bei der Nützel-Mühle einmal nachzufragen, ob man sich dort selbst mit 50 000 Euro am Breitbandausbau beteiligen könnte.

Gesucht: Eine halbwegs gute Lösung für alle

Für Helmut Hofmann (Zukunft-Jura) war die Frage an die Runde: "Welche Ortschaft lässt man weg und was ist gerecht?" "Ich bin nicht der Einzige, der noch überlegt", meinte Bürgermeister Helmut Taut (FWW) dazu. Für Taut steht jedoch ebenso fest, dass sich die Gemeinde nicht mehr als 90 000 Euro leisten kann. "Wenn wir sagen, gleiches Recht für alle, dann können wir uns draußen am besten verkaufen. Doch wir können es nicht bezahlen", so Taut, der dann scherzhaft meinte: "Wenn dann 2018 der Guttenberg wiederkommt, gibt es vielleicht 100 Prozent Förderung." Deshalb sei man laut Taut jetzt gefordert, eine halbwegs gute Lösung für alle zu bekommen und keinen Euro an Fördermitteln herzuschenken. "Wir brauchen den Kämmerer dazu; denn es nützt nichts, irgendwelche Utopien in die Welt zu setzen und Hoffnungen zu wecken, die nicht zu erfüllen sind", so Zweiter Bürgermeister Gerhard Kraus (BGS). Laut Taut brauche man dafür jedoch keinen Kämmerer, da man keine 330 000 Euro zuschießen könne.

Die bisher schon gut versorgten Ortschaften Muggendorf, Streitberg und Oberfellendorf mit 25 bis 50 Mbt/s, die bereits im alten Förderverfahren ausgebaut wurden, können im neuen nicht mehr berücksichtigt werden. Einstimmig beschloss der Marktrat schließlich, die Variante II zuzüglich einer Kooperation mit Ebermannsstadt in Auftrag zu geben, um die tatsächlichen Kosten zu ermitteln. Die Förderhöchstgrenze soll ausgeschöpft werden. Nach Kenntnis der Kosten könne dann immer noch entschieden werden, ob man mit ein oder zwei Projekten noch nachbessern kann. Wenn alles nach Plan verläuft, kann bereits im Frühjahr 2015 Baubeginn sein und alles 2016 abgeschlossen sein.
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