Gräfenberg
Bildung

Wie junge Flüchtlinge in Gräfenberg Deutsch lernen

Dass die Sprache der Schlüssel zur gelungen Integration ist, wissen die Gräfenberger.
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Petra Obijou (o.) unterstützt junge Flüchtlinge dabei, Deutsch zu lernen.Foto: Petra Malbrich
Petra Obijou (o.) unterstützt junge Flüchtlinge dabei, Deutsch zu lernen.Foto: Petra Malbrich
"Wie geht's?", will der Zwölfjährige aus dem Irak von seiner Integrationshelferin Petra Obijou wissen. Ein bisschen Smalltalk muss schon sein. Dann kommt er aber schon gleich zur Sache. "Was lernen wir heute?", fragt er und schaut auf das Arbeitsblatt, das ihm Obijou zeigt. "Ichstehejedentagumhalbsiebenuhr" steht dort geschrieben.
"Ich verstehe": Er nimmt das Blatt und beginnt damit, die Wörter zu trennen. Diese Aufgabe machen auch die beiden anderen Flüchtlingskinder, die nach der Pause ihre zusätzliche Stunde Deutsch bei Petra Obijou haben.


Sinnvollere Variante

Im Landkreis Forchheim gibt es zwei Möglichkeiten, Flüchtlingskinder zu integrieren und ihnen die deutsche Sprache beizubringen: in Übergangsklassen, in denen alle nicht Deutsch Sprechenden ab zwölf Jahren lernen.
Oder mit der Hilfe von Integrationshelfern wie hier in der Mittel- sowie Realschule Gräfenbergs.

Auf dem Land gilt dies als die sinnvollere Variante, denn hier leben einfach weniger Flüchtlingskinder als in der Stadt. Die insgesamt sechs Flüchtlingskinder in Gräfenberg sind je nach Alter in den normalen Regelklassen untergebracht. Maximal drei von ihnen werden von den Integrationshelfern aus dem Unterricht herausgenommen, um zusammen Deutsch zu lernen oder auch zu basteln.

Doch eigentlich ist es mehr als Deutschlernen, es ist soziale Integrationsarbeit. Und hier in Gräfenberg nehmen auch die anderen nicht Deutsch sprechenden Schüler aus dem Kosovo, aus Polen, Rumänien oder Portugal teil. Kinder aus 25 Nationen besuchen die Schule. "Sie lernen in einer großen Geschwindigkeit Deutsch", freut sich Heike Schütz, die Leiterin der Ganztagesschule.
Der Zwölfjährige aus dem Irak spricht tatsächlich beinahe fehlerfrei. Dies gilt auch für drei Jungs aus Syrien. Einer lebt in Weißenohe, einer in Igensdorf und einer in Egloffstein.


Viele Helfer

Integrationshelfer sind qualifizierten Mitarbeiterinnen der Ganztagesschule, die ihre Stunden aufgestockt haben. Eine Mitarbeiterin wurde zusätzlich eingestellt.
Querfinanziert werden sie von der Diakonie Hiltpoltstein und der Stadt Gräfenberg. Aber dass die Arbeit derart problemlos und reibungslos funktioniert, liegt an der unglaublich guten und engen Zusammenarbeit aller Beteiligter: Schulen, ehrenamtliche Integrationshelfer, schulische Integrationshelfer, Landratsamt, Diakonie Hiltpoltstein, Sozialstation Gräfenberg und natürlich die Schüler und ihre Eltern.

Denn es gilt nicht nur den Kindern Deutsch zu lehren, sondern auch die Eltern ans Deutsche heranzuführen. So sprechen die ehrenamtlichen Helfer der privaten Unterstützerkreise mit den Eltern in den Unterkünften in Gräfenberg, Weißenohe, Igensdorf oder Egloffstein. Das Zusammenleben berührt mitunter auch hochsensible Bereiche, in denen auch die Helfer in Fettnäpfchen treten können.
Das Zusammenleben verändert aber auch die Schulklassen selbst. Es gab schon Fälle, dass ein jugendlicher Flüchtling plötzlich abgeschoben worden ist.


Studie über Mediennutzung

Derzeit nehmen die beiden Gräfenberger Schulen damit an einer Fallstudie teil, Volker Titel von der Friedrich-Alexander- Universität Erlangen durchführt. Auch das Bildungsbüro des Landratsamts ist daran beteiligt. "Mediensozialisation von Flüchtlingskindern" heißt es und soll aufzeigen, welche Medienerfahrung die Flüchtlingskinder haben und wie diese ihre Integration begünstigen, aber auch behindern.

"Das Ziel ist es, gangbare Konzepte für Schulen zur Verfügung zu stellen", erklärt Heike Schütz, die an der Studie ebenfalls beteiligt ist. Derweil trennen die vier Jugendlichen mit Petra Obijou die Textschlange und bringen die Sätze in die richtige Form. Sie unterhalten sich zwischendurch natürlich auch immer wieder ein wenig: mit ihrer Lehrerin auf Deutsch, untereinander auf Arabisch.

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