Kunreuth
Annafest

Was trägt man eigentlich am Annafest?

Die Frage, was am Annafest oder zur Kerwa-Zeit getragen wird, muss jeder selbst für sich entscheiden.
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Rosalie Postatny zeigt die vielen Muster und Stickereien.Foto: Barbara Herbst
Rosalie Postatny zeigt die vielen Muster und Stickereien.Foto: Barbara Herbst
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Wenn die 27-jährige Rosalie Postatny beginnt, über ihre Arbeit zu sprechen, dann leuchten ihre Augen. "Ich habe die Meisterschule in München besucht und bin dabei immer wieder mit Trachten konfrontiert worden", erinnert sie sich. Dann sei ihr der Gedanke gekommen, dass diese oberbayerische Tracht gar nicht der entspreche, die sie von zu Hause kennt. Auch auf dem Annafest in Forchheim sehe man nur selten richtig fränkische Tracht, sagt sie, das meiste seien doch eher Dirndl von der Stange.


Nicht jede Tracht ist zum Trauern

"Als kleines Mädchen habe ich oft Trachten gesehen", sagt sie, "aber das waren Trauer-Trachten, wie ich jetzt, Jahre später, herausgefunden habe. Ich wusste damals nicht, dass es bei uns auch bunte Trachten gibt."

Mittlerweile hat sich die Herren- und Damenschneidermeisterin auf Trachten spezialisiert - genauer gesagt auf Trachten aus der Fränkischen Schweiz.
Dazu hat sie sich mit Dagmar Rosenbauer zusammengetan.

Rosenbauer beschäftigt sich seit ihrer Jugend mit der fränkischen Tracht. Ihre Erste hat sie sich zum 16. Geburtstag schenken lassen. Damals habe sie aber schnell gemerkt, dass das keine klassische Tracht war, sondern zwar ein Trachten-Schnitt, aber aus Dirndl-Stoffen hergestellt. Über die Jahre hinweg hat sie sich ein breites Wissen über die Trachten in der Fränkischen Schweiz angeeignet und sich zur Expertin gemausert. In ihrem Laden in Kunreuth arbeitet sie nun gemeinsam mit Rosalie Postatny.

"Wenn jemand eine Tracht bestellt, treffen wir uns zuerst in Kunreuth, sprechen über Stoffe, Schnitte und Vorstellungen", erklärt Postatny, "ich nehme dann auch Maß und berate." Das Trachten-Team fragt dann auch nach dem Heimatort und der Konfession der Auftraggeberinnen. "Jeder Ort hat eine andere traditionelle Tracht", erklärt die junge Schneidermeisterin, "katholische Trachten sind übrigens meistens viel farbenfroher als die evangelischen."


Vier Monate für ein Outfit

Wer sich jetzt aber dazu entscheidet, fürs Annafest oder die Kerwa im Sommer eine richtig traditionelle Tracht anfertigen zu lassen, der sollte Geduld und Geld haben. "Ich arbeite so drei bis vier Monate an einer Tracht", erklärt Postatny, "ich arbeite nebenher nämlich noch Teilzeit." Deshalb ist es für Postatny auch nicht möglich, fürs kommende Annafest noch eine Tracht zu schneidern. Die Kosten für Bluse, Mieder, Schürze und Rock belaufen sich auf rund 900 Euro. "Das ist natürlich aber auch abhängig davon, welche Materialien man wählt und wie viel Stickereien man wünscht", erklärt sie.

Egal, welchen der Stoffe man möchte, bei Dagmar Rosenbauer im Laden hat der Kunde eine große Auswahl. "Ich kann für alle - egal ob ganz traditionell oder modern - Stoffe anbieten", sagt sie. Von der Werktags-Tracht bis zur Festtags-Tracht sei alles dabei.

Obwohl eine Tracht bedeutend teurer ist als ein Dirndl "von der Stange", ist sich Rosenbauer sicher, dass sich die Investition lohnt: "Eine Tracht ist eine sehr haltbare Sache und nicht so sehr der Mode unterworfen." Natürlich gebe es Farbtrends, die sich alle paar Jahre ändern würden. Aber grundsätzlich verliere eine Tracht nicht an Aktualität.


Neue Kombinationsmöglichkeiten

"Man hat ja auch die Möglichkeit, die fränkische Tracht immer neu zu kombinieren", erzählt Rosenbauer. Denn einer der Unterschiede zwischen einem Dirndl und einer fränkischen Tracht ist auch, dass das Dirndl zusammengenäht ist. Bei der fränkischen Variante sind Rock und Mieder voneinander getrennt. "Es ist jetzt keine Jogginghose", scherzt Rosalie Postatny, aber unbequem sei die Tracht nicht. Sie selbst habe "ungefähr zwei" Trachten, man könne sie aber eben unterschiedlich kombinieren und so könne man auch von mehreren Outfits ausgehen.
Auch für Männer gebe es eine Alternative zur oberbayerischen Lederhose. Die fränkische Tracht für Männer ist normalerweise knielang und schwarz. Die Stickereien seien dabei Ton in Ton. Teilweise werde auch die Art "Pantalon" getragen. "Die Franken tragen eigentlich keine karierten, sondern wollweiße Hemden", erzählt Rosalie Postatny, "karierte Hemden gehen eigentlich gar nicht."
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